Sa., 06 Juni 2026 Berlin 22:25 DE / UKR / EN

Bundestag lehnt Grünen-Reform für Ärztezentren ab

Der Bundestag hat einen Grünen-Antrag zur Reform Medizinischer Versorgungszentren abgelehnt. Ein zweiter Vorschlag für ein neues Primärversorgungssystem wird nun im Gesundheitsausschuss weiterberaten.

Bundestag lehnt Grünen-Reform für Ärztezentren ab
Bild: Deutscher Bundestag

Die medizinische Grundversorgung in Deutschland steht vor einer Zerreißprobe. Während der Bundestag über zwei zentrale Grünen-Anträge debattierte, zeichnete sich ein klares Bild: Die Reform des Gesundheitssystems bleibt ein hart umkämpftes Feld.

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Kommunen — Deutscher Bundestag

Ein Antrag der Grünen zur Reform Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) scheiterte am Mittwoch im Parlament. Eine Mehrheit aus CDU/CSU, AfD und SPD lehnte den Vorschlag ab, die Linke enthielt sich. Die Fraktion hatte gefordert, die Gründung kommunaler MVZ zu erleichtern und mehr Transparenz über die Eigentümerstrukturen zu schaffen. Besonders im Fokus standen dabei investorengeführte Zentren (iMVZ).

In ihrem Antrag bezeichneten die Grünen diese als „problematisch“, da kurzfristige Renditeinteressen dem Ziel einer langfristig guten Patientenversorgung entgegenstehen könnten. Sie forderten gesetzliche Klarstellungen, um Kommunen die Gründung oder Übernahme von MVZ in der Rechtsform einer GmbH zu erleichtern. Zudem sollte eine verpflichtende Eintragung ins Arztregister mit Angaben zum Träger und den wirtschaftlich Berechtigten für mehr Durchblick sorgen.

Parallel dazu beriet das Parlament einen zweiten, wegweisenden Antrag der Grünen. Dieser zielt auf die gesetzliche Verankerung eines umfassenden Primärversorgungssystems ab. Nach einer halbstündigen Debatte wurde die Vorlage zur weiteren Beratung an den federführenden Gesundheitsausschuss überwiesen.

Die Grünen fordern darin die rasche Einführung eines Systems, das auf Digitalisierung, berufsgruppenübergreifende Teams und eine starke Koordination der Behandlung setzt. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem der Zukunft brauche eine patientenzentrierte Primärversorgung als Fundament, so die Argumentation. Konkret soll allen Versicherten innerhalb von 20 Autominuten vom Wohnort eine haus- oder kinderärztliche Praxis zur Verfügung stehen.

Diese Praxen sollen künftig die koordinierende Schlüsselstelle im Versorgungsnetzwerk sein. Patienten könnten dort möglichst abschließend behandelt oder bei Bedarf gezielt an Fachärzte überwiesen werden. Die Bundesregierung verkenne mit ihrem geplanten Primärarztsystem, dass angesichts des Hausärztemangels und des demografischen Wandels nur multiprofessionelle Teams eine flächendeckende Versorgung sichern könnten, kritisieren die Grünen in ihrem Antrag.

Die Debatte offenbart die grundsätzlichen Konfliktlinien in der Gesundheitspolitik. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach mehr Steuerung, Planung und kommunaler Verantwortung. Auf der anderen Seite die Skepsis gegenüber weiteren Regulierungen und die Frage nach der Finanzierbarkeit. Während der eine Antrag zur MVZ-Reform bereits gescheitert ist, bleibt der Vorschlag für ein neues Primärversorgungssystem auf der Agenda. Seine Zukunft wird nun im Gesundheitsausschuss verhandelt.