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Streit um Kostenbremse für die Rente

Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge spaltet die Lager: Während Bankenverbände einen Kostendeckel für überflüssig halten, warnen Verbraucherschützer vor zu hohen Gebühren, die die Ersparnisse auffressen. Im Zentrum der Debatte steht eine Obergrenze von 1,5 Prozent für Standardprodukte.

Streit um Kostenbremse für die Rente
Bild: Deutscher Bundestag

Wer für das Alter vorsorgt, könnte künftig deutlich mehr Geld verlieren als nötig. Die Bundesregierung plant eine Reform der privaten Altersvorsorge, doch über die zulässigen Kosten für neue Sparprodukte tobt ein heftiger Streit.

In einer öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses am Montag prallten die Interessen der Finanzwirtschaft und der Verbraucherschützer aufeinander. Die Deutsche Kreditwirtschaft, der Dachverband der Banken, forderte, den geplanten Kostendeckel von 1,5 Prozent für Standardprodukte komplett abzuschaffen. Der Wettbewerb am Markt sorge bereits für niedrige Preise, argumentierten die Vertreter.

Ganz anders sieht das der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Für ihn ist die geplante Obergrenze viel zu hoch. Die Organisation rechnete vor, welche dramatischen Folgen hohe Gebühren über die Jahrzehnte haben: Ein öffentlich-rechtliches Standardprodukt mit Kosten von nur 0,2 Prozent würde nach 40 Jahren Sparzeit und monatlichen Einzahlungen von 130 Euro einen Vermögenszuwachs von fast 180.000 Euro bringen. Bei Kosten von 1,5 Prozent blieben dem Sparer am Ende nur knapp 80.000 Euro – ein Unterschied von 100.000 Euro.

„Ein Kostensatz von 1,5 Prozent führt dazu, dass lediglich 53 Prozent der Kapitalmarkterträge bei den Vorsorgesparern ankommen“, kritisierte die Verbraucherzentrale. Statt vieler privater Angebote fordern die Verbraucherschützer ein einheitliches, öffentlich-rechtliches Produkt nach schwedischem Vorbild, das deutlich günstiger wäre.

Hintergrund der Debatte ist der Entwurf für ein Altersvorsorgereformgesetz. Die Bundesregierung will mit der Reform die private Vorsorge attraktiver machen und so Altersarmut bekämpfen. Geplant ist unter anderem ein neues „renditeorientiertes Altersvorsorgedepot“ ohne Kapitalgarantien. Daneben soll es aber auch Produkte mit Garantien von 80 oder 100 Prozent geben.

Der Staat will die Sparer mit höheren Zulagen unterstützen. Für jeden selbst eingezahlten Euro soll es eine Grundzulage von 30 Cent geben, die bis 2029 auf 35 Cent steigen soll. Diese Förderung gilt bis zu einem Sparbetrag von 1.200 Euro im Jahr. Für Familien mit Kindern sind zusätzliche Zuschüsse vorgesehen.

Doch nicht nur die Kosten sind umstritten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält das gesamte Vorhaben für verfehlt. Die private Vorsorge bleibe für Kunden „teuer, beratungsintensiv und ineffizient, während der Bund den Zuschuss erhöht“. Geringverdiener und Alleinerziehende würden benachteiligt. Der DGB fordert stattdessen, das Niveau der gesetzlichen Rente anzuheben und Betriebsrenten auszubauen.

Auch aus der Wissenschaft kommt Kritik. Professorin Ulrike Malmendier von der University of California, Berkeley, nannte den Kostendeckel von 1,5 Prozent im internationalen Vergleich „geradezu peinlich“ und absolut inakzeptabel. Ihrer Ansicht nach erreicht der Entwurf vor allem bildungsferne Haushalte nicht, die dringend eine Altersvorsorge benötigten.

Die Versicherungswirtschaft fühlt sich ihrerseits benachteiligt. Während Banken und Neobroker das geplante Standardprodukt ohne Beratung vertreiben dürften, gelte für Versicherer eine gesetzliche Beratungspflicht. Dies verzerre den Wettbewerb, monierte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft.

Neben dem Regierungsentwurf wurden in der Anhörung auch Anträge der Opposition diskutiert. Die Grünen fordern einen „Bürgerfonds“ als öffentlich verwaltetes, kostengünstiges Standardprodukt. Die AfD brachte einen ETF-Sparplan für die Rente ins Gespräch.

Die Debatte zeigt, wie schwer der Spagat zwischen attraktiven Angeboten für Sparer und den Interessen der Finanzindustrie ist. Für Millionen Deutsche geht es dabei um die Sicherheit im Alter – und darum, ob sie am Ende genug zum Leben haben.