Die russische Armee hat die Oblast Dnipropetrowsk in der Nacht zum Freitag mehr als 30 Mal mit Drohnen und Fliegerbomben angegriffen. Wie der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleksandr Hansha, am Freitagmorgen auf Telegram mitteilte, wurde dabei eine 24 Jahre alte Frau mittelschwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Ukrinform.
Nach Hanshas Angaben galten die Angriffe unter anderem den Gemeinden Nikopol, Marhanez, Tscherwonohryhoriwka und Pokrow im Rajon Nikopol. In der Gemeinde Selenodolsk im Rajon Krywyj Rih brach nach dem Angriff ein Feuer aus. Im Rajon Synelnykowe wurden die Gemeinden Mykolajiwka und Petropawliwka getroffen, wo Privathäuser und Autos beschädigt wurden. Im Rajon Samariwskyj wurde ein Verwaltungsgebäude in der Gemeinde Hubynycha beschädigt. Auch auf Pawlohrad und die Gemeinde Jurjiwka im Rajon Pawlohrad schlugen Drohnen und Bomben ein, dort entstanden Brände.
Die Angriffe setzen eine Serie fort: Bereits am Donnerstag, 8. Oktober, hatte die russische Armee nach Angaben von Ukrinform mehr als 40 Mal vier Rajone der Oblast Dnipropetrowsk attackiert. Dabei wurden zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt.
Eine Woche mit schweren Angriffen in mehreren Regionen
Die nächtlichen Angriffe auf Dnipropetrowsk sind Teil einer intensiven russischen Offensive gegen die Ukraine in dieser Woche. In der Nacht zum Mittwoch, 7. Oktober, feuerte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe Dutzende Raketen und 130 Drohnen auf Ziele in mehreren Regionen ab, darunter Kyjiw, Charkiw, Poltawa und Dnipropetrowsk. Nach Angaben der Berliner Zeitung wurden dabei mindestens 21 Menschen getötet und rund 60 verletzt. Die meisten Opfer gab es in der Stadt Pryluky in der Region Tschernihiw, wo eine Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus zerstörte. Bis zum Vormittag des 7. Oktober wurden dort nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 15 Tote geborgen, darunter vier Kinder; rund 50 Menschen wurden verletzt.
Die Angaben zum Ausmaß des Angriffs vom 7. Oktober gehen auseinander: Die Berliner Zeitung berichtet unter Berufung auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj von rund 70 eingesetzten Raketen, viele davon ballistisch. Die ukrainische Luftwaffe gab an, fünf ballistische Raketen, 39 Marschflugkörper und mehr als hundert Drohnen abgefangen zu haben. Der ukrainische Präsident nannte russische ballistische Raketen die größte Herausforderung für die Verteidigung; seine Regierung suche weltweit nach Abfangraketen für US-amerikanische Patriot-Systeme, deren Vorräte wegen des Iran-Krieges knapp seien. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Ziel seien militärisch-industrielle Anlagen gewesen, darunter Produktions- und Lagerstätten des ukrainischen Rüstungsunternehmens Fire Point.
Wie es in den betroffenen Gebieten weitergeht
Für die Menschen in der Oblast Dnipropetrowsk bedeutet der anhaltende Beschuss vor allem eines: Die Gefahr ist allgegenwärtig, und die Schäden an Wohnhäusern, Autos und Verwaltungsgebäuden nehmen zu. In der Nacht zum Freitag blieb es nach den bisher vorliegenden Angaben bei einer Verletzten. Die Behörden rufen die Bevölkerung weiterhin dazu auf, bei Luftalarm Schutzräume aufzusuchen.
Die Angriffe der vergangenen Tage haben auch die Energieversorgung getroffen. Das ukrainische Energieministerium kündigte nach dem Angriff vom 7. Oktober in fünf Regionen vorübergehende Notabschaltungen an. Am 8. Oktober kam es in Kyjiw nach einem russischen Angriff auf die Energieinfrastruktur zu großflächigen Stromausfällen; mehr als drei Millionen Einwohner der Hauptstadt waren nach Angaben des Kyiv Independent ohne Strom. Die EU-Kommission verurteilte den Angriff vom 7. Oktober. Nach Angaben von Ministerpräsident Serhij Koretskyj erhielt Kyjiw am Mittwoch zudem eine neue Tranche der EU-Finanzhilfen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die für Rüstungsausgaben verwendet werden soll.
Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Die russische Armee greift seit Monaten immer wieder Ziele weit hinter der Front an, die Ukraine reagiert mit Drohnenangriffen auf russische Infrastruktur. Für die Menschen in der Oblast Dnipropetrowsk und anderen betroffenen Regionen dürfte der Herbst damit weiter von Luftalarm, Stromausfällen und der Angst vor neuen Angriffen geprägt sein.



