Die Verwundbarkeit von Krankenhäusern, Stromnetzen und Wasserwerken hat Deutschland lange beschäftigt. Jetzt tritt ein neues Dachgesetz in Kraft, das bundesweit einheitliche Schutzstandards für solche kritischen Infrastrukturen festschreibt.
Das sogenannte KRITIS-Dachgesetz definiert erstmals sektorübergreifend, welche Unternehmen und Einrichtungen als systemrelevant gelten. Bisher gab es hierfür nur einen Flickenteppich aus verschiedenen Regelungen. Künftig müssen Betreiber von Energieversorgung, Gesundheitswesen, Informationstechnik, Transport und Logistik sowie der Wasser- und Lebensmittelversorgung Mindestanforderungen an ihre Sicherheit erfüllen.
Hintergrund sind zunehmende Bedrohungen durch Cyberangriffe, Sabotage und hybride Kriegsführung. Die Bundesregierung betont, dass das Gesetz die Resilienz des Landes stärken soll. Es reagiert damit auch auf Forderungen von Verbänden wie dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Diese hatten erst kürzlich auf einem KRITIS-Gipfel gefordert, den Schutz kritischer Infrastrukturen deutlich stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Die neuen Vorgaben umfassen unter anderem verpflichtende Risikoanalysen, Notfallpläne und regelmäßige Überprüfungen der Sicherheitsmaßnahmen. Unternehmen müssen nachweisen, dass sie gegen Störungen gewappnet sind. Bei Verstößen drohen Bußgelder.
Parallel zur Gesetzesnovelle entstehen auch neue Akteure im Sicherheitsmarkt. So fusionierten kürzlich die Cybersicherheitsfirmen ITC Secure und IronNet zum Unternehmen Collective Defence, das sich speziell auf den Schutz kritischer Infrastrukturen vor hybriden Bedrohungen konzentriert.
Für Bürger bedeutet das Gesetz mehr Sicherheit im Alltag. Es soll Blackouts, Trinkwasserknappheit oder den Zusammenbruch von Gesundheitssystemen verhindern. Die Umsetzung wird jedoch Zeit brauchen und erfordert erhebliche Investitionen der betroffenen Unternehmen. Experten erwarten, dass die neuen Standards schrittweise eingeführt werden.
Das Dachgesetz markiert einen Paradigmenwechsel: Nicht mehr nur einzelne Branchen, sondern das gesamte Netz lebenswichtiger Dienstleistungen wird nun als schützenswerte Einheit betrachtet. In einer Zeit geopolitischer Spannungen und digitaler Verwundbarkeiten soll so die Grundversorgung in Deutschland krisenfester werden.



