Fr., 16 Okt. 2026 Kyjiw 12:26Berlin 11:26London 10:26 UKR / DE / EN

Drohnenangriff auf Energienetze: Stromausfälle in Kyjiw und acht Regionen

Nach einer massiven russischen Drohnenattacke auf Energieanlagen meldet der Netzbetreiber Ukrenerho am Freitagmorgen neue Stromausfälle in Kyjiw und acht Regionen. In einigen Gebieten gelten bis Tagesende Notfallpläne für die Industrie.

Drohnenangriff auf Energienetze: Stromausfälle in Kyjiw und acht Regionen
Grafik: EuroPulse

Nach einer massiven russischen Drohnenattacke auf Energieanlagen meldet der Netzbetreiber Ukrenerho am Freitagmorgen neue Stromausfälle in Kyjiw und acht Regionen. In einigen Gebieten gelten bis Tagesende Notfallpläne für die Industrie.

Nach einer massiven russischen Drohnenattacke auf Energieanlagen in mehreren Regionen der Ukraine ist es am Freitagmorgen in Kyjiw und acht weiteren Regionen erneut zu Stromausfällen gekommen. Das teilte der staatliche Netzbetreiber Ukrenerho nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform mit. Betroffen sind demnach neben der Hauptstadt die Regionen Kyjiw, Wolhynien, Odessa, Saporischschja, Dnipropetrowsk, Charkiw, Sumy und Tschernihiw.

„In der Nacht und am Morgen hat der Feind einen massiven Drohnenangriff auf Energieobjekte in mehreren Regionen geführt“, zitiert Ukrinform Ukrenerho. „In der Folge gibt es am Morgen neue Stromausfälle.“ Wo es die Sicherheitslage zulasse, hätten bereits Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten begonnen. In einigen Regionen werden laut Ukrenerho bis zum Ende des Tages Notfallpläne zur Leistungsbegrenzung für die Industrie sowie stündliche Abschaltungen von bis zu zwei Stufen angewandt.

Wegen des schlechten Wetters waren am Morgen zudem elf Ortschaften in den Regionen Poltawa und Sumy ganz oder teilweise ohne Strom. Reparaturteams der regionalen Energieversorger arbeiteten an der Wiederherstellung beschädigter Stromleitungen. Der Stromverbrauch entsprach Ukrenerho zufolge um 9:30 Uhr am Freitag dem Niveau des Vortages. Der Netzbetreiber rief dazu auf, Strom sparsam zu verbrauchen und zwischen 16:00 und 22:00 Uhr nicht mehrere leistungsstarke Elektrogeräte gleichzeitig einzuschalten. In Kyjiw waren am Morgen des 16. Oktober Notabschaltungen eingeführt worden.

Ein Kraftwerk, ein Wohnblock, drei Tote

Der aktuelle Angriff steht in einer Reihe schwerer Treffer auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte eine Welle russischer Raketen und Drohnen die Hauptstadt getroffen. Wie das Nachrichtenportal Euronews am Mittwoch berichtete, starben mindestens drei Menschen, 22 wurden verletzt. Im Stadtbezirk Desnjanskyj traf ein Angriff einen neunstöckigen Wohnblock, zwei Menschen starben, 21 wurden verletzt, darunter ein Kind. Einsatzkräfte retteten 16 Bewohnerinnen und Bewohner, die Feuerwehr bekämpfte einen Brand auf 400 Quadratmetern. 16 Verletzte kamen ins Krankenhaus, vier von ihnen befanden sich in ernstem Zustand. Eine weitere Person kam im Stadtbezirk Holosiivskyj ums Leben, eine wurde verletzt, als ein nicht zu Wohnzwecken genutztes Gebäude getroffen wurde. Psychologinnen und Psychologen der Notdienste betreuten 110 Menschen an den betroffenen Orten.

Die Angriffe richteten sich auch gegen die Energieinfrastruktur von Kyjiw. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte nach dem Bericht von Euronews, dass eine ballistische Rakete das Heizkraftwerk CHP-4 traf. Er sagte, die Ukraine habe von ihren Partnern keine Vorwarnung erhalten, bevor die einfliegenden Raketen auf den Radaren auftauchten. Die nächtlichen Angriffe auf Energieanlagen ließen landesweit mehr als 600.000 Menschen ohne Strom zurück.

Reparaturen unter Sicherheitsrisiko

Für die Menschen in der Ukraine bedeutet das: Der Strom kommt vielerorts nur stundenweise, Industriebetriebe müssen ihre Produktion drosseln. Die Reparaturteams arbeiten nach Angaben von Ukrenerho nur dort, wo es die Sicherheitslage erlaubt – ein Hinweis darauf, dass weitere Angriffe befürchtet werden. Ukrenerho appellierte an die Haushalte, in den Abendstunden Strom zu sparen, um das Netz zu stabilisieren.

Die Angriffe treffen ein Land, in dem der Winter naht und die Energieversorgung ohnehin angespannt ist. Wie viele Anlagen diesmal beschädigt wurden und wie lange die Ausfälle dauern, ließ Ukrenerho zunächst offen. Der Netzbetreiber kündigte weitere Reparaturen an, sobald die Lage es zulässt.

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →