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Russisches Außenministerium bestellt deutschen Botschafter Lambsdorff ein

Das russische Außenministerium hat den deutschen Botschafter in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, einbestellt.

Russisches Außenministerium bestellt deutschen Botschafter Lambsdorff ein
Bild: bilder.deutschlandfunk.de

Wie der Deutschlandfunk berichtet, hat das russische Außenministerium den deutschen Botschafter in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, einbestellt. Die Einbestellung diplomatischer Vertreter ist ein in der Diplomatie üblicher, aber ernster Schritt, der in der Regel eine formelle Rüge oder die Übermittlung einer offiziellen Protestnote bedeutet.

Die genauen Gründe für die Einbestellung Lambsdorffs wurden zunächst nicht bekannt gegeben. In diplomatischen Kreisen wird jedoch spekuliert, dass der Schritt im Zusammenhang mit den angespannten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland sowie der Europäischen Union (EU) stehen könnte. In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen zwischen Moskau und Berlin unter anderem aufgrund des Ukraine-Konflikts, der Sanktionspolitik der EU und gegenseitiger Ausweisungen von Diplomaten verschärft.

Alexander Graf Lambsdorff, der seit 2023 deutscher Botschafter in Russland ist, gilt als erfahrener Diplomat. Zuvor war er unter anderem als Botschafter in Israel tätig. Die Einbestellung erfolgte nach Angaben des Deutschlandfunks ohne vorherige Ankündigung.

Das russische Außenministerium hat sich bislang nicht offiziell zu den konkreten Anlässen geäußert. Beobachter gehen davon aus, dass die Einbestellung im Rahmen der üblichen diplomatischen Praxis erfolgte, um eine Beschwerde der russischen Seite zu übermitteln. In der Vergangenheit wurden deutsche Botschafter in Russland wiederholt einbestellt, etwa im Zusammenhang mit angeblichen Einmischungen in innere Angelegenheiten oder kritischen Äußerungen deutscher Politiker.

Die deutsche Botschaft in Moskau hat sich auf Anfrage des Deutschlandfunks nicht zu dem Vorgang geäußert. Es ist üblich, dass diplomatische Vertreter nach einer Einbestellung zunächst ihre Regierung konsultieren, bevor sie öffentlich Stellung nehmen.

Der Vorfall unterstreicht die anhaltend schwierigen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Beide Länder haben in den letzten Jahren mehrfach Diplomaten ausgewiesen und gegenseitige Vorwürfe erhoben. Die EU hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine umfassende Sanktionen verhängt, die von Deutschland mitgetragen werden. Russland wiederum wirft Deutschland und anderen westlichen Staaten vor, sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen.

Die Einbestellung Lambsdorffs könnte auch im Kontext der jüngsten Äußerungen deutscher Politiker zu sehen sein. So hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Russland mehrfach aufgefordert, seine Aggression gegen die Ukraine zu beenden. Auch Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) hatte Moskau scharf kritisiert.

Diplomatische Beobachter werten die Einbestellung als Zeichen der Verstimmung auf russischer Seite. Es sei jedoch nicht ungewöhnlich, dass Botschafter einbestellt würden, um offizielle Positionen zu übermitteln. In der Regel folge darauf eine Phase der diplomatischen Kommunikation, um die Differenzen auszuräumen.

Wie der Deutschlandfunk weiter berichtet, ist unklar, ob Lambsdorff bereits im russischen Außenministerium war oder ob der Termin noch aussteht. Die genauen Umstände der Einbestellung sind nicht bekannt.

Die deutsch-russischen Beziehungen befinden sich auf einem Tiefpunkt. Neben dem Ukraine-Konflikt belasten auch die unterschiedlichen Auffassungen über Menschenrechte und Demokratie das Verhältnis. Russland hatte zuletzt mehrere deutsche Organisationen, darunter die Goethe-Institute, als unerwünscht erklärt. Deutschland wiederum hatte russische Diplomaten ausgewiesen, die der Spionage verdächtigt wurden.

Die Einbestellung des deutschen Botschafters ist ein weiteres Kapitel in der angespannten Beziehung zwischen beiden Ländern. Es bleibt abzuwarten, ob die russische Seite die Gründe für diesen Schritt öffentlich machen wird und wie die deutsche Regierung darauf reagiert.