Die deutsche Chemieindustrie erlebt derzeit einen unerwarteten Aufschwung: Wegen des Irankriegs decken sich Kunden mit Grundstoffen ein, aus Angst vor Lieferengpässen. Evonik-Chef Christian Kullmann sagte am Mittwoch auf der Handelsblatt-Jahrestagung Chemie in Berlin: „Das zweite Quartal wird stark, weil es auf den Chemiemärkten zu Hamsterkäufen kommt.“ Europäische Chemieunternehmen profitieren besonders, da sie lieferfähig bleiben und Preiserhöhungen durchsetzen können.
Die asiatische Chemie leidet dagegen unter Lieferproblemen, weil sie stark von Rohstoffen aus dem Nahen Osten abhängig ist. „Aktuell nehmen wir den Chinesen Marktanteile ab“, so Kullmann. Doch er warnte vor einer trügerischen Entspannung: „Aber machen wir uns nichts vor: Chinas Chemie wird mit Wucht nach Europa zurückkehren.“ Die derzeitige Entlastung durch die Nahost-Krise überdecke die strukturellen Probleme nur kurzzeitig.
Branchenmanager rechnen daher mit einer Konsolidierungswelle in Europa. Der Wettbewerb mit China werde sich weiter verschärfen, sobald die Lieferketten wieder normal laufen. Die deutsche Chemie müsse sich auf eine Rückkehr der chinesischen Importschwemme vorbereiten, die zuletzt abgeebbt war.
Quelle: www.handelsblatt.com



