Bei einem russischen Angriff mit ballistischen Raketen auf Kyjiw sind in der Nacht zum Mittwoch zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden, . Das meldete die Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf den Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko. Vier von ihnen schwebten in ernstem Zustand. In derselben Nacht brach in einem Lagergebäude im selben Stadtteil ein Feuer aus; Trümmerteile lösten zudem einen Grasbrand auf einem Stadion im Stadtteil Darnyzkyj aus.>p>
Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten Starts ballistischer Raketen auf Kyjiw, woraufhin in der Hauptstadt und in mehreren Regionen Luftalarm ausgelöst wurde. Wie Ukrinform weiter berichtete, hatte die russische Armee seit dem Abend des 12. Oktober fünf ballistische Raketen vom Typ Iskander-M/S-400, neun Loitering-Munition vom Typ Banderol/Dan-T und 108 Angriffsdrohnen vom Typ Shahed gegen die Ukraine eingesetzt. Die ukrainische Luftverteidigung habe 88 Drohnen unschädlich gemacht.>p>
Klitschko: „Der Bürgermeister ist nicht für die Luftverteidigung zuständig“>h2>
Der Angriff fiel in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Kyjiw und seinen Verbündeten. Wie der Schweizer Nachrichtensender bluewin berichtete, beklagte Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass es auch diesmal keine Vorwarnung aus den USA gegeben habe. Die Raketen seien erst beim Anflug auf Kyjiw vom Radar erfasst worden. „Es ist völlig unfair, dass sie (die Russen) Energieanlagen zerstören, während die Ukraine nicht einmal Warnungen vor dem Start ballistischer Raketen erhält“, schrieb Selenskyj auf Telegram. Nach Angaben von bluewin wurden neben einem Wohnhaus wurde auch ein Heizkraftwerk getroffen.>p>
Zugleich griff Selenskyj die Kyjiwer Stadtverwaltung scharf an. „Jeder Einwohner von Kyjiw kann sehen, dass die Stadt wirklich unvorbereitet ist“, sagte er in einer Videobotschaft. Die Lage sei schlechter als in den Wintern der vergangenen Kriegsjahre – selbst einzelne Drohnenangriffe führten bereits zu Strom- und Wasserausfällen. Klitschko wies die Vorwürfe zurück: „Der Bürgermeister ist nicht für die Luftverteidigung zuständig“, sagte er vor Journalisten. Kyjiw sei das Hauptziel russischer Angriffe, und er selbst sei Opfer einer Kampagne, die ihn durch einen loyaleren Bürgermeister ersetzen solle. Landesweit seien laut Klitschko bereits 300 unbeliebte Bürgermeister durch die Zentralregierung ersetzt worden. Er und Selenskyj gelten als politische Rivalen; ihr seit Langem schwelender Konflikt wird immer wieder öffentlich ausgetragen.>p>
Drohnenangriff auf Bürogebäude im Stadtteil Solomjanskyj>h2>
Bereits am Dienstag, dem 13. Oktober, hatte eine russische Drohne ein Bürogebäude im Kyjiwer Stadtteil Solomjanskyj getroffen. Wie Klitschko auf Telegram mitteilte, schlug die Drohne um 17:22 Uhr Ortszeit in der sechsten Etage ein. Einsatzkräfte seien zum Ort des Angriffs geeilt. Der Luftalarm, der 21 Minuten dauerte, sei inzwischen aufgehoben worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ukrainian News. Wie Ukrainian News weiter meldete, hatte die russische Armee bereits am 12. Oktober ein 25-geschossiges Wohnhaus im Stadtteil Darnyzkyj mit einer Drohne angegriffen.>p>
Unterdessen bereitet die Regierung offenbar Änderungen an den Verwaltungsabläufen in Kyjiw vor. Wie Ukrainian News unter Berufung auf Selenskyj berichtete, laufen seit dem 13. Oktober Konsultationen über dringende Sicherheits- und Verwaltungsmaßnahmen. Der Präsident sprach von „substanziellen Vorschlägen“ und kündigte weitere Gespräche an. An den Beratungen nahmen demnach Vertreter des Sicherheitssektors, der Wirtschaft und der Kommunalverwaltung teil, darunter Wassyl Maljuk, Iwan Fedorow, Ihor Terechow, Kostjantyn Jefymenko und Maksym Jefimow. „Der Schutz von Energieanlagen und kritischer Infrastruktur in Kyjiw, die Abstimmung mit Regierung und Militär, das Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen und eine rationelle Anpassung der Verwaltungsprotokolle für Kyjiw – wir bereiten Lösungen vor“, zitiert Ukrainian News den Präsidenten.>p>
Die Angriffe auf die Energieversorgung könnten die ohnehin angespannte Lage der Bevölkerung in der kalten Jahreszeit weiter verschärfen. Nach Angaben von bluewin ist die Munition für die US-amerikanischen Patriot-Systeme, die als wirksamste Abwehr gegen ballistische Raketen gelten, knapp. Ein Grund dafür sei, dass der Krieg der USA und Israels gegen den Iran die weltweiten Bestände weiter verringert habe. Die Ukraine ist seit mehr als viereinhalb Jahren im Abwehrmodus.>p>
Anmerkung der Redaktion: Die Einschätzung, dass die jüngsten Angriffe die Verwaltungsdebatte in Kyjiw zusätzlich befeuern dürften, ist eine Einordnung dieser Redaktion und stützt sich ausschließlich auf die zitierten Quellen.>em>>p>



