Sa., 06 Juni 2026 Berlin 22:43 DE / UKR / EN

Jonas Schmidt-Chanasit: „Hantavirus hat kein Pandemie-Potenzial“

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit äußert sich im NDR Info Interview zur aktuellen Hantavirus-Situation nach einem Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff. Er erklärt die Übertragungswege und das Risiko für die Bevölkerung.

Jonas Schmidt-Chanasit: „Hantavirus hat kein Pandemie-Potenzial“
Bild: images.ndr.de

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“, bei dem drei Menschen starben, hat sich die Zahl der Infizierten erhöht. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, ordnet die Situation im Interview mit NDR Info ein. Unter den Passagieren des betroffenen Schiffes war auch ein Mensch aus Niedersachsen, der sich derzeit im Ausland befindet und unter der Aufsicht der dortigen Gesundheitsbehörden steht.

Schmidt-Chanasit erklärt, ist das Risiko für Niedersachsen gering. Die Weltgesundheitsorganisation hat bis Sonntag sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff erfasst. Drei dieser acht Personen sind an den Folgen der Infektion gestorben, darunter eine Deutsche. Die Evakuierung des Schiffes wurde am Montagabend abgeschlossen, und eine letzte Gruppe von 28 Menschen verließ das Schiff unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Frage: Rolle spielt der Mensch für unsere heimischen Hantaviren?
Jonas Schmidt-Chanasit: Hantaviren werden von Nagetieren auf den Menschen übertragen und im Regelfall ist der Mensch ein Endwirt. Das heißt, es findet bei unseren heimischen Hantaviren keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung statt. Die initiale Übertragung erfolgt durch das Einatmen virushaltiger Stäube.

Frage: Wie erfolgt die Übertragung des Virus?
Jonas Schmidt-Chanasit: Nagetiere scheiden das Virus mit Kot, Speichel und Urin aus. Wenn man beispielsweise den Schuppen sauber macht oder Gartenarbeit verrichtet, kann man diese virushaltigen Stäube aufwirbeln und sich so infizieren. In seltenen Fällen gibt es auch Berichte, wo jemand durch einen Biss einer Maus infiziert wurde.

Frage: Warum ist ein Hantavirus-Ausbruch auf einem Schiff eher ungewöhnlich?
Jonas Schmidt-Chanasit: Auf einem Schiff sind die Bedingungen für die Übertragung des Virus nicht optimal. Die Enge und die Hygienevorkehrungen machen eine Ausbreitung unwahrscheinlicher. Dennoch kann es in Ausnahmefällen zu solchen Ausbrüchen kommen.

Frage: Welche Maßnahmen sind notwendig, um eine Ausbreitung zu verhindern?
Jonas Schmidt-Chanasit: Es sind wenige und wirksame Maßnahmen erforderlich. Die Sensibilisierung der Bevölkerung und die Einhaltung von Hygieneregeln sind entscheidend, um das Risiko einer Infektion zu minimieren.

Frage: Was sind die größten Fehler im Pandemiemanagement?
Jonas Schmidt-Chanasit: Das Pandemiemanagement scheitert oft an unserem Entscheidungssystem. Es ist wichtig, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, um besser auf zukünftige Ausbrüche vorbereitet zu sein.

Frage: Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?
Jonas Schmidt-Chanasit: Ich rechne mit einem Ende der Welle in zwei Monaten. Es ist jedoch wichtig, die Situation weiterhin genau zu beobachten und gegebenenfalls schnell zu reagieren.

Frage: Rolle spielen Impfungen in diesem Zusammenhang?
Jonas Schmidt-Chanasit: Aktuell gibt es keine spezifische Impfung gegen Hantaviren. Prävention durch Aufklärung und Hygiene bleibt der Schlüssel zur Vermeidung von Infektionen.

Frage: Was raten Sie den Menschen, die besorgt sind?
Jonas Schmidt-Chanasit: Ich empfehle, sich nicht unnötig zu beunruhigen, sondern sich an die empfohlenen Hygienemaßnahmen zu halten. Das Risiko ist gering, wenn man vorsichtig ist.

Frage: Gibt es noch etwas, das Sie hinzufügen möchten?
Jonas Schmidt-Chanasit: Es ist wichtig, dass wir die Informationen über Hantaviren und deren Übertragung verbreiten, um Ängste abzubauen und die Bevölkerung zu schützen.