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Kyjiw: Sappeur birgt Gefechtskopf einer russischen Rakete im Hinterhof

Im Kyjiwer Stadtteil Obolon haben Sprengstoffspezialisten den Gefechtskopf und ungefährliche Reste einer ballistischen Rakete geborgen. Das Geschoss war am Samstag im Hof von Wohnhochhäusern eingeschlagen.

Kyjiw: Sappeur birgt Gefechtskopf einer russischen Rakete im Hinterhof
Grafik: EuroPulse

Im Kyjiwer Stadtteil Obolon haben Sprengstoffspezialisten den Gefechtskopf und ungefährliche Reste einer ballistischen Rakete geborgen. Das Geschoss war am Samstag im Hof von Wohnhochhäusern eingeschlagen.

Im Kyjiwer Stadtteil Obolon haben Sprengstoffspezialisten des staatlichen Katastrophenschutzes den Gefechtskopf und ungefährliche Reste einer ballistischen Rakete geborgen, die am Samstag im Hof von Wohnhochhäusern eingeschlagen war. Das teilte der Katastrophenschutz der Hauptstadt am Sonntag auf Telegram mit, wie das Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda berichtet.

Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „In Kyjiw hat am Ort eines der feindlichen Angriffe im Rajon Obolon ein pyrotechnisches Team der Gruppe für pyrotechnische Arbeiten, Unterwasser- und humanitäre Räumung des ARZ SP den Gefechtskopf und ungefährliche Reste einer ballistischen Rakete geborgen.“ Nach Angaben des Katastrophenschutzes schlug die Rakete im Hof von Wohnhochhäusern ein und beschädigte ein einstöckiges Gebäude. Die Einsatzkräfte wiesen erneut darauf hin, dass bei verdächtigen Gegenständen Abstand zu halten und umgehend die Notrufnummern 101 oder 112 zu verständigen sei.

Die Fundstelle steht laut Ukrajinska Prawda im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf Kyjiw am 10. Oktober. Nach Angaben von Ukrajinska Prawda wurde dabei im Rajon Obolon ein Restaurantgebäude getroffen; an einer anderen Adresse in Obolon fielen Raketentrümmer in den Hof eines Wohnhauses. Zuvor waren im Rajon Solomjanka Trümmer einer Drohne auf ein 25-geschossiges Wohnhaus und ein achtgeschossiges Bürogebäude gestürzt. Bereits am 8. Oktober hatten Polizeisprengstoffexperten nach Angaben des Portals zwei nicht detonierte ballistische Raketen entschärft, mit denen russische Streitkräfte Kyjiw am 7. Oktober angegriffen hatten.

Ein Muster, das sich wiederholt

Die Bergung eines liegen gebliebenen Gefechtskopfs ist kein Einzelfall. Schon am 24. Mai hatten Sappeurinnen und Sappeur des Katastrophenschutzes in Kyjiw nach einer nächtlichen Angriffswelle den Gefechtskopf einer russischen Rakete geborgen, die ein Gebäude getroffen, aber nicht detoniert war. Wie zn.ua am selben Tag unter Berufung auf den Kyjiwer Katastrophenschutz berichtete, forderte das mobile Schnellreaktionsteam die Anwohnerinnen und Anwohner benachbarter Häuser auf, ihre Wohnungen zu verlassen, solange die nicht explodierte Raketenspitze entschärft wurde. Die Pyrotechniker brachten den Fund zur späteren Vernichtung weg.

In derselben Nacht geriet laut zn.ua auch eine Einheit des Katastrophenschutzes selbst unter Beschuss: Eine Schicht von 30 Einsatzkräften habe sich rechtzeitig in einen Schutzraum begeben können. Nach der Explosion habe die eine Hälfte des Personals das eigene Gebäude gelöscht, die andere weiter Notrufe angenommen und Hilfe in der gesamten Region koordiniert. Zehn Löschfahrzeuge seien an dieser Stelle vollständig zerstört worden, die Arbeit der Verwaltung sei aber schon wenige Stunden später an einem sicheren Ort wieder aufgenommen worden. Das Nachrichtenportal zn.ua nannte damals zudem 77 Verletzte der massiven Raketen- und Drohnenangriffe auf Kyjiw, darunter zwei Kinder; der Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko hatte von 31 in Krankenhäusern behandelten Einwohnern gesprochen.

Auch in der Region Kyjiw kommt es zu solchen Funden. Wie das Nachrichtenportal Interfax-Ukraine am 14. Mai unter Berufung auf den Staatlichen Katastrophenschutz berichtete, holten Fachkräfte Teile einer russischen Rakete aus einem Mehrfamilienhaus im Dorf Tschabany. „Bei einem feindlichen Angriff flogen Teile einer Gefechtsrakete in Wohnungen eines Wohnhauses in der Siedlung Tschabany. Nur durch ein Wunder ist die Rakete nicht im Inneren des Hochhauses explodiert, denn das hätte zu einer großflächigen Tragödie mit zahlreichen Opfern führen können“, zitierte die Agentur die Facebook-Seite der Behörde. Die gefährlichste Lage habe in einer Wohnung im Erdgeschoss geherrscht, wo sich der Gefechtskopf befand. Die Reste aus dem zweiten und dritten Stock wurden mit Spezialtechnik geborgen.

Warum die Funde so gefährlich bleiben

Nicht detonierte Gefechtsköpfe binden jedes Mal große Mengen an Personal und Zeit: Häuser müssen geräumt, Straßen gesperrt und Anwohnerinnen und Anwohner in Sicherheit gebracht werden, bis die Pyrotechniker die Funde abtransportiert haben. Für die Menschen in Kyjiw bedeutet das, dass die Folgen eines Angriffs oft Tage nach dem Einschlag noch spürbar sind – durch Evakuierungen, Sperrungen und die Sorge um zurückgelassene Wohnungen. Der Katastrophenschutz appelliert deshalb an die Bevölkerung, verdächtige Gegenstände nicht anzufassen, sondern Abstand zu halten und die Notrufnummern 101 oder 112 zu wählen.

Wie viele solcher Funde seit Beginn des russischen Angriffskriegs insgesamt geborgen wurden, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor. Klar ist nur, dass die Einsatzkräfte in Kyjiw und der Region auch Tage nach den Angriffen im Einsatz sind – am Sonntag im Rajon Obolon, wo der Gefechtskopf nun abtransportiert ist.

Quellen

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