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Selenskyj: 78 Tote und 215 Verletzte nach russischen Angriffen

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind bei russischen Angriffen auf mehrere ukrainische Städte in den vergangenen Tagen 78 Menschen getötet und 215 weitere verletzt worden. Selenskyj nannte die Angriffe eine «harte russische Eskalation – Terror gegen Menschen und Leben».

Selenskyj: 78 Tote und 215 Verletzte nach russischen Angriffen
Grafik: EuroPulse

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind bei russischen Angriffen auf mehrere ukrainische Städte in den vergangenen Tagen 78 Menschen getötet und 215 weitere verletzt worden. Selenskyj nannte die Angriffe eine «harte russische Eskalation – Terror gegen Menschen und Leben».

Stand: 8. Oktober, 12:00 Uhr (Kyjiw). Das teilte Selenskyj am Donnerstag, 8. Oktober, auf Telegram mit. Er bezog sich dabei auf die Angriffe auf die Städte Pryłuky und Kramatorsk, auf Kyjiw und weitere Orte. «Das ist eine harte russische Eskalation – Terror gegen Menschen und Leben», schrieb Selenskyj. Zuvor hatte er nach eigenen Angaben mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, telefoniert und ihm für dessen «klare und prinzipielle Haltung» gedankt, mit der er die russischen Angriffe auf die ukrainische Bevölkerung verurteile.

Die neuen Zahlen aktualisieren frühere Angaben: Am 6. Oktober hatte der Gouverneur der Region Tschernihiw, Wjatscheslaw Tschaus, nach dem Raketenangriff auf Pryłuky von 22 Toten und 55 Verletzten gesprochen, darunter fünf Kinder. Die BBC berichtete unter Berufung auf die ukrainischen Behörden, dass unter den Toten drei einjährige Kinder und ein achtjähriger Junge seien. Insgesamt waren bei der Angriffswelle in der Nacht zum 7. Oktober nach damaligem Stand 28 Menschen in Kyjiw, Pryłuky, Krementschuk und Oleksandrija getötet worden. Die nun von Selenskyj genannte Zahl von 78 Toten und 215 Verletzten bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und mehrere Städte.

Was bislang über die Angriffe bekannt ist

In der Nacht zum 7. Oktober hatte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe eine «massive kombinierte Attacke» geflogen – mit ballistischen und Marschflugkörpern sowie Angriffsdrohnen. Die Luftwaffe sprach von «Zirkonen», ballistischen Iskander-Raketen und deren Analoga, 48 Marschflugkörpern und 130 Drohnen. Nach ukrainischen Angaben wurden 5 ballistische Raketen (nur durch Patriot-Systeme), 39 Marschflugkörper und 117 Drohnen abgeschossen. In Pryłuky traf eine Rakete ein fünfstöckiges Wohnhaus und zerstörte es weitgehend. Rettungskräfte bargen die Leichen von fünf Kindern; zwölf Menschen, darunter ein Kind, konnten gerettet werden. 15 Mehrfamilienhäuser und 16 Privathäuser wurden beschädigt. In Krementschuk wurden mehrere Wohnhäuser getroffen, mindestens zwei Menschen starben, mehr als 40 wurden verletzt. In Kyjiw starben zwei Menschen, zudem wurde eine Frau im Stadtteil Obolon getötet; im Stadtteil Darnyzja wurden zwei Männer im Alter von 73 und 66 Jahren tot aufgefunden.

Bereits in den Tagen zuvor hatte Russland die Ukraine mit Drohnen und Raketen überzogen. Am 4. Oktober meldete die ukrainische Luftwaffe 135 Angriffsdrohnen, von denen 123 abgeschossen oder unterdrückt worden seien. In Kyjiw wurde die Nordbrücke erneut getroffen, eine Fernwärmeleitung beschädigt, im Stadtteil Desna fiel vorübergehend die Warmwasserversorgung aus. In Dnipro wurde ein Gebäude eines Telekommunikationsunternehmens getroffen. In der Region Sumy töteten russische Gleitbomben (KAB) einen 52-jährigen Mann, drei weitere Menschen wurden verletzt. Die ukrainische Regierung und internationale Organisationen stufen solche Angriffe auf zivile Infrastruktur als Kriegsverbrechen ein; Moskau bestreitet, gezielt zivile Ziele anzugreifen.

Wie die internationale Gemeinschaft reagiert

Der Europäische Rat hat die Angriffe verurteilt. Selenskyj dankte Costa für dessen «klare und prinzipielle Haltung». Konkrete neue Zusagen – etwa zusätzliche Luftabwehrsysteme – nannte Selenskyj in seinem Telegram-Beitrag nicht. Bereits im September hatte er bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Vollversammlung um zusätzliche Patriot-Raketen gebeten, um das Stromnetz vor einer erwarteten russischen Winteroffensive zu schützen. Vereinbarungen wurden damals nicht getroffen. Der Kreml erklärte seinerzeit, es gebe weiterhin keine Grundlage für Friedensgespräche.

Die Angriffe treffen auch die Menschen in Deutschland indirekt: Die EU und Deutschland unterstützen die Ukraine weiterhin militärisch und finanziell. Für Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland ändert sich durch die jüngsten Angriffe unmittelbar nichts an ihrem Aufenthaltsstatus. Die anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur könnten jedoch neue Fluchtbewegungen auslösen – ein Thema, das auch die deutsche Innenpolitik beschäftigt.

Wie es weitergeht

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten in Pryłuky dauerten am Donnerstagmorgen noch an. Die ukrainische Luftwaffe warnte, die Angriffe könnten weitergehen. Selenskyj forderte erneut mehr Luftabwehr von den Partnern. Ob es dazu neue Zusagen gibt, ist offen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur verstärkt – mit Blick auf den Winter.

Zuvor berichtet: 25 Tote bei russischem Angriff auf Ukraine, Selenskyj warnt vor Normalisierung

Quellen

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