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Drohnenangriff legt Moskauer Flughäfen lahm, über 300 Flüge verspätet

Eine große Welle ukrainischer Drohnen hat in der Nacht zum 10. Oktober die Region Moskau getroffen. An den Flughäfen Wnukowo, Scheremetjewo und Domodedowo kam es zu Annullierungen und mehr als 300 Verspätungen.

Drohnenangriff legt Moskauer Flughäfen lahm, über 300 Flüge verspätet
Archivfoto: MBH / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Eine große Welle ukrainischer Drohnen hat in der Nacht zum 10. Oktober die Region Moskau getroffen. An den Flughäfen Wnukowo, Scheremetjewo und Domodedowo kam es zu Annullierungen und mehr als 300 Verspätungen.

Eine große Welle ukrainischer Kampfdrohnen hat in der Nacht zum Samstag, dem 10. An den Flughäfen Wnukowo, Scheremetjewo und Domodedowo kam es zu zahlreichen Annullierungen und mehr als 300 Verspätungen, wie das englischsprachige Nachrichtenportal Kyiv Post unter Berufung auf den ukrainischen Monitoring-Kanal Exilenova+ und das russische Regionalmedium MSK1 berichtet. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, die Luftabwehr habe zwischen 20:30 Uhr Ortszeit am Freitag und 8:30 Uhr am Samstag 403 auf die Region gerichtete Drohnen abgefangen. Die weit überwiegende Zahl sei auf entfernten Anflugwegen zerstört worden, 25 seien im unmittelbaren Luftraum vor Moskau abgeschossen worden.

Die russische Luftverkehrsbehörde Rosawiazija bestätigte laut Kyiv Post, dass die Flugverbote um 8:50 Uhr Ortszeit aufgehoben wurden. Die Fluggesellschaften mussten ihre Pläne den ganzen Samstagmorgen über anpassen, um die aufgelaufenen Verspätungen abzuarbeiten. Die Angaben zur Zahl der betroffenen Flüge gehen auseinander: Exilenova+ nannte rund 300 annullierte oder erheblich verspätete Linienflüge, MSK1 mindestens 370 Verspätungen an den Flughäfen der Metropolregion.

Die Störungen stehen im Zusammenhang mit einer ukrainischen Strategie, russische Logistik und Infrastruktur zu schwächen. Nach Zahlen des Luftsicherheitsunternehmens Osprey Flight Solutions, die der Sender Euronews im September veröffentlichte, stellten russische Flughäfen im August 993-mal vorübergehend den Betrieb ein – im Schnitt 32 Schließungen pro Tag. Im gesamten Sommer wurden 2.182 Schließungen registriert, mehr als im gesamten Jahr 2025. Das Investigativportal The Insider berechnete, dass die August-Zahl mehr als dem Sechsfachen des monatlichen Durchschnitts von 2025 entspricht. Auslöser ist das russische Luftverteidigungsprotokoll „Kover“ (Teppich), das Zivilflugzeuge am Boden hält oder umleitet, sobald eine Drohnenbedrohung erkannt wird.

Warum die Flughäfen zum Ziel werden

Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Andrij Sahorodnjuk sagte der Nachrichtenagentur Ukrajinska Prawda, Ziel sei nicht der Abschuss ziviler Flugzeuge, sondern die Schaffung dauerhafter Unsicherheit. „Die Ukraine versucht nicht, Zivilflugzeuge abzuschießen, aber sie macht den russischen Luftraum unsicher für den Flugverkehr“, sagte er. Der Militärexperte Mychajlo Samus vom Centre for Army, Conversion and Disarmament Studies sieht die Flughafenschließungen als Teil einer Strategie der wirtschaftlichen Erschöpfung: steigende Versicherungsprämien, der Rückzug ausländischer Airlines und eingeschränkte Mobilität im Inland. „Flughafenschließungen sind die neue Realität für die russische Luftfahrt“, sagte er Euronews. Russlands Verkehrsminister Andrej Nikitin hatte versprochen, es werde keine gravierenden Störungen im zivilen Luftverkehr geben – operative Daten widersprechen dem laut Euronews. In den ersten drei Septembertagen wurden demnach im Schnitt 86 Flüge pro Tag gestrichen, so viele wie in den schlimmsten Phasen des Augusts. Auf der Strecke Moskau–Sankt Petersburg ging die Zahl der Fluggäste um 20 bis 23 Prozent zurück, die Nachfrage nach Bahnreisen stieg um rund 20 Prozent.

Angriffe auf Raffinerien und Rechenzentren

Die Nacht zum 10. Oktober blieb nicht auf die Region Moskau beschränkt. Nach Angaben der Kyiv Post trafen ukrainische Drohnen das Ölumschlagterminal Yug Rusi in Rostow am Don und lösten dort einen größeren Brand aus. Die Anlage wickelt nach diesen Angaben jährlich 2,5 Millionen Tonnen Erdölprodukte ab und dient auch der militärischen Versorgung. Bereits am Freitag, dem 9. Oktober, beschädigten ukrainische Drohnen ein Rechenzentrum des russischen Technologiekonzerns Yandex in Kaluga südwestlich von Moskau. Yandex bestätigte, dass mehrere Hardware-Module vollständig ausgefallen seien, und warnte vor Störungen bei Suche, Fahrdiensten, Cloud-Speicher und Unternehmensdiensten. Der Gouverneur der Region Kaluga, Wladislaw Schapscha, meldete neun Verletzte, fünf davon im Krankenhaus. Am Donnerstag, dem 8. Oktober, war laut Kyiv Post bereits ein weiteres Yandex-Rechenzentrum in Sasowo in der Region Rjasan getroffen und vollständig abgeschaltet worden. Die Ausfälle störten unter anderem Buchungssysteme der Russischen Eisenbahnen (RSchD), des Mobilfunkers MegaFon und mehrerer Medien. Die Yandex-Aktie fiel an der Moskauer Börse um rund 4 Prozent.

Die Angriffe fügen sich in eine Serie, die die russische Energie- und Digitalinfrastruktur trifft. Am 5. Oktober hatten ukrainische Drohnen nach Angaben des ukrainischen Monitoring-Kanals Exilenova Plus das Volodarsk-Linearproduktions- und -dispositionszentrum bei Konstantinowo getroffen, die größte Ölanlage der Region Moskau. Das unabhängige russische Portal Astra berichtete, die Anlage erzeuge jährlich 3 Millionen Tonnen Erdölprodukte; Pipelines verbinden sie mit den großen Flughäfen der Region. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums seien am 4. Oktober mehr als 51 Prozent der russischen Raffineriekapazität durch ukrainische Angriffe stillgelegt worden. Diese Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Die russische Seite meldet weiterhin auch zivile Opfer in der Ukraine. Am 9. Oktober töteten russische Gleitbomben nach Angaben regionaler Behörden mindestens einen Menschen in Saporischschja und verletzten sieben weitere, darunter ein Kind. In der Nacht zum 6. Oktober schlugen Trümmer einer abgeschossenen Drohne in einem Wohngebiet im Kyjiwer Stadtteil Pecherskyj ein, wie ein Reporter vor Ort berichtete.

Anmerkung der Redaktion: Die Angaben beider Konfliktparteien zu Drohneneinsätzen und Schäden lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Die Zahlen zu abgefangenen Drohnen und gestrichenen Flügen stammen von russischen Behörden und zivilen Monitoringstellen; sie können nicht gegengeprüft werden.

Quellen

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