Wer Bus und Bahn nur ab und zu nutzt, hat bislang eine unbequeme Wahl: Einzelfahrscheine in jedem Verkehrsverbund neu verstehen oder ein Deutschlandticket abonnieren, das sich für Wenigfahrer kaum lohnt. Die Verkehrsminister der Länder wollen genau diese Lücke schließen. Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ liegt der Verkehrsministerkonferenz ein Beschlussentwurf von Nordrhein-Westfalen und Hamburg vor: ein bundesweit gültiges Angebot für Gelegenheitsfahrer, gedacht als Ergänzung zum Deutschlandticket.
Wie soll das Ticket funktionieren?
Vorgesehen ist ein smartphonebasierter „In/Out-Tarif“. Fahrgäste checken per App ein und am Ziel wieder aus, das System berechnet die Strecke. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte laut den Berichten, der digitale Tarif „wählt immer den günstigsten Preis pro Strecke aus“. Entscheidend ist die Deckelung: Über einen Monat hinweg soll das Ticket nie mehr kosten als ein Deutschlandticket. Das kostet derzeit 63 Euro und steigt zum 1. Januar 2027 auf 66,80 Euro. Einen Preis oder einen Starttermin für das neue Angebot nennt der Entwurf nach den bisherigen Berichten nicht. NRW soll die konkrete Ausgestaltung erarbeiten.
Als Vorbild dient das NRW-Modell eezy.nrw, das es dort seit Ende 2021 gibt. Laut Landesregierung wählt die App seit dem 1. Januar 2026 landesweit automatisch den günstigsten Preis der 2. Klasse; liegt er über dem eines vergleichbaren Einzeltickets, wird er darauf gesenkt. Bei 63 Euro im Monat ist Schluss, weitere Fahrten im selben Monat sind in NRW dann kostenlos. Laut Land lagen die Fahrten 2025 auf Rekordniveau, allein im November waren es 895.000. Beispiel aus der Preisliste des Landes: Aachen–Bielefeld kostet 25,80 Euro statt 35,20 Euro beim klassischen Ticket.
Was bringt das wirklich – und wann?
Der „Tagesspiegel“ weist darauf hin, dass der finanzielle Vorteil gering sein dürfte; der Gewinn liege vor allem in der Einfachheit, weil niemand mehr Tarifgrenzen und Verbundregeln studieren muss. Das ist aus unserer Sicht der überzeugendste Punkt. Wer heute zwischen München, Augsburg und einem Wochenendausflug nach Nürnberg oder Regensburg rechnet, kennt das Tarifgewirr. Ob ein bundesweites System so reibungslos läuft wie in einem einzigen Bundesland, ist offen, denn dort ist nur ein Tarifbüro zuständig, bundesweit müssten Dutzende Verbünde mitziehen.
Beschlossen ist noch nichts. Die Minister treffen sich am Mittwoch und Donnerstag, 21. und 22. Oktober, im bayerischen Schwangau; im Mittelpunkt stehen eigentlich die Finanzierung des Nahverkehrs, die Trassenpreise der Bahn und mögliche höhere Regionalisierungsmittel. Selbst bei einem Ja im Grundsatz dürfte die Umsetzung eher Monate als Wochen dauern – das ist eine Einschätzung der Redaktion, keine Ankündigung der Länder. Bis dahin gilt: Wer regelmäßig pendelt, fährt mit dem Deutschlandticket weiter am besten; wer selten fährt, sollte das Ergebnis aus Schwangau abwarten und keine Abos nur wegen der Pläne abschließen oder kündigen.
Zuvor berichtet: Deutschlandticket: Ab Januar 66,80 Euro – was Sie tun können.
Quellen: ZDFheute, Tagesspiegel, Land NRW



