Wer mit Gas heizt, soll künftig für eine staatliche Notreserve zahlen – aber deutlich weniger als früher für die Gasspeicherumlage. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) hat einen Referentenentwurf mit Stand 12. Oktober in die Ressortabstimmung gegeben. Was drinsteht, was es kostet und was für diesen Winter gilt:
Was ein Haushalt zahlen würde
Die Reserve soll 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen, rund zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität. Finanziert wird sie über eine Umlage auf alle Gaskunden. Die Gesamtkosten beziffert der Entwurf mit 247 bis 308 Millionen Euro pro Jahr, nach Angaben des Handelsblatts für die ersten zehn Jahre. Etwa 40 Prozent davon tragen Haushalts- und Gewerbekunden, etwa 60 Prozent die Industrie.
Für einen typischen Haushalt nennt der Entwurf 3,77 bis 7,20 Euro pro Jahr – je nachdem, ob man 13.000 kWh (Mehrfamilienhaus) oder 20.000 kWh (Einfamilienhaus) verbraucht. Zum Vergleich: Die 2025 noch erhobene Gasspeicherumlage lag bei 0,289 Cent je kWh, das waren bei 20.000 kWh rund 58 Euro im Jahr. Die neue Umlage wäre damit etwa ein Zehntel davon. Die erste Umlageperiode beginnt am 1. Oktober 2027; die genaue Höhe legt der Marktgebietsverantwortliche jedes Jahr neu fest.
- Alte Gasspeicherumlage: 0,289 ct/kWh, entfallen seit 1. Januar 2026 (Bund übernimmt die Kosten)
- Neue Reserve-Umlage: 3,77–7,20 € pro Haushalt und Jahr, ab 1. Oktober 2027 (laut Entwurf)
- Gesamtkosten: 247–308 Mio. € pro Jahr
Kein Mengenproblem, aber ein Preisproblem
Mit dem Winter 2026/27 hat die Reserve nichts zu tun: Aufgebaut werden soll sie erst nach der Gesetzesänderung im Jahr 2027. Aktuell sind die Speicher laut dpa zu über 60 Prozent gefüllt – Mitte September waren es rund 56 Prozent, das ursprüngliche Ziel von 80 Prozent bis Anfang November gilt als unrealistisch. Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller sagte Mitte September: „Wir haben weltweit kein Mengenproblem, wir haben eine Preis-Herausforderung.“ Die Speicher enthielten rund 138 Terawattstunden und damit mehr als im vergangenen Winter entnommen wurde. Ministerin Reiche sieht ebenfalls keinen Gasmangel im Winter.
Die Reserve soll nur bei Sabotage, Großereignissen oder einem Ausfall wichtiger Importwege greifen, und nur, wenn die Bundesnetzagentur eine Notfallstufe ausruft. Der Entwurf rechnet etwa 20 Tage Ausfall aller norwegischen Pipelinelieferungen oder 40 Tage Ausfall der deutschen LNG-Terminals durch. Die Angaben zur Reichweite weichen zwischen den Berichten ab: Handelsblatt spricht von 30 Tagen bei Ausfall der größten Importinfrastruktur, dpa nennt 10 bis 18 Tage Vollversorgung bei komplettem Importausfall – der Entwurftext selbst lag uns nicht vor.
Politisch ist die Umlage umstritten. Reiche hatte im Sommer auch Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell ins Spiel gebracht; das Handelsblatt berichtet von Kritik an der Umlage aus den Koalitionsfraktionen Union und SPD. Der Branchenverband INES hält die Reserve für sinnvoll, sieht sie aber als staatliche Aufgabe, die aus dem Haushalt zu zahlen wäre. Die Grünen-Fraktionsvize Julia Verlinden argumentiert, mit konsequentem Ausbau der Erneuerbaren müsste weniger teures Gas eingespeichert werden.
Unsere Einschätzung: Der Betrag ist für einzelne Haushalte gering, die Abgabe kommt aber obendrauf auf Netzentgelte und Gaspreis. Wer zur Miete mit Zentralheizung wohnt, zahlt sie voraussichtlich über die Heizkostenabrechnung mit. Ob der Entwurf unverändert ins Kabinett geht, ist offen – Kabinettstermin und Frist für Stellungnahmen sind bisher nicht bekannt. Praktisch zählt für diesen Winter weniger die Reserve als der eigene Tarif: Die Verbraucherzentrale rät, Preise zu beobachten und Tarife zu vergleichen, weil gestiegene Netzentgelte die Entlastung durch den Wegfall der Speicherumlage teilweise aufzehren können.
Quellen: Tagesspiegel/dpa, Handelsblatt, Verbraucherzentrale Niedersachsen, Stuttgarter Zeitung/dpa, ZDFheute



