Sa., 06 Juni 2026 Berlin 23:00 DE / UKR / EN

Service-Vergleich: Warum Japans Züge besser sind als die Deutsche Bahn

Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) lobt den Service der Bahn im Vergleich zu Japans Shinkansen-Zügen. Ein FAZ-Autor, der über zehn Jahre in Japan lebte, widerspricht entschieden und zeigt, wo die Bahn wirklich hinterherhinkt.

Service-Vergleich: Warum Japans Züge besser sind als die Deutsche Bahn
Bild: media0.faz.net

Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat auf einer Japan-Reise den Service der Bahn gelobt. „Wir sind durchaus besser, was den Service betrifft, da müssen wir uns nicht verstecken“, sagte Schnieder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) während einer Fahrt im Shinkansen. Der Minister bezog sich dabei vor allem auf das Bordbistro in deutschen ICE-Zügen, das in den japanischen Hochgeschwindigkeitszügen fehlt.

Doch ein FAZ-Autor, der mehr als zehn Jahre als Korrespondent in Japan lebte, zeichnet in dem Artikel ein ganz anderes Bild. Quintessenz: Schnieder liegt falsch. Die Deutsche Bahn hinke Japan in puncto Service und Dienstleistung „gleislang hinterher“. Der Autor verweist auf die Kernaufgabe einer Eisenbahn: Passagiere pünktlich ans Ziel zu bringen. In all den Jahren habe er in Japan nie eine Verspätung von mehr als zehn Minuten erlebt – meist kamen die Züge innerhalb von zwei bis drei Minuten pünktlich an.

Bordbistro als kulturelles Missverständnis

Schnieders Lob des deutschen Bordbistros zeuge von einem „großen kulturellen Missverständnis“, schreibt der Autor. In Japan sei es üblich, vor der Fahrt am Bahnhof Getränke und Essen zu kaufen. Dort bieten zahlreiche private Anbieter täglich frische Bentoboxen an – kleine bis große Schachteln mit mehreren Speisen, darunter lokale und saisonale Spezialitäten. Vor allem an großen Bahnhöfen sei die Auswahl überwältigend. Die Japaner haben dafür sogar ein eigenes Wort: Ekiben, die Kombination von Bahnhof und Bento.

Der Autor betont, dass ihm und seinen japanischen Freunden das Fehlen eines Bordbistros nie als Manko aufgefallen sei. Die Köstlichkeiten des Ekiben seien den aufgewärmten und überteuerten Fertigprodukten eines deutschen Bordbistros klar vorzuziehen. Der scheinbare Vorteil des Bordbistros verblasse im Vergleich – entscheidend sei das Gesamtpaket, und da habe die Deutsche Bahn gewaltigen Nachholbedarf.

Toiletten und Pünktlichkeit als Schwachstellen

Der Autor nennt weitere Beispiele: Nie habe er in Japan erlebt, dass Toiletten in den Zügen nicht funktionierten oder verschmutzt waren. In Deutschland sei das immer wieder der Fall. Auch die Pünktlichkeit der Shinkansen-Züge sei unübertroffen – ein Bereich, in dem die Deutsche Bahn seit Jahren kämpft. Schnieder selbst ist sich bewusst, dass die Bahn bei der Pünktlichkeit aufholen muss.

Der Artikel zeigt, dass der Service-Vergleich zwischen Bahn und japanischen Zügen komplexer ist, als es Schnieders Aussage nahelegt. Während das Bordbistro ein deutsches Alleinstellungsmerkmal ist, überzeugen die japanischen Züge durch Pünktlichkeit, Sauberkeit und ein durchdachtes kulinarisches Angebot am Bahnhof. Die Reformdebatte in Deutschland leide unter einem gewissen Maß an Realitätsverweigerung, so der Autor: Man klammere sich an Kleinigkeiten und vernachlässige das große Ganze.

EuroPulse berichtete am 17. Mai 2026 über den wachsenden Druck auf Verkehrsminister Schnieder im Zusammenhang mit dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV: Verkehrsminister Schnieder sieht sich wachsendem Druck ausgesetzt).

Quelle: www.faz.net