So., 18 Okt. 2026 Kyjiw 13:05Berlin 12:05London 11:05 UKR / DE / EN

Selenskyj: 76 russische Angriffe auf Energie seit Trumps Waffenruhe

Seit Donald Trump vor einer Woche eine Energie-Waffenruhe verkündet hat, hat Russland nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj 76 Mal ukrainische Energie- und Öl-/Gasanlagen angegriffen. In der Nacht zum Sonntag gab es Tote und Verletzte.

Selenskyj: 76 russische Angriffe auf Energie seit Trumps Waffenruhe
Grafik: EuroPulse

Seit Donald Trump vor einer Woche eine Energie-Waffenruhe verkündet hat, hat Russland nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj 76 Mal ukrainische Energie- und Öl-/Gasanlagen angegriffen. In der Nacht zum Sonntag gab es Tote und Verletzte.

Russland hat seit der von US-Präsident Donald Trump verkündeten Energie-Waffenruhe nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj 76 Mal gezielt ukrainische Energieanlagen sowie den Öl- und Gassektor angegriffen. Das erklärte Selenskyj am Sonntag, den 18. Oktober, wie Radio Swoboda und die Kyiv Independent berichten. Allein in der Nacht zum Sonntag seien in den Regionen Winnyzja, Schytomyr, Chmelnyzkyj und Odessa Umspannwerke getroffen worden, „Zehntausende Familien bleiben ohne Strom“, so der Präsident.

Nach seinen Angaben wurden in der Nacht auch Wohnhäuser beschossen. Stand des Vormittags: zwölf Verletzte, darunter zwei Kinder, und zwei Tote. Am Morgen sei zudem ein landwirtschaftliches Unternehmen in der Region Wolhynien getroffen worden. Rettungs- und Reparaturdienste arbeiteten vor Ort und rund um die Uhr an der Wiederherstellung der Versorgung, sagte Selenskyj.

Fast 2.700 Drohnen in einer Woche

Für die vergangene Woche nannte der Präsident konkrete Zahlen: Fast 2.700 Angriffsdrohnen, 1.700 Fliegerbomben und 66 Raketen habe die russische Armee auf die Ukraine abgefeuert, der größte Teil davon ballistische Raketen. „Die Hauptziele dieser Angriffe sind genau die Energieanlagen, die Russen versuchen, einen Blackout herbeizuführen“, sagte Selenskyj.

Er richtete sich damit direkt an Washington: „Und Amerika muss sehen, dass Russland keinen Schritt auf uns zugeht als Antwort auf die Aufhebung von Sanktionen oder Abkommen.“ Jedes Signal über eine Verdienstmöglichkeit werde in Moskau als Beleg dafür gelesen, „dass die Wette auf den Krieg funktioniert und man weiter Krieg führen kann“. „Gerade wegen dieser Haltung Russlands dauert der Krieg an, und nicht, weil die Ukraine sich zu Recht verteidigt“, so der Präsident. „Druck muss auf Russland ausgeübt werden, damit der Frieden eine Chance hat.“

Trump verkündete die Waffenruhe, Moskau schwieg

Trump hatte die Energie-Waffenruhe am 11. Oktober in sozialen Netzwerken verkündet, sie sollte sofort in Kraft treten. Der Umfang blieb unklar, Moskau bestätigte die Ankündigung nicht. Der Kreml erklärte am 14. Oktober, die Reichweite der Waffenruhe sei nicht festgelegt worden, während die Angriffe auf das ukrainische Stromnetz weitergingen. Die Ukraine erklärte sich zu einem umfassenden Energie-Waffenstillstand bereit, sofern Russland ebenso handelt.

Zugleich geriet Kyjiw unter Druck: Nach übereinstimmenden Berichten drohte Washington, den Austausch von Geheimdienstinformationen und den Waffenkauf auszusetzen, falls die Ukraine weiter russische Ölraffinerien angreift. Selenskyj bestätigte später, die US-Regierung habe ein mögliches Ende der Aufklärungskooperation angekündigt. Am 15. Oktober sagte er der „Financial Times“, die Ukraine nehme die Angriffe auf russische Raffinerien wieder auf: „Das Verbot ist aufgehoben. Wir haben genug.“ Drei Tage lang habe die Ukraine nicht auf die russische Energieinfrastruktur geschlagen, um Washington entgegenzukommen – Russland habe seine Angriffe derweil fortgesetzt. Laut Selenskyj starben in dieser Woche durch russische Angriffe mehr als 100 Menschen.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verteidigte die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien beim EU-Gipfel in Brüssel: „Der Großteil der russischen Kriegsfinanzierung stammt aus Öleinnahmen.“ Es sei der richtige Weg, Russland die Finanzierung des Krieges abzuschneiden. „Wir müssen Russland unter Druck setzen, damit es den Krieg beendet – und nicht die Ukraine, damit sie kapituliert“, sagte Kallas dem Handelsblatt zufolge. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte Selenskyjs Äußerungen einen direkten und groben Affront gegenüber Trump.

Für die Menschen in der Ukraine bedeutet der Streit vor allem einen weiteren Winter mit unsicherem Strom und unsicherer Wärmeversorgung. Selenskyj hatte zuletzt auch auf die Folgen der ausbleibenden US-Vorwarnungen vor ballistischen Starts und der Drosselung des Satelliteninternets Starlink hingewiesen. Wie es mit der von Trump verkündeten Waffenruhe weitergeht, ist offen – Moskau hat sich bislang nicht zu Verpflichtungen bekannt.

Anmerkung der Redaktion: Die Einschätzung, dass der Druck auf Russland wachsen müsse, stammt von Präsident Selenskyj; die Zahlen zu Drohnen, Bomben und Raketen hat er für die vergangene Woche genannt. Ein Stichtag für die Angaben zu den 76 Angriffen ist der 18. Oktober.

Zuvor berichtet: Selenskyj nennt Trumps Sanktionsstopp einen „Sanktions-Blackout“

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →