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Die sieben Monate, die Deutschland veränderten

Eine neue Ausstellung im Bundestag beleuchtet die dramatischen 180 Tage der ersten freien DDR-Volkskammer. Sie zeigt, wie ein Parlament in Rekordzeit den Weg zur deutschen Einheit ebnete.

Die sieben Monate, die Deutschland veränderten
Bild: Deutscher Bundestag

Demokratie entsteht manchmal im Zeitraffer. Vor 36 Jahren, am 18. März 1990, wählten die Bürger der DDR zum ersten und letzten Mal in freier, geheimer Wahl ihre Volksvertreter. Die 409 Abgeordneten der 10. Volkskammer hatten nur knapp sieben Monate Zeit, um aus einem autoritären Staat einen demokratischen zu machen – und die Wiedervereinigung vorzubereiten.

Diese historische Leistung würdigt jetzt eine Ausstellung im Deutschen Bundestag. Unter dem Titel „Das Volk ist sich seiner selbst bewusst geworden“ dokumentiert sie im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus mit Fotos und Originaldokumenten jene intensive Phase zwischen Wahl und Einheitsvollzug am 3. Oktober 1990.

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) nannte die damalige Wahl bei der Eröffnung einen „Akt der Selbstermächtigung“. Die Ausstellung ist Teil des „Tags der Demokratiegeschichte 2026“, der unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht. Der 18. März symbolisiert wie kaum ein anderer Tag den langen deutschen Weg zur Demokratie – von der Mainzer Republik 1793 über die Revolution von 1848 bis hin zu jenem Wendepunkt 1990.

An der Spitze des historischen Parlaments stand mit Dr. Sabine Bergmann-Pohl (CDU) erstmals eine Frau als Präsidentin eines DDR-Parlaments. „Die Parlamente sollen die Zukunft gestalten und nicht nur die Regierung“, forderte sie gleich in der ersten Sitzung. Dieser Anspruch prägte die Arbeit.

„Für mich war es die aufregendste Zeit meines Lebens“, erinnerte sich Bergmann-Pohl bei der Ausstellungseröffnung. „Sie war die anstrengendste Zeit meines Lebens, aber auch die glücklichste, weil die Wiedervereinigung gestaltet wurde.“

Die Zahlen belegen das enorme Tempo: In nur 180 Tagen verabschiedete die Volkskammer 93 Beschlüsse, 164 Gesetze und schloss drei Staatsverträge ab. Es war eine Phase, in der Demokratie buchstäblich neu erfunden und gelebt wurde – unter dem ständigen Druck der Zeit.

Die Ausstellung, die noch bis zum 31. Dezember 2026 zu sehen ist, dient als Auftakt für mehrere Veranstaltungen des Bundestags zum Demokratiegeschichte-Tag. Bei einem Podiumsgespräch diskutierten neben Bergmann-Pohl auch die ehemaligen Volkskammer-Mitglieder Dr. Gregor Gysi (Die Linke) und Markus Meckel (SPD) über diese prägende Zeit.

Sie erinnert daran, dass demokratische Errungenschaften nicht selbstverständlich sind, sondern oft in kurzen, intensiven Momenten erkämpft und gestaltet werden müssen. In einer Zeit, in der Demokratien weltweit unter Druck stehen, gewinnt dieser Blick in die jüngste deutsche Geschichte besondere Aktualität.