Sa., 06 Juni 2026 Berlin 22:07 DE / UKR / EN

Selenskyj lehnt Merz‘ EU-Sonderstatus ab und fordert Vollmitgliedschaft

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Vorschlag von Kanzler Friedrich Merz (CDU) für einen EU-Sonderstatus der Ukraine zurückgewiesen. In einem Brief an die EU-Spitzen pocht er auf eine vollwertige Mitgliedschaft ohne Abstriche.

Selenskyj lehnt Merz‘ EU-Sonderstatus ab und fordert Vollmitgliedschaft
Bild: sn.at

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich klar gegen den Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gestellt, der für die Ukraine einen Sonderstatus in der Europäischen Union vorgesehen hatte. In einem Schreiben an die EU-Führungsspitze, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, bekräftigt Selenskyj sein Ziel einer vollwertigen Mitgliedschaft. „Es wäre ungerecht für die Ukraine in der Europäischen Union präsent zu sein, aber ohne Stimme zu bleiben“, heißt es in dem Brief.

Selenskyj kritisiert zudem das Tempo des Erweiterungsprozesses: Europa müsse sich schneller bewegen und die Ukraine nicht in einem Warteraum belassen, bis die volle Mitgliedschaft erreicht sei. Der Vorstoß von Merz, der einen Status als „assoziiertes Mitglied“ ins Spiel gebracht hatte, sei für Kiew politisch unzureichend. Aus Sicht Berlins sollte der Vorschlag eine Brücke bauen, da ein rascher Vollbeitritt als unrealistisch gilt.

In Regierungskreisen in Berlin hieß es, Deutschland bleibe der wichtigste Unterstützer der Ukraine und sehe sich als Wegbereiter für eine EU-Mitgliedschaft. Der Vorschlag diene dazu, eine ehrliche Debatte zu eröffnen. „Die Vollmitgliedschaft bleibt das Ziel. In der Substanz geht es jetzt vor allem darum, die Verhandlungskapitel zu eröffnen. Insofern besteht eine hohe Übereinstimmung mit den Vorstellungen des ukrainischen Präsidenten“, so die Kreise.

Selenskyj bekräftigte seine Forderung auch in einer Videobotschaft: „Es kann kein vollständiges europäisches Projekt ohne die Ukraine geben, und der Platz der Ukraine in der Europäischen Union muss ebenfalls vollständig sein – voll und gleichberechtigt.“ Er forderte sinnvolle Fortschritte in den Verhandlungen und betonte, zu hundert Prozent für die Sicherheit und das Volk zu arbeiten. Der ukrainische Präsident führt das Land seit mehr als vier Jahren im Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg und sieht in einer baldigen EU-Mitgliedschaft einen Sieg für Kiew.

EuroPulse berichtete am 16. Mai 2026 über die Kritik des Ex-US-Botschafters Grenell an Merz nach dessen USA-Aussage (https://europulse.today/grenell-kritisiert-merz-usa-aussage/).

Quelle: www.welt.de