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Altersvorsorgedepot: Trade Republic bietet Gratis-Depot an

Der Neobroker Trade Republic will das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ab 2027 komplett ohne Gebühren anbieten – selbst die Fondskosten sollen entfallen. Verbraucherschützer mahnen, genau auf die Effektivkosten zu schauen.

Altersvorsorgedepot: Trade Republic bietet Gratis-Depot an
Symbolbild: cottonbro studio / Pexels

Der Neobroker Trade Republic will das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ab 2027 komplett ohne Gebühren anbieten – selbst die Fondskosten sollen entfallen. Verbraucherschützer mahnen, genau auf die Effektivkosten zu schauen.

Der Neobroker Trade Republic bietet sein Altersvorsorgedepot nach eigenen Angaben komplett kostenlos an. Das Unternehmen legte am Dienstag seine Konditionen für das staatlich geförderte Produkt vor, das vom 1. Januar 2027 an die Riester-Rente ablösen soll, wie die Süddeutsche Zeitung und die WirtschaftsWoche berichten. Demnach verzichtet Trade Republic auf Depot- und Ausführungskosten, und bei mehreren Dutzend ausgewählter ETFs sollen auch keine laufenden Verwaltungsgebühren anfallen.

„Wir machen das komplett kostenlose Altersvorsorgedepot möglich“, sagte Mitgründer Christian Hecker der WirtschaftsWoche. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte er: „Unser Altersvorsorgedepot ist komplett kostenlos möglich.“ Eine Befristung gibt es laut SZ nicht. Die Fondskosten bei mehr als 50 ETFs entfielen und würden monatlich reinvestiert, sagte Hecker der WirtschaftsWoche: „Damit jeder Euro bei den Kunden auch wirklich ankommt.“

Der Staat fördert das private Sparen im neuen Altersvorsorgedepot mit bis zu 540 Euro pro Jahr. Das Geld muss auf einem eigenen Depot angelegt werden und wird erst zum Rentenbeginn ausgezahlt. Anbieter müssen zwei Standarddepots anbieten – eines risikoarm, eines mit höherem Aktienanteil –, für die der Gesetzgeber die Gebühren auf maximal ein Prozent gedeckelt hat. Daneben sind frei gestaltbare Produkte ohne Deckel möglich.

Ein Preiskampf mit Ansage

Dass es vor dem Start am 1. Januar 2027 zu einem harten Wettbewerb um die niedrigsten Gebühren kommt, hatte sich laut SZ in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Als Erster sei Scalable Capital angetreten: 0,15 Prozent Gebühren pro Jahr, die während des Jahres 2027 zunächst erlassen werden sollen. Bei der Deka-Bank, dem Fondsanbieter der Sparkassen, sollen beim günstigsten Produkt 0,1 Prozent Kosten pro Jahr anfallen, ähnlich bei Angeboten von Deutscher Bank und DWS. Viele Anbieter erließen die Gebühren über einen bestimmten Zeitraum, weitere Produkte dürften bis zum Start dazukommen.

Trade Republic grenzt sich nach Darstellung der WirtschaftsWoche von vielen Wettbewerbern dadurch ab, dass bei den ausgewählten ETFs keine laufende Verwaltungsgebühr anfällt. Je nach Indexfonds liege diese sonst meist bei bis zu 0,2 Prozent. Bei anderen ETFs als den ausgewählten werde die Gebühr fällig, ebenso bei aktiven Fonds, die das Fintech erstmals auf seine Plattform bringe. Scalable Capital erstatte Fondskosten quartalsweise, Trade Republic monatlich – der zusätzliche Zinseszinseffekt bleibe aber selbst über Jahrzehnte gering, so die WirtschaftsWoche.

Worauf Sparer achten sollten

Verbraucherschützer raten, nicht nur die Werbezahlen zu vergleichen. „Maßgeblich ist nicht die Zahl in der Werbung, sondern die Angabe der Effektivkosten im Produktinformationsblatt. Sie zeigt, wie stark die Kosten die Rendite im Jahr insgesamt mindern“, sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg der Süddeutschen Zeitung. Bei befristeten Angeboten sei schon jetzt klar, dass die Gebühren später steigen werden: „Man sollte also immer den Preis nach der Aktionsphase vergleichen.“ Kosten dürfe der Anbieter nur erhöhen, wenn der Vertrag das wirksam vorsehe; er müsse die Erhöhung vier Monate vorher zum Quartalsende ankündigen. Bei Kostenerhöhungen dürften Verbraucher kostenfrei wechseln. Ohne Zustimmung der Sparer erhöht werden könnten dagegen die Produktkosten der Fonds, die meist von Drittanbietern stammen. „Ob das ebenfalls ein kostenfreies Wechselrecht auslöst, ist ungeklärt“, sagte Nauhauser.

Warum sich das Geschäft für die Anbieter trotzdem lohnen kann, zeigt eine am Montag veröffentlichte Umfrage der Deutschen Wertpapierservice Bank und des Fintechs Lemon Markets, über die die SZ berichtet. Befragt wurden Entscheider in 88 Finanzinstituten und -dienstleistern. 28 Prozent hielten das Standarddepot für schwer oder kaum wirtschaftlich tragfähig, dennoch beabsichtigten 77 Prozent, es anzubieten. 84 Prozent sehen die Kundenbindung als wichtigsten strategischen Mehrwert. Hecker sagte der SZ: „Wir erhalten keine Rückvergütung oder Provisionen für die Produkte in unserem kostenfreien Altersvorsorgedepot.“ Ziel sei vor allem, neue Kunden zu gewinnen, die dann weitere Dienste nutzen.

In Finanzkreisen gibt es laut WirtschaftsWoche Zweifel, ob alle Anbieter die extrem günstigen Preise langfristig halten können. Hecker widerspricht: „Das kostenlose Altersvorsorgedepot ist ein langfristiges Versprechen. So wie die Zinsen. Mit dem Altersvorsorgedepot verdienen wir kein Geld. Aber wir verlieren auch keins. Bei Trade Republic sind diese Konditionen nicht nur Marketing.“

Zugleich ist die Bekanntheit des Produkts noch gering. „Bislang gibt es zum Altersvorsorgedepot noch zu große Wissenslücken in der Bevölkerung“, sagte Hecker der WirtschaftsWoche. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov habe vor zwei Wochen ergeben, dass viele Menschen wenig über das Altersvorsorgedepot wissen und wahrscheinlich keines eröffnen werden. „Daran müssen wir arbeiten“, so Hecker. Trade Republic plant laut WirtschaftsWoche „die größte Werbekampagne unserer Geschichte“ mit Fernsehen, Radio und Plakaten. Das Unternehmen gibt an, fünf Millionen Kunden in Deutschland und zehn Millionen insgesamt zu zählen; Insider sprechen von höheren Zahlen.

Anmerkung der Redaktion: Ob sich das Nulltarif-Modell für alle Anbieter rechnet, ist offen. Für Sparer entscheidend bleibt der Vergleich der Effektivkosten im Produktinformationsblatt, nicht die Werbezahl.

Quellen

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