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Ukraine wehrt 119 Ziele ab, vier Tote in Charkiw

Bei einem massiven russischen Angriff in der Nacht zum Mittwoch hat die ukrainische Luftverteidigung nach vorläufigen Angaben 119 Ziele abgefangen. In Charkiw starben vier Menschen, in Kyjiw traf es Energieanlagen.

Ukraine wehrt 119 Ziele ab, vier Tote in Charkiw
Grafik: EuroPulse

Bei einem massiven russischen Angriff in der Nacht zum Mittwoch hat die ukrainische Luftverteidigung nach vorläufigen Angaben 119 Ziele abgefangen. In Charkiw starben vier Menschen, in Kyjiw traf es Energieanlagen.

Wie die ukrainischen Luftstreitkräfte am Mittwoch, 14. Oktober, auf Telegram mitteilten, wurden vier ballistische Raketen und 115 Drohnen abgeschossen oder unterdrückt, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtet.

Der Angriff begann am Dienstag, 13. Oktober, um 18:00 Uhr und dauerte bis in den Morgen. Nach Angaben der Luftstreitkräfte setzte Russland 39 Raketen verschiedener Typen sowie 128 Drohnen ein. Die Hauptziele waren Kyjiw, die Region Kyjiw und die Region Charkiw. Besonders fiel auf, dass verschiedene Luftwaffentypen gleichzeitig aus mehreren Richtungen eingesetzt wurden und viele ballistische Raketen auf Energieanlagen zielten.

Die Luftstreitkräfte registrierten insgesamt 167 Luftangriffsmittel. Unter den Raketen waren Iskander-M, KN-23, S-400, Zirkon und Oniks, die aus den Regionen Kursk, Brjansk, Woronesch und Rostow gestartet wurden. Bei den Drohnen handelte es sich um Shahed-Drohnen – 77 davon mit Düsenantrieb – sowie um Banderol, Dan-T, Gerbera, Italmas und Parodija-Täuschdrohnen. Sie kamen aus Richtungen wie Millerowo, Orjol, dem besetzten Donezk, Hwardijske auf der besetzten Krim und dem Asowschen Meer.

Nach vorläufigen Angaben der Luftstreitkräfte wurden bis 9:00 Uhr am Mittwoch vier ballistische Raketen und 115 Drohnen abgeschossen oder unterdrückt, darunter 59 Düsen-Drohnen. Das entspricht 90 Prozent aller eingesetzten Angriffsdrohnen. In 22 Orten wurden Einschläge registriert, an acht Orten fielen Trümmer abgeschossener Ziele herab. Ein Teil der russischen Raketen erreichte ihre Ziele nicht. Die Luftstreitkräfte warnten, der Angriff dauere an, mehrere Angriffsdrohnen befänden sich noch im ukrainischen Luftraum.

Charkiw: Vier Tote und 41 Verletzte

In Charkiw wurden nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj vier Menschen getötet und 41 verletzt. Ein gewöhnliches Wohnhaus sei zerstört worden, die Suche nach Verschütteten dauere an, sagte Selenskyj laut der WirtschaftsWoche. In Kyjiw wurden bei einem russischen Angriff vier Menschen getötet.

Selenskyj sprach von einem „hinterhältigen ballistischen Angriff auf Kyjiw – fünf Raketen, die zivile Infrastruktur trafen“. Er beklagte, dass es „zu diesem Angriff leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“ gegeben habe. „Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen helfen dabei, Menschenleben zu retten, und das ist eine der kritischsten Fragen“, teilte er auf Telegram mit. Er nannte keinen Partner namentlich, forderte aber ein starkes Amerika und ein starkes Europa sowie wirksamen Druck auf Russland.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sagte auf dem Warschauer Sicherheitsforum, es gebe weiterhin einen Austausch von Geheimdienstdaten mit den USA. Der Luftalarm sei in der Nacht tatsächlich verspätet ausgelöst worden, dies hänge jedoch mit einer speziellen Art von Waffen zusammen, die Russland eingesetzt habe. Zur Art der Waffen machte er keine Angaben. US-Präsident Donald Trump verneinte vor dem Weißen Haus die Frage, ob die USA den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine eingestellt hätten: „Wir helfen ihnen und wir teilen Geheimdienstinformationen“, sagte er.

Energieanlagen im Visier, Feuerpause gebrochen

Die Luftstreitkräfte hatten nach dem Angriff mitgeteilt, dass aufgeklärt werden müsse, warum es diesmal keine Warnung vor der russischen Attacke gegeben habe. Auch in der Vergangenheit war Kyjiw schon von schnellen ballistischen Raketen überrascht worden. Bürger hatten beklagt, dass kein Luftalarm ausgelöst worden sei.

Selenskyj beklagte erneut, dass sich Russland nicht an die Aufforderung von US-Präsident Trump zu einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen halte. Kyjiw habe seit der Ankündigung der Feuerpause keine russischen Ölraffinerien oder andere Ziele im russischen Energiesektor angegriffen. „In dieser Zeit haben die Russen sowohl unsere Energieanlagen als auch unsere kritische Infrastruktur angegriffen“, sagte Selenskyj. 19 Regionen seien betroffen.

In den USA forderten zwölf Senatorinnen und Senatoren von Präsident Trump einen Ausstieg aus seinem Diesel-Deal mit Russland. In einem von dem Demokraten Richard Blumenthal initiierten Brief heißt es laut der Berliner Morgenpost, Moskau die Möglichkeit zu geben, russischen Diesel frei auf dem Weltmarkt zu verkaufen, schade den Sicherheitsinteressen der USA und sei „ein Verrat an den Menschen in der Ukraine“. Das Abkommen sei „ein Geschenk für unseren Gegner und ein Verrat an unseren Verbündeten“.

Anmerkung der Redaktion: Die Angaben zu abgefangenen Zielen und Opfern sind vorläufig. Die Luftstreitkräfte meldeten, dass der Angriff zum Zeitpunkt ihrer Mitteilung noch andauerte.

Quellen

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