Sa., 06 Juni 2026 Berlin 22:14 DE / UKR / EN

Malmendier: Wie Deutschland Bürger besser entlasten könnte

Die Ökonomin Ulrike Malmendier kritisiert Steuergeschenke wie den Tankrabatt und erklärt, wie die Regierung Bürger wirksamer entlasten könnte. Zugleich warnt sie vor einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage.

Malmendier: Wie Deutschland Bürger besser entlasten könnte
Bild: cdn.prod.www.spiegel.de

Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier hat die Entlastungspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Wie sie dem Spiegel sagte, seien Steuergeschenke wie der Tankrabatt nicht geeignet, um Bürger nachhaltig zu entlasten. Stattdessen plädiert die Ökonomin für zielgerichtetere Maßnahmen, die Wachstum fördern und die Kaufkraft stärken.

Malmendier, Professorin für Finanzmarktökonomik an der University of California in Berkeley und bis Ende Februar 2026 Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sieht die deutsche Wirtschaft in einer ernsten Lage. Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut Deutschland für dieses Jahr nur noch 0,8 Prozent Wachstum zu. „Es kann sogar noch schlimmer kommen, je nachdem, wie lange der Irankrieg andauert“, sagte Malmendier. Nach drei Jahren Rezession und Stagnation gehe in Deutschland weiter nichts voran.

Reformen überfällig – aber nicht jede hilft

Die Regierung plane zwar Reformen im Gesundheitswesen, bei der Rente und am Arbeitsmarkt, räumte Malmendier ein. Diese seien überfällig. „Es ist dieser Koalition zugutezuhalten, dass sie sagt: Wir gehen das jetzt an, auch wenn es nicht zu großer Beliebtheit führen wird.“ Die entscheidende Frage sei jedoch: „Wie erzielen wir endlich wieder Wachstum?“

Malmendier kritisierte, dass viele der bisherigen Entlastungen wie der Tankrabatt oder das 9-Euro-Ticket zwar populär, aber wachstumspolitisch kontraproduktiv seien. Statt pauschaler Subventionen brauche es Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Innovation. Nur so könne Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.

Wo Deutschland wieder Weltmarktführer werden könnte

Auf die Frage, wo Deutschland wieder eine Führungsrolle einnehmen könne, verwies Malmendier auf Bereiche wie grüne Technologien, Künstliche Intelligenz und industrielle Digitalisierung. „Wir haben exzellente Forschung und starke Unternehmen – das Potenzial ist da“, sagte sie. Allerdings fehle es an der Umsetzung. Bürokratie, langsame Genehmigungsverfahren und mangelnde Investitionsbereitschaft bremsten die Entwicklung.

Die Ökonomin forderte eine grundlegende Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik. „Das alles hat mit wachstumsfördernder Politik nichts zu tun“, sagte sie mit Blick auf die bisherigen Maßnahmen. Nötig seien Anreize für private Investitionen, eine Reform der Schuldenbremse und eine gezielte Fachkräftezuwanderung.

Mai 2026 über die wirtschaftspolitischen Vorschläge der neuen Bundesregierung, die ebenfalls auf mehr Investitionen und Bürokratieabbau setzt, hier.

Quelle: www.spiegel.de