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Ukraine greift Raffinerie in Rjasan an – Selenskyj beendet Pause

Nach drei Tagen Pause hat die Ukraine wieder russische Raffinerien angegriffen. In der Nacht zu Donnerstag brannte es in Rjasan, auch ein Militärflugplatz soll getroffen worden sein.

Ukraine greift Raffinerie in Rjasan an – Selenskyj beendet Pause
Grafik: EuroPulse

Nach drei Tagen Pause hat die Ukraine wieder russische Raffinerien angegriffen. In der Nacht zu Donnerstag brannte es in Rjasan, auch ein Militärflugplatz soll getroffen worden sein.

Die Ukraine hat in der Nacht zu Donnerstag, 15. Oktober, wieder russische Ölraffinerien angegriffen. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Rjasan, Pawel Malkow, brach auf dem Gelände der Raffinerie in Rjasan ein Feuer aus, zudem seien ein Lagerhaus und Fahrzeuge auf einem weiteren Industriegelände getroffen worden. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, hieß es. Wie das russische Verteidigungsministerium laut dem Nachrichtenportal Al Jazeera mitteilte, sei das Feuer ausgebrochen, nachdem Trümmer einer Drohne auf das Raffineriegelände gefallen seien.

Ein hochrangiger ukrainischer Beamter, der anonym bleiben wollte, bestätigte der Nachrichtenagentur AP den Treffer auf die Raffinerie. In der Stadt Rjasan, rund 180 Kilometer südöstlich von Moskau, fielen nach Angaben der Behörden auch in Teilen der Stadtteile Oktjabrski und Sowetski Drohnenangriffe an, weshalb der Unterricht an Schulen und Kindergärten abgesagt wurde. Die Raffinerie liegt im Stadtteil Oktjabrski.

Ein Ziel von strategischer Bedeutung

Die Raffinerie in Rjasan ist die drittgrößte Russlands. Sie verarbeitet nach Angaben des Nachrichtenportals Kyiv Post jährlich 17,1 Millionen Tonnen Rohöl und produziert mehr als 2 Millionen Tonnen Benzin sowie über 3 Millionen Tonnen Diesel pro Jahr. Betreiber ist der staatliche Energiekonzern Rosneft. Zuletzt war die Anlage am 6. September angegriffen und damals außer Betrieb genommen worden.

Nach Angaben ukrainischer Monitoring-Kanäle wurde in derselben Nacht auch ein Militärflugplatz in Borisoglebsk in der Region Woronesch angegriffen. Nach dort verbreiteten Berichten sollen Neptune-Raketen sechs Jagdbomber vom Typ Su-34 beschädigt haben. Diese Angaben sind nicht unabhängig bestätigt. Der Gouverneur der Region Woronesch, Alexander Gusew, bestätigte einen Angriff auf die Region, ohne den Militärflugplatz zu erwähnen. Die Luftabwehr habe 33 Drohnen und „mehrere düsengetriebene Luftziele“ zerstört, herabstürzende Trümmer hätten Nebengebäude mehrerer Privathäuser und ein Fahrzeug beschädigt, Menschen seien nicht verletzt worden.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe in der Nacht 166 Drohnen über 14 Regionen abgefangen, darunter die Regionen Moskau, Rjasan, Woronesch und Rostow.

Selenskyj: „Der Block ist raus“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor in einem Interview mit der britischen Zeitung Financial Times angekündigt, die Angriffe auf russische Raffinerien wieder aufzunehmen. Die Ukraine hatte die Angriffe nach seinen Worten drei Tage lang auf Bitten Washingtons ausgesetzt. „Der Block ist raus. Wir sind fertig“, sagte Selenskyj der FT in London. Die Pause sei beendet, weil Moskau weiter die ukrainische Energieinfrastruktur angreife.

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag einseitig einen „Energie-Waffenstillstand“ verkündet, der nicht öffentlich bestätigt wurde. Die Ukraine erklärte, sie halte sich daran. Moskau setzte seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen jedoch fort. Die USA hatten die Ukraine zudem gedrängt, Angriffe auf russische Raffinerien zu unterlassen, und argumentiert, ein Aussetzen der Angriffe und ein Abkommen über den Kauf von 1,8 Millionen Tonnen Diesel aus Russland könnten die stark gestiegenen Kraftstoffpreise senken.

Selenskyj beklagte in dem Interview auch, dass die Ukraine in den vergangenen Tagen keine üblichen westlichen Aufklärungsdaten über russische ballistische Angriffe erhalten habe und die Nutzung von Starlink-Terminals eingeschränkt worden sei. In einem Interview mit dem britischen Journalisten Piers Morgan am Mittwochabend sagte Selenskyj, er fühle sich von Trumps Abkommen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verraten. „Wirklich, ja, zwischen uns“, antwortete er auf die Frage, ob er sich vom US-Präsidenten betrogen fühle. Die USA hätten „Starlink abgeschaltet, wirklich verrückte Schritte zwischen uns“. Zugleich sagte er: „Wir verlieren einen starken Partner.“ Trump hat nach eigenen Angaben die Weitergabe von Aufklärungsdaten an die Ukraine nicht gestoppt.

Angriffe auf die Ukraine dauern an

In der Nacht griff Russland auch die Ukraine weiter an. Nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes wurden in der zentralukrainischen Region Kirowohrad drei Menschen getötet und sechs verletzt. Der Angriff mit Drohnen habe mehr als zehn Stunden gedauert. Selenskyj schrieb auf X, zwischen Mitternacht und dem Donnerstagmorgen habe Russland mehr als 850 Drohnen auf die Ukraine gestartet, die Angriffe hätten 15 Regionen getroffen. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, sie habe 536 russische Drohnen abgefangen, an 31 Orten seien Einschläge registriert worden.

Selenskyj reist am Donnerstag nach Brüssel, um mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zu sprechen. Er dringt auf schärfere Sanktionen gegen Moskau und schnellere Unterstützung. Die EU hat für das kommende Jahr 50 Milliarden Dollar Unterstützung zugesagt; die Ukraine plant nach Angaben aus Kyjiw Verteidigungsausgaben von 175 Milliarden Dollar. Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten forderte die EU auf, mehr zu tun, um der Ukraine zum Sieg zu verhelfen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte vor Journalisten, Europa habe „einen anderen Ansatz“ in diesem Krieg: „Wir müssen den Aggressor unter Druck setzen, damit er den Krieg beendet, nicht das Opfer, damit es kapituliert.“ Es sei „nicht der richtige Weg, die Ukraine unter Druck zu setzen“.

In Bulgarien bestätigte Regierungschef Rumen Radew in der Fragestunde des Parlaments in Sofia einen Brand in einer Anlage des Satelliteninternetdienstes Starlink in der Nähe der Hauptstadt. Zuvor hatte das prowestliche Oppositionsbündnis Demokratisches Bulgarien den Vorfall öffentlich gemacht. Wegen laufender Ermittlungen wollte Radew keine näheren Angaben machen. Nach Angaben des Bündnisses sollen in einer geheim gehaltenen Anlage bei Sofia am 9. September elf von 17 Antennen vorsätzlich in Brand gesetzt worden sein. Diese Antennen dienten der Hauptverbindung zu SpaceX und würden im Ukraine-Krieg genutzt. Zuvor hatte es einen Anschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen gegeben.

Anmerkung der Redaktion: Die Angaben zu den beschädigten Su-34-Jagdbombern stammen aus ukrainischen Monitoring-Kanälen und sind nicht unabhängig überprüft. Die Zahl der abgefangenen Drohnen über Russland stammt vom russischen Verteidigungsministerium, die ukrainischen Angaben zur Zahl der getöteten und verletzten Menschen vom ukrainischen Katastrophenschutz.

Quellen

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