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Russland setzt erstmals Düsen-Drohne gegen Lwiw ein

Eine düsengetriebene Shahed-Drohne hat am 10. Oktober erstmals die westukrainische Stadt Lwiw erreicht. Zuvor war sie über die gesamte Ukraine geflogen.

Russland setzt erstmals Düsen-Drohne gegen Lwiw ein
Grafik: EuroPulse

Eine düsengetriebene Shahed-Drohne hat am 10. Oktober erstmals die westukrainische Stadt Lwiw erreicht. Zuvor war sie über die gesamte Ukraine geflogen.

Russland hat am Morgen des 10. Oktober erstmals eine düsengetriebene Shahed-Drohne gegen die westukrainische Stadt Lwiw eingesetzt. Wie die BBC unter Berufung auf den Bürgermeister der Stadt, Andrij Sadowyj, und den Leiter der Gebietsverwaltung, Maksym Kosyzkyj, berichtet, flog die Drohne in der Nacht zuvor über die gesamte Ukraine und erreichte am Morgen die Stadt. Kosyzkyj zufolge versuchte die ukrainische Luftverteidigung, die Drohne abzufangen. Anwohner meldeten eine Explosion am Rand der Stadt.

Die Attacke auf Lwiw ist Teil einer ungewöhnlich massiven Angriffswelle auf die Westukraine. In der Nacht zum 10. Oktober griff Russland nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte erstmals in diesem Ausmaß mit Düsen-Drohnen den Westen des Landes an. Die BBC berichtet von zahlreichen Einschlägen bis nach Luzk und Dubno in der Region Riwne. Der Bürgermeister von Iwano-Frankiwsk, Ruslan Marzinkiw, meldete mindestens fünf Drohnen, die in der Nacht die Stadt trafen. Iwano-Frankiwsk und nun Lwiw galten bislang als kaum erreichbar für düsengetriebene Shaheds.

Eine Waffe, die erst seit dem Sommer massiv eingesetzt wird

Düsengetriebene Shahed-Drohnen sind für die ukrainische Luftverteidigung ein besonders schwer zu bekämpfendes Ziel. Sie erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometern pro Stunde und fliegen in großer Höhe, weshalb sie mit mobilen Feuerstellen oder herkömmlichen Abfangdrohnen nur schwer abzufangen sind. Das berichtet die BBC unter Berufung auf ukrainische Militärbeobachter.

Die Zahlen zeigen, wie schnell Russland diese Waffe ausgeweitet hat. Nach Angaben von Oberst Juri Ihnat, Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, hatte der Kreml bis zum 21. September fast 7.700 Drohnen mit Turbojet-Antrieb auf die Ukraine abgefeuert. Im Juni waren es laut Ihnat rund 350 Jetdrohnen, im Juli 1.500 und im August mehr als 2.800. Für den gesamten September nannte Ihnat am 7. Oktober 3.500 dieser Drohnen. Mindestens die Hälfte aller russischen Langstrecken-Drohnenangriffe entfällt inzwischen auf Systeme mit Strahlantrieb, wie Business Insider berichtet.

„Das zeigt, dass der Feind nicht nachlässt und Möglichkeiten findet, diese Strahltriebwerke und weitere Komponenten zu kaufen und auf russischem Gebiet zusammenzubauen“, sagte Ihnat dem ukrainischen Sender TSN. Russland setzt inzwischen mehr als 2.000 Drohnen mit Strahlantrieb pro Monat ein, wie Business Insider unter Berufung auf ukrainische Angaben berichtet. Die Ukraine fängt nach eigenen Angaben nur noch rund 60 Prozent der russischen Drohnen ab. Als Russland vor allem propellergetriebene Shaheds einsetzte, waren es noch 90 Prozent.

Warum die Abwehr so schwerfällt

Ein Grund für die wachsende Zahl der Angriffe ist die Kostenrechnung. Eine Abfangrakete kostet rund eine Million Dollar, eine einzelne Angriffsdrohne dagegen nach Angaben von Euronews zwischen 25.000 und 40.000 Euro. Moskau nutzt dieses Missverhältnis gezielt aus, indem es Wellen von Drohnen startet, die die teurere Luftverteidigung ermüden sollen.

Die Produktion läuft vor allem in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan, rund 1.200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der Komplex umfasst mehr als 2,8 Millionen Quadratmeter. Nach ukrainischen Angriffen auf die Anlage hat Russland Teile der Fertigung unter die Erde verlegt. Der OSINT-Analyst Dnipro Osint schätzt laut Ukrajinska Prawda, dass in Alabuga bereits etwa 42.000 Quadratmeter unterirdische Produktionsfläche entstanden sind – in etwa die Größe von sechs Fußballfeldern. Dort werden Rümpfe aus Verbundwerkstoffen geformt, Motoren gebaut und Bordelektronik montiert.

Die Angaben zum Produktionsvolumen gehen auseinander. Das Zentrum für Strategische und Internationale Studien ging im März 2026 von rund 5.500 Drohnen pro Monat aus. Der ukrainische Militärgeheimdienst schätzte die Fertigung im August auf etwa 3.000 Geran-4 und Geran-5 sowie rund 2.800 Geran-2 pro Monat. Laut russischen Medien, auf die sich The Economist beruft, liegt die tägliche Produktion der Geran-2 inzwischen bei mehr als 100 Stück, mit dem Ziel von 500 pro Tag.

Für die Menschen in der Westukraine bedeutet das eine neue Lage. Regionen, die bislang als vergleichsweise sicher galten, geraten zunehmend in Reichweite der schnellen Drohnen. Beobachter weisen laut BBC darauf hin, dass Russland die Düsen-Shaheds vor dem Winter so anpassen will, dass sie auch die westlichsten Regionen erreichen – um Probleme mit Heizung und Strom auch in Lwiw zu verursachen. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie schnell die Ukraine ihre Abwehr auf die schnelleren Ziele einstellen kann.

Quellen

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