Die U-Bahn in Kyjiw fährt seit Dienstagmorgen wieder durchgehend auf der roten Linie zwischen den Stationen Akademmistetschko und Lisowa – die zuvor beschädigte Station Tschernihiwska wird dabei ohne Halt durchfahren. Das teilte die Kyjiwer Stadtverwaltung am Dienstag, 20. Oktober, mit, wie Radio Swoboda berichtet. Die Station bleibe vorerst für den Fahrgastbetrieb geschlossen, hieß es weiter; über eine Wiedereröffnung werde gesondert informiert.
Auslöser war ein russischer Angriff mit mehreren ballistischen Raketen in der Nacht zum 19. Oktober. Eine der Raketen traf die Station Tschernihiwska, die vorletzte Station der roten Linie am linken Dnipro-Ufer. Seit dem Morgen des 19. Oktober endeten die Züge deshalb an der Station Darnyzja.
Schäden an Gleisen und Stromschiene
Nach Angaben des Kyjiwer Bürgermeisters Witali Klitschko waren mehr als 70 Fachleute im Einsatz, um die Folgen zu beseitigen. Glassplitter und Bauschutt seien vollständig entfernt worden. „In der Endphase sind die Arbeiten an den beschädigten Gleisen und der Kontaktschiene. Es läuft die Wiederherstellung der Stromversorgung und der Zugsteuerung. Gerade diese Arbeiten sind die schwierigsten. Sie laufen seit der Nacht“, sagte Klitschko laut dem Nachrichtenportal NV.
Der amtierende Leiter der Kyjiwer Stadtmilitärverwaltung, Andrij Tkatschow, sagte, am stärksten betroffen seien die Gleise, das Ausmaß der Schäden sei erheblich. „Bislang können wir noch nicht prognostizieren, wann die Station wieder in Betrieb geht. Die Fachleute vor Ort bewerten den Zustand der Schäden. Die Gleise sind beschädigt, und zwar sehr stark, aber Ausrüstung und Ersatzteile sind vorhanden, deshalb werden alle Arbeiten so schnell wie möglich durchgeführt“, so Tkatschow. Eine auch nur ungefähre Wiedereröffnung konnte die Stadtmilitärverwaltung zunächst nicht nennen.
Der Kyjiwer Metro zufolge wurden bei dem Beschuss die Fassade der oberirdischen Station Tschernihiwska sowie Gleise und Kabelnetze beschädigt, wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine meldet. Die Prüfung des Schadensumfangs laufe noch, danach lasse sich der Zeitbedarf für die Reparatur abschätzen.
Mehr Busse, Umwege über Darnyzja
Um die Verbindungen zwischen den Stadtteilen zu verbessern, wurden laut Klitschko mehr Busse auf den Linien 1-M und 118 eingesetzt. Nach Angaben der Stadtverwaltung kommen auf der vorläufigen Linie 1-M zwischen Lisowa und Darnyzja drei Busse hinzu, zwölf Busse fahren von Lisowa zum Palats Sportu; auf der Linie 118 kommen zwei weitere hinzu. Das soll auch die Station Darnyzja entlasten, auf der sich der Verkehr sonst bündeln würde.
Klitschko verwies zudem darauf, dass die Arbeiten bei Luftalarm unterbrochen werden müssen, weil die Beschäftigten Schutzräume aufsuchen – das bremse die Reparatur.
Bei dem Angriff in der Nacht zum 19. Oktober starb nach Angaben der Behörden eine 21-jährige Frau, acht Menschen wurden verletzt. Zerstörungen wurden in drei Stadtteilen registriert: Im Stadtteil Solomjanskyj wurden ein 25-stöckiges Wohnhaus, eine medizinische Einrichtung und das Einkaufszentrum Cosmo Multimall beschädigt, im Stadtteil Desnjanskyj eine medizinische Einrichtung, im Stadtteil Dniprowskyj Bildungseinrichtungen. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte setzte Russland Iskander-M/S-400-Raketen, Marschflugkörper vom Typ Iskander-K sowie 269 Drohnen ein; die Flugabwehr habe vier Iskander-K und 243 Drohnen abgeschossen.
Für die Fahrgäste in Kyjiw bedeutet das vorerst: längere Wege am linken Ufer, volle Ersatzbusse und eine rote Linie, die zwar wieder durchfährt, an der beschädigten Station aber nicht hält. Wann die Tschernihiwska wieder öffnet, hängt vom Ergebnis der Schadensprüfung ab – die Stadt nennt dafür bislang keinen Termin.



