Die Lage für Keir Starmer wird immer prekärer: Nach der schweren Wahlniederlage bei den Kommunalwahlen fordern laut Zählung der Times mindestens 81 Labour-Abgeordnete seinen Rücktritt. Das ist genau die Zahl, die ein Kandidat nach den Parteistatuten benötigt, um ein formelles Führungsvotum zu erzwingen. Allerdings gibt es bei Labour anders als bei den Konservativen keine automatische Vertrauensabstimmung, sobald diese Schwelle erreicht ist – die 81 Stimmen müssten sich zudem auf einen einzigen Herausforderer konzentrieren, was derzeit unwahrscheinlich erscheint.
Starmers Taktik: Herausforderung an Streeting
In seiner Erklärung vor dem Kabinett vermied Starmer eine klare Zusage, bis zur nächsten Wahl im Amt bleiben zu wollen. Stattdessen verwies er auf sein Argument von gestern, wonach politische Instabilität dem Land schade, und darauf, dass niemand ein Führungsvotum beantragt habe. Beobachter werten dies als indirekte Aufforderung an Wes Streeting, den einzigen Minister mit potenziell ausreichender Unterstützung, die Initiative zu ergreifen. „Have a go if you’re hard enough“, laute die Botschaft an Streeting, so der Guardian.
Streeting selbst hat bisher erklärt, er werde Starmer nicht herausfordern, verhält sich aber abwartend, als erwarte er, dass andere den ersten Schritt machen. Sollte er tatsächlich eine Kampagne starten wollen, müsste er nun selbst die 81 Unterschriften sammeln – ein riskantes Unterfangen, das die Partei spalten könnte.
Hinter den Kulissen laufen unterdessen Gespräche im Kabinett darüber, wer Starmer zum Rückzug bewegen könnte. Ein namentlich nicht genannter Minister sagte dem Guardian, Starmer höre zwar zu, weigere sich aber, klare Aussagen zu seiner Zukunft zu machen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Rebellion weiter an Fahrt gewinnt oder ob Starmer die Krise aussitzen kann.



