Nach neuen russischen Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur ist es in vier Regionen zu Stromausfällen gekommen. Das teilte der staatliche Netzbetreiber Ukrenergo am Donnerstagmorgen auf Facebook mit, wie Ukrinform berichtet. Betroffen sind demnach die Regionen Donezk, Charkiw, Sumy und Saporischschja. „Überall dort, wo es die Sicherheitslage derzeit erlaubt, laufen bereits Notfall- und Wiederherstellungsarbeiten“, zitierte Ukrinform den Betreiber.
In mehreren Regionen gelten nach Angaben von Ukrenergo für den gesamten Tag verpflichtende Leistungsbegrenzungen für die Industrie sowie stündliche Abschaltpläne für alle Verbraucherkategorien – mit einem Umfang von bis zu drei Stufen. In Teilen der Hauptstadt Kyjiw und der Region Kyjiw wurden wegen eines Spannungsabfalls im Hochspannungsnetz Notabschaltungen verhängt. Die zuvor angekündigten stündlichen Abschaltpläne sind vorerst nicht in Kraft. Zu den planmäßigen Stromausfällen soll erst zurückgekehrt werden, sobald sich die Lage im Energiesystem stabilisiert hat.
Verbrauch am Morgen 5,5 Prozent unter Vortagesniveau
Der Stromverbrauch lag am Donnerstag um 09:30 Uhr Ortszeit um 5,5 Prozent unter dem Niveau des Vortages. Als Grund nannte Ukrenergo die Zunahme der erzwungenen Abschaltungen in mehreren Regionen. Der Netzbetreiber empfahl, den Betrieb leistungsstarker Elektrogeräte auf die Zeit zwischen 11:00 und 15:00 Uhr zu verlegen, wenn industrielle Solaranlagen am effizientesten arbeiten. Zwischen 17:00 und 22:00 Uhr sollten starke Verbraucher nach Möglichkeit nicht gleichzeitig eingeschaltet werden.
Ukrenergo wies zugleich darauf hin, dass sich die Lage im Energiesystem durch weitere russische Angriffe ändern könne. Die Menschen sollten die Mitteilungen auf den Websites und offiziellen Social-Media-Seiten ihres jeweiligen Verteilnetzbetreibers verfolgen. Bereits zuvor war aus einzelnen Regionen der Ukraine von Notabschaltungen infolge russischer Angriffe berichtet worden.
Was die Einschränkungen für den Alltag bedeuten
Die stündlichen Abschaltpläne betreffen alle Verbraucherkategorien, während Leistungsbegrenzungen für die Industrie gelten. In den betroffenen Gebieten müssen sich die Menschen auf zeitweise fehlenden Strom einstellen – mit Folgen für Heizung, Wasserversorgung, Internet und Kartenzahlung. Für die Industrie gelten Leistungsbegrenzungen. In Kyjiw und der Region Kyjiw treten an die Stelle der angekündigten Pläne kurzfristige Notabschaltungen, die für die Betroffenen schwerer vorhersehbar sind.
Ukrenergo bittet die Verbraucher, den Stromverbrauch in die Mittagsstunden zu verlagern und am Abend zu reduzieren. Solche Appelle richten sich auch an Betriebe, die ihre Produktion verschieben können. Wie lange die Einschränkungen andauern, ließ der Betreiber offen. Entscheidend ist nach seinen Angaben, wann die Spannung im Hochspannungsnetz wieder stabil ist und die beschädigten Anlagen repariert werden können.
Die erneuten Angriffe auf die Energieinfrastruktur setzen die Ukraine zu Beginn der kalten Jahreszeit unter Druck. Bereits zuvor war aus einzelnen Regionen der Ukraine von Notabschaltungen infolge russischer Angriffe berichtet worden. Die ukrainische Regierung und die Betreiber versuchen, das Netz mit Reparaturen und Verbrauchssteuerung stabil zu halten. Für die Menschen bedeutet das vor allem eines: weniger planbare Sicherheit im Alltag.



