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Kyjiw: Raketen ohne Vorwarnung der Partner?

Selenskyj sagt, vor fünf ballistischen Raketen auf Kyjiw habe es keinen Partnerhinweis gegeben. Sybiha widerspricht dem Bild eines US-Stopps.

Kyjiw: Raketen ohne Vorwarnung der Partner?
Archivfoto: Ahernar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Selenskyj sagt, vor fünf ballistischen Raketen auf Kyjiw habe es keinen Partnerhinweis gegeben. Sybiha widerspricht dem Bild eines US-Stopps.

Fünf ballistische Raketen schlugen in der Nacht zu Dienstag in Kyjiw ein – und Präsident Wolodymyr Selenskyj sagt, es habe vorher keinen Hinweis der Partner gegeben. „Es gab keine Warnung unserer Partner vor diesem Angriff“, schrieb er nach Angaben von Ukrinform. Gerade solche Hinweise auf ballistische Starts „helfen, Tote zu verhindern“. Namen nannte er nicht. Stand: Dienstagabend, 13. Oktober.

Der Angriff kam gegen 22 Uhr am Montagabend, so berichtet die Kyiv Post. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland seit 18 Uhr mehr als 100 Waffen ab: fünf ballistische Raketen, neun Loitering-Munitionen vom Typ „Banderole“/„Dan-T“ und 108 Drohnen vom Typ Schahed, 74 davon mit Strahlantrieb, dazu Attrappen. Bis 8 Uhr morgens wurden 88 Drohnen abgefangen oder ausgeschaltet, an 17 Orten gab es Treffer. In Charkiw zerstörte ein Angriff ein Wohnhaus – vier Tote, 41 Verletzte. Zu den Opfern in Kyjiw sind die Berichte uneinheitlich: Der AP zufolge wurde eine Frau verletzt, die Kyiv Post nennt für die Region zwei getötete Frauen und neun Verletzte. Auch die Zahl der Raketen schwankt: Selenskyj und die Luftwaffe sprechen von fünf, die Kyiv Post von etwa sechs.

Warum die Warnung bei Ballistik so viel zählt

Bei Drohnen bleiben oft Stunden, um Alarm auszulösen. Ballistische Raketen sind anders: Sie fliegen so schnell, dass zwischen Erkennung, Alarm und Schutzraum nur wenige Minuten liegen. Entscheidend ist deshalb, den Start in der ersten Flugphase zu erkennen. Dafür sind nach Einschätzung des Portals Militarnyi vor allem Infrarotsatelliten wichtig, wie sie die USA betreiben; sie erfassen die Hitze des Raketentriebwerks schon in den ersten Sekunden. Europa verfügt über kein vergleichbares eigenes Netz. Bodenradare sehen eine Rakete erst, wenn sie über den Radarhorizont steigt. Deutschland will in den kommenden Jahren mehr als 100 Militärsatelliten im niedrigen Erdorbit aufbauen, so Militarnyi – bis dahin bleibt die Lücke.

Ob die Warnung diesmal tatsächlich ausblieb oder nur zu spät kam, ist offen. Außenminister Andrij Sybiha sagte beim Warsaw Security Forum, die Ukraine erhalte weiterhin US-Geheimdienstinformationen: „Ja, wir setzen diese Zusammenarbeit fort.“ Der Luftalarm sei wegen der „besonderen Art der von russischer Seite eingesetzten Waffen“ verspätet ausgelöst worden. Die ukrainische Luftwaffe erklärte laut Kyiv Post, sie habe vorab keine Informationen über die Starts gehabt; die Raketen seien erst nach Beginn des Angriffs erfasst worden.

Brisant wird das durch Berichte der vergangenen Tage: Laut Kyiv Post sollen US-Vertreter gedroht haben, Militärhilfe einzuschränken, falls die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien nicht einstellt; die Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner hätten in Miami auch auf mögliche Folgen für den Informationsaustausch hingewiesen. Das ist bislang Berichtslage, bestätigt ist es nicht. Dazu passt der Kontext der „Energie-Waffenruhe“, die Donald Trump am Sonntag verkündet hat: Moskau hat sie nicht bestätigt, Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte nur, die Kontakte dauerten an. Selenskyj sagt, Russland habe binnen zwei Tagen 19 Regionen angegriffen.

Was daraus folgt – eine Einschätzung der Redaktion

Belegt ist: Kyjiw sagt, es gab keinen Partnerhinweis, Außenminister Sybiha widerspricht dem Bild eines Abbruchs der US-Kooperation und verweist auf die Waffenart. Beides schließt sich nicht aus – ein Hinweis kann fehlen, ohne dass die Zusammenarbeit beendet ist. Wir halten es für wahrscheinlicher, dass der Streit weniger um einen formalen Stopp geht als um Verlässlichkeit: Wer in Minuten rechnet, kann sich nicht auf „meistens“ verlassen. Mit mittlerer Sicherheit lässt sich sagen, dass die Frage auf den Tisch der Europäer kommt – bei den Satelliten, aber auch bei Patriot-Abfangraketen, um die Kyjiw bittet. Offen ist, ob Washington sich öffentlich äußert; bis zum Abend lag uns keine Stellungnahme vor.

Für Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland, deren Familien in Kyjiw oder Charkiw leben, bleibt vor allem die alltägliche Konsequenz: Alarm-Apps und Schutzräume zählen in diesen Nächten mehr denn je. Zuvor berichtet: Russland kann monatlich 100 ballistische Raketen abfeuern.

Quellen: Ukrinform, Kyiv Post, AP, Militarnyi, ZEIT

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