Die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Akademiker hat sich in den letzten Monaten verschärft. Boris Hartmann, ein 59-jähriger Ingenieur aus Weinstadt in Baden-Württemberg, ist seit einem Jahr auf der Suche nach einer neuen Anstellung. Nach seiner Kündigung im Februar 2025 aufgrund von Umstrukturierungen in seiner ehemaligen IT-Firma hat er zahlreiche Bewerbungen verschickt, jedoch nur pauschale Absagen erhalten. „Die Rückmeldungen ließen lange auf sich warten, und die Absagen kamen schnell“, berichtet Hartmann.
Jutta Rump, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen, erklärt, dass sich die Anforderungen an Bewerber in vielen Branchen verändert haben. „In den letzten zwölf Monaten haben Unternehmen aufgrund der aktuellen Krisen und der schlechten Konjunktur ihre Einstellungsstrategien überdacht. Sie sind vorsichtiger und stellen lieber gar niemanden ein, als jemanden ohne die richtigen Qualifikationen zu engagieren“, so Rump.
Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist darauf hin, dass trotz des Anstiegs der Arbeitslosigkeit viele Unternehmen weiterhin auf der Suche nach Fachkräften sind. „Ende letzten Jahres gab es 370.000 offene Stellen, die aufgrund des Fachkräftemangels nicht besetzt werden konnten“, erklärt Werner. Dies zeigt, dass ein Missverhältnis zwischen den Anforderungen der Arbeitgeber und den Qualifikationen der Bewerber besteht.
Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind nicht nur auf die Qualifikationen zurückzuführen, sondern auch auf das Alter der Bewerber. Hartmann vermutet, dass viele Arbeitgeber jüngere Kandidaten bevorzugen, die möglicherweise besser mit Künstlicher Intelligenz umgehen können. Diese Entwicklung könnte die Jobsuche für ältere Akademiker zusätzlich erschweren.



