Oktober ist in Iwano-Frankiwsk ein Mensch getötet worden. Wie der Bürgermeister der westukrainischen Stadt, Ruslan Marzinkiw, nach Angaben der BBC mitteilte, handelte es sich um einen Wachmann, der ein Gebäude bewachte. Das Gebäude sei nach dem Einschlag in Brand geraten, ebenso trockenes Gras auf einer Freifläche. Die Feuerwehr habe die Flammen gelöscht, meldete der ukrainische Katastrophenschutz.
In der Region Kyjiw wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes drei Menschen verletzt, als russische Drohnen in der Nacht zum 9. Oktober Lagergebäude im Rajon Butscha angriffen. Eine Frau werde noch vermisst, hieß es. Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach ihr, der Kontakt zu ihr sei abgebrochen. Das Feuer sei eingedämmt worden. Wegen der Angriffe auf Energieanlagen führte der Energieversorger DTEK nach eigenen Angaben am rechten Ufer von Kyjiw und in der Region Kyjiw Notabschaltungen durch.
Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, Russland habe in der Nacht zum 9. Oktober 136 Kampfdrohnen auf die Ukraine gestartet, darunter 93 mit Düsenantrieb. Bis 8 Uhr morgens (Ortszeit) habe die Flugabwehr nach vorläufigen Angaben 114 Drohnen abgeschossen, davon 77 mit Düsenantrieb.
Am Morgen des 9. Oktober griff die russische Armee nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung von Saporischschja, Mychajlo Semikin, die Stadt Saporischschja mit gelenkten Gleitbomben an. Ein Mann sei getötet, fünf weitere Menschen seien verletzt worden. In Charkiw waren in der Nacht Explosionen zu hören. Am Vortag hatte nach Angaben des Bürgermeisters Ihor Terechow eine Rakete die oberste Etage eines Mehrfamilienhauses getroffen und eine Frau verletzt. In der Region Charkiw wurden nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung, Oleh Synjehubow, binnen eines Tages 17 Ortschaften beschossen, drei Menschen wurden verletzt.
In der Region Dnipropetrowsk wurde nach Angaben der Militärverwaltung eine Person verletzt. Mehr als 30 Mal habe Russland die Region im Laufe des Vortags mit Drohnen und Gleitbomben angegriffen. Im Rajon Nikopol seien die Städte Nikopol sowie die Gemeinden Marhanez, Tschorwohryhoriwka und Pokrowsk beschossen worden, eine 24-jährige Frau sei mittelschwer verletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Im Rajon Synelnykowe wurden die Gemeinden Mykolajiwka und Petropawliwka getroffen, Privathäuser und Autos seien beschädigt worden. In der Gemeinde Hubynycha sei ein Verwaltungsgebäude beschädigt worden.
Die BBC berichtete zudem von einem russischen Angriff auf die Stadt Kramatorsk in der Region Donezk, bei dem 33 Menschen getötet und 18 verletzt worden seien. Zwei Linienbusse mit Fahrgästen seien getroffen worden. Bei Angriffen auf Kyjiw am 8. Oktober seien acht Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Die Stadt sei den ganzen Tag über angegriffen worden, ein Hochhaus und ein Geschäft seien getroffen worden. Die Metro sei zeitweise eingestellt worden, es habe Probleme mit Wasser und Strom gegeben, weil ein Energieobjekt getroffen worden sei. In Pryluky in der Region Tschernihiw wurde nach einem Raketentreffer auf ein Wohnhaus in der Nacht zum 8. Oktober die Trümmerbeseitigung abgeschlossen. 22 Menschen starben, darunter fünf Kinder, 17 wurden verletzt.
Warum die Westukraine kein sicherer Ort ist
Der Angriff auf Iwano-Frankiwsk fügt sich in ein Muster: Auch der Westen der Ukraine ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 immer wieder Ziel von Luftangriffen. Die Augsburger Allgemeine hatte im September in einem Faktencheck die Behauptung widerlegt, die Westukraine sei seit drei Jahren kriegsfrei. Der Militärexperte Oberst Markus Reisner bestätigte gegenüber der dpa, dass diese Behauptung falsch sei. Bereits im November 2025 waren Ternopil, Lwiw und Iwano-Frankiwsk angegriffen worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erklärte auf dpa-Anfrage, die Sicherheitslage in der Ukraine habe sich zuletzt sogar weiter verschlechtert; es gebe keine sicheren Gebiete.
Wie Russland seine Angriffe verändert hat
Die Zeit berichtete Anfang September, Russland habe seine Taktik geändert und setze schnellere Drohnen mit Düsenantrieb ein. Wurden Drohnenangriffe auf Kyjiw früher fast immer nachts geflogen, finden sie nun rund um die Uhr statt – was den Alltag der Menschen stark belastet und den Bahnverkehr massiv stört. Die ukrainische Luftwaffe bestätigte diese Entwicklung für die Nacht zum 9. Oktober: Von 136 gestarteten Drohnen waren 93 mit Düsenantrieb.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte nach einem Angriff Ende September mit fünf Toten und 14 Verletzten gesagt, das Hauptziel sei der Energiesektor der Hauptstadt und der Region Kyjiw gewesen. „Jede Abfangrakete rettet wirklich Leben. Und je näher der Winter rückt, desto wichtiger wird dieser Schutz“, so Selenskyj. Die Angriffe der vergangenen Tage zeigen, wie schwer diese Verteidigung bleibt.



