Die russischen Streitkräfte haben in der Nacht auf Sonntag einen massiven Luftangriff auf Kiew und die umliegende Region geflogen. Dabei setzte Moskau nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe erneut die neuartige Mittelstreckenrakete Oreschnik ein. Ziel des Geschosses war die Stadt Bila Zerkwa, rund 80 Kilometer südwestlich von Kiew, wie die FAZ unter Berufung auf ukrainische Medien berichtet. Die örtlichen Behörden meldeten Schäden an Garagen und einem Betrieb; die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.
Der Angriff begann um 0:16 Uhr Ortszeit (23:16 Uhr MESZ) und umfasste nach ukrainischen Militärangaben insgesamt 90 Raketen und 600 Drohnen. Die Luftabwehr habe 55 Raketen und 549 Drohnen abfangen können, während 16 Raketen und 51 Drohnen einschlugen. In Kiew selbst registrierte Bürgermeister Vitali Klitschko Schäden in allen Stadtteilen: Zwei Menschen starben, 56 wurden verletzt. Fotos zeigen zerstörte Wohnblocks, ein großes Einkaufszentrum und ein Markt standen in Flammen.
Selenskyj warnte vor dem Angriff
Bereits am Samstagabend hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram vor einem bevorstehenden russischen Schlag gewarnt. Man habe von amerikanischen und europäischen Partnern Hinweise auf einen Oreschnik-Einsatz erhalten und sehe „Anzeichen“ für einen kombinierten Angriff auf Kiew mit verschiedenen Waffentypen. Kurz darauf schloss die US-Botschaft in Kiew ihre Türen und warnte vor einem „möglicherweise bedeutenden Luftangriff“ innerhalb der nächsten 24 Stunden.
Es ist der dritte Einsatz der Oreschnik-Rakete im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Bei den beiden vorherigen Attacken hatte Moskau nach eigenen Angaben Übungsmunition verwendet. Die Waffe ist eine Überschall-Mittelstreckenrakete, die mit sechs Gefechtsköpfen mit Streumunition bestückt werden kann – Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen den typischen Anflug über Kiew.
Putin wirft Kiew „Terrorangriff“ vor
Die neue Angriffswelle folgt auf eine Rede von Wladimir Putin am Freitag. Er hatte Kiew beschuldigt, mit Drohnen ein Wohnheim einer pädagogischen Hochschule in Starobilsk angegriffen zu haben – einer Stadt im russisch besetzten Luhansker Gebiet. „Nachts, als die Studenten schliefen“, seien 16 Drohnen auf das Gebäude geflogen, sagte Putin vor Absolventen des Programms „Zeit der Helden“, das Kriegsveteranen auf Verwaltungsposten vorbereitet. Er betonte, es habe keine militärischen Ziele in der Nähe gegeben.
Die ukrainischen Streitkräfte widersprachen: Sie hätten in Starobilsk in der Nacht auf Freitag eine Stabsstelle der russischen Elite-Drohneneinheit „Rubikon“ zerstört. Diese Einheit ist für Angriffe auf ukrainische Ziele verantwortlich. Die gegenseitigen Vorwürfe sind Teil der anhaltenden Informationskriegsführung im russischen Angriffskrieg.
EuroPulse berichtete am 23. Mai 2026 über Selenskyjs Warnung vor einem russischen Oreschnik-Raketenangriff auf die Ukraine (https://europulse.today/selenskyj-warnt-vor-oreschnik-rakete/).
Quelle: www.faz.net



