Zum zweiten Mal binnen weniger Tage ist der Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad getroffen worden. Eine Rakete der jemenitischen Huthi-Miliz schlug nach Angaben aus Diplomatenkreisen am Samstag gegen 15 Uhr Ortszeit ein, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf AFP berichtet. Dutzende Menschen wurden verletzt, mindestens fünf liegen auf der Intensivstation – nach Angaben eines Krankenhausvertreters überwiegend saudische Staatsangehörige. Tote werden bislang nicht gemeldet.
Die saudischen Behörden bestätigten den Angriff zunächst nicht. Drei Augenzeugen sprachen von einer Räumung des Flughafens; ein Fluggast sagte AFP, er habe im Inlandsbereich am Gate 403 gestanden und gesehen, wie Gate 401 getroffen wurde. Zu dem Angriff bekannte sich die Huthi-Miliz zunächst nicht. Nach Flightradar24-Daten wurden alle Flüge nach Riad umgeleitet oder gestrichen, wie Euronews berichtet.
Das Auswärtige Amt reagierte am Samstag: Mit weiteren Luftschlägen und Einschränkungen im Flugverkehr sei zu rechnen, die Bundesregierung rate bis auf Weiteres dringend von der Nutzung des Flughafens Riad ab. Auf seiner Länderseite gilt für Saudi-Arabien eine Teilreisewarnung (Stand 10. Oktober). Vor Reisen ins Grenzgebiet zum Jemen wird gewarnt, vom erweiterten Grenzraum samt Abha und Chamis Muschait dringend abgeraten, von allen übrigen Regionen ebenfalls. Betroffene Deutsche sollen sich in die Krisenvorsorgeliste eintragen und vor der Fahrt zum Flughafen die Lage prüfen.
Wie kam es zu dieser Eskalation?
- Juli: Die Huthi kündigen eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an.
- September: Nach einer Offensive kontrollieren sie große Teile der jemenitischen Küste samt Meerenge Bab al-Mandab; die Waffenruhe von 2022 gilt laut ZDF faktisch als hinfällig. Am 18. und 19. September gibt es erste Zwischenfälle am Riader Flughafen.
- Anfang Oktober: Nach den Angaben der saudischen Luftfahrtbehörde GACA, die Al Jazeera wiedergibt, kommen bei Angriffen auf die Flughäfen Abha und Riad drei Zivilisten ums Leben, 36 werden verletzt. Die Huthi fordern alle Airlines auf, den saudischen Luftraum zu meiden; nur der Raum über Mekka und Medina sei ausgenommen, alle saudischen Ölanlagen könnten Ziele werden.
- 8. Oktober: Die Lufthansa Group setzt ihre Flüge nach Riad bis einschließlich 16. Oktober aus, mehrere Hundert Flüge fallen laut airliners.de unter Berufung auf dpa aus.
Die Quellen weichen in Details ab: Al Jazeera datiert den Angriff auf Riad auf Mittwoch, 7. Oktober, Euronews auf Donnerstag, 8. Oktober. Auch bei den drei Todesopfern gibt es Widersprüche – Al Jazeera nennt eine Marokkanerin, eine Algerierin und einen Sudanesen, Euronews fasst es als drei Saudis zusammen. Wir halten uns an die Behördenangabe: drei Tote insgesamt.
Was ist als Nächstes denkbar?
Unsere Einschätzung, mit begrenzter Sicherheit: Am wahrscheinlichsten ist, dass die Angriffe auf zivile Infrastruktur anhalten und Airlines ihre Aussetzungen über den 16. Oktober hinaus verlängern. Denkbar ist zweitens eine saudische Vergeltung – die Huthi-nahe Station Al-Masirah meldete bereits Luftschläge auf den Flughafen Hudaida, Saudi-Arabien äußerte sich dazu nicht. Die Regierung in Jemen kündigte zudem eine Großoffensive gegen die Huthi-Gebiete an. Eine rasche Deeskalation ist nach den bisherigen Signalen die unwahrscheinlichste Variante.
Für Reisende heißt das: Wer einen Flug nach oder über Riad gebucht hat, sollte zuerst bei Airline oder Reiseveranstalter nachfragen und die Hinweise des Auswärtigen Amts prüfen. Auch Umsteigeverbindungen über Saudi-Arabien können betroffen sein.
Quellen: Auswärtiges Amt, Tagesspiegel/AFP, Euronews, Al Jazeera, airliners.de



