Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat nach ukrainischen Angaben die Nutzung seines Satellitennetzwerks Starlink für das ukrainische Militär eingeschränkt. Die militärische Version des Kommunikationsdienstes funktioniere nicht mehr bei Geschwindigkeiten von über 160 Kilometern pro Stunde, teilte der Berater des ukrainischen Präsidenten, Serhij Beskrestnow, am Mittwoch, 14. Oktober, auf Telegram mit. Dies habe Kampfeinsätze beeinträchtigt.
„Unsere Verteidigungsstreitkräfte haben keine Vorwarnung über diese Einschränkung erhalten, und dies hat zur Unterbrechung mehrerer Missionen geführt“, schrieb Beskrestnow. Ein Insider aus dem an der südöstlichen Front eingesetzten 7. Schnellen Reaktionskorps bestätigte Ausfälle bei den Starlink-Verbindungen. Der ukrainische Aktivist Serhij Sternenko berichtete unter Berufung auf Soldaten, dass die Verbindung bei einigen Nutzern inzwischen bereits bei 60 bis 70 Kilometern pro Stunde abbricht. Sternenko vermutet, SpaceX habe die Einschränkungen auf Veranlassung der US-Regierung eingeführt. Belege für ein politisches Motiv wurden bislang nicht veröffentlicht.
Nach Angaben von Beskrestnow betrifft die Beschränkung den militärischen Dienst Starshield und setzt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Meilen pro Stunde für fahrende Terminals. Sternenko zufolge arbeiten gewöhnliche Starlink-Terminals weiterhin. Der ukrainische Militärblogger und Drohnenbeschaffer erklärte, bei Geschwindigkeiten von 160 Kilometern pro Stunde und mehr seien Drohneneinsätze möglich gewesen. Die Einschränkung dürfte die Nutzung auf Drohnen und Fahrzeugen weiter begrenzen.
Ein Muster, das sich wiederholt
Der Zeitpunkt der Einschränkung fällt in eine angespannte Phase der Beziehungen zwischen Kyjiw und Washington. Am 11. Oktober hatte US-Präsident Donald Trump ohne Vorwarnung eine „Energie-Waffenruhe“ zwischen der Ukraine und Russland verkündet. Zuvor hatte er am 9. Oktober eine Vereinbarung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Lieferung von russischem Diesel in die USA geschlossen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte diese Vereinbarung eine schwache Entscheidung; Trump forderte daraufhin, Selenskyj müsse neu gewählt werden.
Die Ukraine erklärte, zwei Tage lang nicht auf russische Energieanlagen geschossen zu haben, während Russland die Vereinbarung verletzt habe. Selenskyj wies zudem darauf hin, dass die Partner und die USA zwei Tage in Folge keine Informationen über mögliche russische Angriffe geteilt hätten. Westliche Medien berichteten, die USA könnten als Druckmittel aufhören, Geheimdienstinformationen mit der Ukraine zu teilen. Eine solche Praxis gab es bereits im Winter und Frühjahr 2025, als auch Starlink abgeschaltet wurde. Trump behauptet, der Austausch von Geheimdienstinformationen sei nicht unterbrochen worden.
Kaum Raketen abgefangen
In der Nacht zum Mittwoch griff Russland die Ukraine erneut massiv an. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten setzte Russland 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen gegen die Energieversorgung und kritische Infrastruktur ein. Es gebe erhebliche Schäden an 26 Einrichtungen im Bereich der Stromversorgung und vier Objekten im Öl- und Gasbereich. Mindestens 600.000 Haushalte seien ohne Strom, schrieb Selenskyj. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, dass in der Nacht nur vier von 39 russischen Raketen abgefangen werden konnten.
Selenskyj beklagte, die Ukraine sei erneut nicht vor den Raketen aus Russland gewarnt worden. „Und das ist überhaupt nicht gerecht, wenn sie (die Russen) Energieanlagen zerstören und die Ukraine nicht einmal Warnungen vor dem Start von ballistischen Raketen erhält“, schrieb er. Hauptziel des Angriffs seien Energieanlagen gewesen, darunter ein Heizkraftwerk. Die Ukraine ist zur Früherkennung von Raketenstarts auf ausländische Geheimdienstinformationen angewiesen; die USA verfügen über die beste Satellitenüberwachung.
US-Präsident Trump sagte auf die Frage einer Reporterin, was er dazu sage, dass Russland die von ihm selbst verkündete Energie-Waffenruhe verletzt habe: „Nun, ich müsste mir das erst einmal ansehen, denn es gab Verstöße auf beiden Seiten.“ Auf Nachfrage, wie er Putin dazu bewegen wolle, sich an die Waffenruhe zu halten, sagte Trump, er glaube, dass Putin eine Einigung erzielen wolle – und man den ukrainischen Präsidenten dazu bringen müsse, das ebenfalls zu wollen. „Ich glaube tatsächlich, dass Putin mehr als Selenskyj daran interessiert ist, einen Deal zu machen“, so Trump.
Der frühere österreichische Diplomat Klemens Fischer hält die von den USA vorgeschlagene Energie-Waffenruhe für unrealistisch. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Russland sich daran hält, ist gering“, sagte der Geopolitik-Professor der Universität zu Köln im Podcast „Handelsblatt Today“. Russland sehe den Winter als Druckmittel, die ukrainische Energieinfrastruktur sei bereits zu mindestens 80 Prozent zerstört. Fischer warnte, die nächsten Monate könnten „der fürchterlichste Kriegswinter für die Ukraine werden“. Ein von Trump angedrohter Stopp US-amerikanischer Waffenlieferungen würde die Ukraine „mittelfristig nicht mehr verteidigungsfähig“ machen. Die am Mittwoch von der EU beschlossenen Sanktionen seien für Russland zwar schmerzhaft, Sanktionen hätten aber „noch nie einen Krieg beendet“.
Anmerkung der Redaktion: Die Einschränkung des Starlink-Dienstes fällt zeitlich mit dem Ende des US-Geheimdienstaustauschs zusammen, den westliche Medien als Druckmittel beschreiben. Ob ein direkter Zusammenhang besteht, ist aus den vorliegenden Quellen nicht zu belegen.



