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Quantum Systems plant Zehntausende Abfangdrohnen für die Ukraine

Der Münchner Hersteller Quantum Systems will der Ukraine Zehntausende Abfangdrohnen vom Typ SPYS liefern. Ein LOI wurde am Wochenende unterzeichnet, die Finanzierung soll aus Deutschland kommen.

Quantum Systems plant Zehntausende Abfangdrohnen für die Ukraine
Symbolbild: Shalom de León / Pexels

Der Münchner Hersteller Quantum Systems will der Ukraine Zehntausende Abfangdrohnen vom Typ SPYS liefern. Ein LOI wurde am Wochenende unterzeichnet, die Finanzierung soll aus Deutschland kommen.

Der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems plant, der Ukraine Zehntausende Abfangdrohnen vom Typ SPYS zu liefern. Das kündigte der Vizepräsident des Unternehmens, Matthias Lehna, am Mittwoch, 7. Oktober, bei einem Pressebriefing in Berlin an, wie Ukrinform und Suspilne übereinstimmend berichten. „Am Wochenende wurde ein LOI zur Sicherung eines Pakets für Zehntausende SPYS gezeichnet, die in der Lage sind, strahlgetriebene Drohnen abzuschießen“, sagte Lehna. Ein LOI ist eine Absichtserklärung und noch kein verbindlicher Vertrag.

Die Finanzierung soll aus Deutschland kommen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte am 4. Oktober bei einem unangekündigten Besuch in Kyjiw angekündigt, die Bundesregierung werde die Produktion mehrerer zehntausend Abfangdrohnen von Quantum Systems für die Ukraine bezahlen. Sie sind Teil des deutschen Militärhilfepakets für den Winter 2026/2027. Nach Angaben von Trending Topics sagte Deutschland zudem eine Milliarde Euro für die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen sowie 350 Millionen Euro für die Reparatur zerstörter Kraftwerke zu.

Ein deutsch-ukrainisches Produkt

SPYS ist eine gemeinsame Entwicklung von Quantum Systems und dem ukrainischen Partner WIY. Beide arbeiten im Gemeinschaftsunternehmen Quantum WIY Industries zusammen. Nach Unternehmensangaben flossen Erfahrungen aus dem Einsatz der Abfangdrohne STRILA direkt in die Entwicklung ein. Die Produktion soll in der Ukraine stattfinden. „Tausende Systeme stehen schon in diesem Jahr zur Auslieferung bereit“, sagte ein Vertreter von Quantum Systems auf die Frage, wann die ersten SPYS aus dem neuen Paket geliefert werden könnten. Beim Hochfahren der Fertigung kann das Unternehmen auf bestehende Kapazitäten für STRILA zurückgreifen. „Und ich rede hier von mehreren Tausenden pro Monat“, sagte Lehna mit Blick auf die möglichen Produktionsvolumina.

Hintergrund ist eine neue Bedrohung aus der Luft. Russland setzt neben den klassischen Shahed-Drohnen zunehmend auf schnellere Modelle mit Strahltriebwerk. Laut Trending Topics fliegen sie mit rund 370 km/h und sind damit etwa doppelt so schnell wie herkömmliche Modelle. Die WirtschaftsWoche nennt Geschwindigkeiten von rund 600 km/h, deutsche Militärs sprechen dort von bis zu 720 km/h. Die Abwehr solcher Jet-Drohnen ist schwierig. Quantum Systems zufolge ist die Wirksamkeit der Abwehr zuletzt deutlich gestiegen. „Wir haben anfangs eine Abfangfähigkeit in der Ukraine beobachtet, die war in einem sehr niedrigen prozentualen Bereich. Die hat sich dann auf über 30 Prozent und, das haben die letzten Nächte gezeigt, auf über 50 Prozent gesteigert“, sagte ein Vertreter des Unternehmens. Diese Quote beruhe aber auf einer Kombination verschiedener Maßnahmen und nicht allein auf Abfangdrohnen. Die Ukraine setze auch stark auf ihre F-16-Flotte, um Jet-Shaheds abzufangen.

Skepsis bei Militärs und Industrie

Doch nicht alle teilen den Optimismus. Die WirtschaftsWoche hat mit mehreren hochrangigen Militärs und Industriellen gesprochen. Ein Insider sagte, die bislang schnellsten Drohnen von WIY, also SPYS, seien „einfach noch immer zu langsam für die nun hauptsächlich eingesetzten Geran“. Selbst wenn es zwei erfolgreiche Abschüsse gegeben habe, halte er einen baldigen und erfolgreichen Masseneinsatz für unwahrscheinlich. „Unsere militärischen Kontakte in der Ukraine sehen jedenfalls noch immer kein effektives Mittel zur Abwehr der Russen und schon gar keinen Durchbruch“, so der Insider. Eine Serialisierung vor dem Winter sei kaum zu schaffen, „auch wenn der Bundeskanzler das gerne hätte“. Quantum Systems bekräftigt dagegen, mit SPYS russische Drohnen vom Typ Geran bis zur fünften Generation abfangen zu können. Die aktuelle Drohne sei eine Übergangstechnologie. „Normalerweise würden wir erst mit der schnelleren Drohne in Massenproduktion gehen, aber aufgrund des Kriegsdrucks werden wir SPYS bis zum Frühjahr 2027 an die Ukraine ausliefern und im Kampfeinsatz weiterentwickeln“, sagte ein Sprecher. Im November wolle das Unternehmen mit Versuchen für eine 700 km/h schnelle Drohne beginnen.

Für Quantum Systems ist der Auftrag ein weiterer großer Schritt in der Ukraine. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen laut Trending Topics einen Auftrag über 15.000 Abfangdrohnen von den ukrainischen Streitkräften erhalten. Inzwischen betreibt die Firma ein deutsch-ukrainisches Produktionsnetz aus Quantum Frontline Industries, Quantum WIY Industries und Quantum Tencore Industries und beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine. Im Sommer sammelte Quantum Systems in einer der größten DefenseTech-Runden Europas 1,2 Milliarden Dollar ein, die Bewertung stieg auf rund 8 Milliarden Dollar (rund 6,8 Milliarden Euro).

Die Zustimmung in Deutschland zur Ukraine-Hilfe bröckelt allerdings. Mehr als 40 Prozent der Deutschen finden laut Umfragen inzwischen, dass die Hilfe zu weit geht. Ob die SPYS tatsächlich den erhofften Unterschied machen, bleibt offen. Die kommenden Wochen und der Winter werden zeigen, wie viele Systeme tatsächlich an der Front ankommen und wie sie sich gegen die russischen Jet-Drohnen schlagen.

Quellen

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