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Luftangriffe auf Slowjansk und Jassnohirka: neun Verletzte

Bei russischen Luftangriffen auf Slowjansk und die Siedlung Jassnohirka in der Gemeinde Kramatorsk sind am Sonntag neun Zivilisten verletzt worden, wie die Staatsanwaltschaft der Region Donezk mitteilt.

Luftangriffe auf Slowjansk und Jassnohirka: neun Verletzte
Grafik: EuroPulse

Bei russischen Luftangriffen auf Slowjansk und die Siedlung Jassnohirka in der Gemeinde Kramatorsk sind am Sonntag neun Zivilisten verletzt worden, wie die Staatsanwaltschaft der Region Donezk mitteilt.

Wie die Staatsanwaltschaft der Region Donezk am 11. Oktober 2026 auf Telegram mitteilte, griffen die „Besatzungstruppen“ Slowjansk nach ihren Angaben um 9.45 Uhr mit drei Gleitbomben des Typs FAB-250 mit UMPK-Modulen an; die Einschläge lagen laut der Behörde in dicht bebautem Wohngebiet. Die Nachrichtenagentur Ukrinform berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, in Slowjansk seien sieben Menschen verletzt worden: fünf Frauen im Alter von 28, 52, 53, 72 und 76 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 25 und 80 Jahren. Diagnostiziert wurden demnach geschlossene Schädel-Hirn-Traumata, Gehirnerschütterungen, Schnittwunden und Prellungen.

In den Zentren der Einschläge wurden nach Angaben der Regionalen Staatsanwaltschaft neun Mehrfamilienhäuser teilweise zerstört oder beschädigt sowie ein Geschäft. Die endgültigen Folgen des Angriffs würden noch ermittelt, hieß es. Auch die Siedlung Jassnohirka der Gemeinde Kramatorsk wurde laut Ukrinform getroffen; dort wurden eine 55-jährige Frau und ein 60-jähriger Mann verletzt. Sie erlitten nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine Minen-Explosions-Verletzung sowie Splitterwunden. Unter der Verfahrensaufsicht der Kreisstaatsanwaltschaften von Slowjansk und Kramatorsk wurden nach diesen Angaben Voruntersuchungen wegen Kriegsverbrechen eingeleitet, nach Artikel 438 Absatz 1 des ukrainischen Strafgesetzbuchs.

Ein Frontabschnitt, der seit Monaten unter Druck steht

Die Angriffe fallen in eine Phase, in der sich die Lage um das Ballungsgebiet Slowjansk-Kramatorsk zuletzt widersprüchlich entwickelt hat. Die taz beschrieb im Juli 2026, wie beide Städte immer häufiger Ziel russischer Luftangriffe wurden: Entlang der Hauptstraßen wurden Betonkeile, sogenannte Drachenzähne, aufgestellt und Stacheldraht gespannt, über den Straßen Netze zur Drohnenabwehr. Die Frontlinie sei damals nach Angaben eines 37-jährigen ukrainischen Soldaten, Witalij Owtscharenko, nur noch acht bis 15 Kilometer entfernt gewesen. Der Leiter der militärischen Stadtverwaltung von Slowjansk, Wadym Ljach, sagte der taz damals, in der Stadt lebten noch 39.000 Menschen, städtische Dienste, Krankenhaus und Bankensystem funktionierten weiter, die Entbindungsstation sei in Betrieb.

Die taz berichtete zudem, in der Gemeinde Slowjansk hielten sich noch rund 3.000 Kinder auf, in der Gemeinde Kramatorsk fast 4.000, und die Zahlen verringerten sich täglich. Bereits damals war eine Evakuierung von Kindern nur für bestimmte Gebiete von Kramatorsk und Slowjansk verpflichtend; Ukrinform meldete nun, die Zone der verpflichtenden Evakuierung von Kindern sei in der Region Donezk auf weitere Teile von Kramatorsk ausgedehnt worden.

Ukrainische Gegenangriffe östlich der Städte

Militärisch ist die Lage nach Einschätzung des amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) zuletzt für Russland komplizierter geworden. Die Berliner Zeitung berichtete am 9. Oktober unter Berufung auf die ISW-Lageanalyse vom 8. Oktober, russische Militärblogger hätten neue ukrainische Geländegewinne östlich von Slowjansk und Kramatorsk eingeräumt. Demnach sollen ukrainische Truppen die Ortschaft Oserne zurückerobert und russische Einheiten aus Piskuniwka südöstlich von Lyman vertrieben haben; weitere Vorstöße wurden östlich von Piskuniwka in Richtung Krywa Luka gemeldet. Auch bei Mykolajiwka unmittelbar östlich von Slowjansk sowie im Raum Kramatorsk – dort die Rückeroberung von Malyniwka und Vorstöße zwischen Fedorivka Druha und Holubiwka – wurden laut Berliner Zeitung ukrainische Erfolge gemeldet. Alle diese Angaben ließen sich nicht vollständig unabhängig bestätigen, betonte die Zeitung.

Das ISW verwies laut Berliner Zeitung auf geolokalisierte Aufnahmen aus der Umgebung von Tychoniwka östlich von Kramatorsk, die einen ukrainischen Angriff auf eine russische Stellung zeigten. Mehrere russische Militärblogger meldeten zudem, ukrainische Einheiten hätten den Fluss Siwerskyj Donez überquert und russische Truppen von beiden Ufern zurückgedrängt. Nach Angaben eines ukrainischen Militärvertreters vom 7. Oktober verlegt die russische Militärführung Einheiten von weniger stark umkämpften Frontabschnitten in Richtung Slowjansk und Kramatorsk, darunter Spezialkräfte und Angehörige der Streitkräfte für unbemannte Systeme; eine unabhängige Bestätigung für Umfang und Zeitpunkt dieser Truppenbewegungen lag laut Berliner Zeitung nicht vor.

Die BBC berichtete am 15. September, russische Truppen setzten ihren Angriff auf das Ballungsgebiet fort, dessen Eroberung viele Analysten als vorrangiges Ziel der russischen Kampagne der kommenden Monate betrachteten. Erfolgreiche ukrainische Gegenstöße bei Lyman hätten russische Pläne einer nördlichen Umfassung Slowjansk erschwert, die Lage auf dem gesamten Schlüsselabschnitt für die ukrainischen Streitkräfte bleibe aber schwierig. Der ukrainische Militärbeobachter Kostjantyn Maschowez schrieb laut BBC, die russischen Truppen hätten ihre Angriffe auf das Ballungsgebiet „frontal“ organisieren können, während die ukrainische Führung um die Flanken kämpfte. Der ukrainische Experte Oleksandr Kowalenko sagte der BBC, wenn das russische Tempo nicht sinke, könnten bis Ende Dezember 2026 erste russische Eindringlinge in Slowjansk oder Kramatorsk auftauchen. Das ISW gab in seiner Lageeinschätzung vom 13. September eine für die Ukraine günstigere Prognose: Wegen des Verlusts des Brückenkopfs bei Lyman habe die Zahl der russischen Angriffe pro Tag im September auf vier abgenommen, nach durchschnittlich 14 im August.

Anmerkung der Redaktion: Die militärischen Lagebeschreibungen beruhen auf Angaben des ISW, russischer Militärblogger und ukrainischer Militärs, die sich nicht vollständig unabhängig überprüfen lassen. Die Opferzahlen des Angriffs vom Sonntag stammen von der Staatsanwaltschaft der Region Donezk; die endgültigen Folgen werden nach ihren eigenen Angaben noch ermittelt.

Quellen

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