Die kosovarische Staatsanwaltschaft gab die Festnahme von fünf Serben bekannt, die im Verdacht stehen, an dem Massaker von Reçak beteiligt gewesen zu sein. Wie die Behörde mitteilte, handelt es sich bei den Verdächtigen um ehemalige Angehörige serbischer Spezialeinheiten. Ihnen wird vorgeworfen, im Januar 1999 an der Ermordung von 42 ethnischen Albanern mitgewirkt zu haben.
Das Massaker von Reçak gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg. Truppen umstellten damals das Dorf, eröffneten das Feuer und drangen mit Panzerfahrzeugen ein. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) identifizierte die Getöteten als Zivilisten, was Serbien bis heute bestreitet. Die kosovarische Justiz hat bereits 21 Serben wegen der Ereignisse angeklagt, darunter den früheren Polizeichef Obrad Stevanović und Geheimdienstchef Radomir Marković. Da sich die Angeklagten außerhalb der Reichweite der kosovarischen Behörden befinden, wurde ein Prozess in Abwesenheit beantragt.
Serbien wies die Festnahmen zurück. Das serbische Büro für den Kosovo sprach von einer „systematischen politischen und institutionellen Gewalt“ und warf Prishtina vor, eine „chauvinistische und antiserbische Politik“ zu betreiben. Das Massaker von Reçak war ein Wendepunkt im Kosovo-Krieg: Die Nato und die Vereinten Nationen griffen ein, serbische Truppen zogen sich zurück. Der Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit, die Serbien nicht anerkennt.
Quelle: www.zeit.de



