Die Metropolitan Police startete die Operation Peyzac im Jahr 2008 auf einer Wohnsiedlung im Norden Londons. Hintergrund war eine Serie von Gewalttaten, darunter fünf Morde. Beamte gaben sich als Musikproduzenten aus und betrieben ein Tonstudio namens Boombox, um Informationen über Bandenkriminalität, Drogen- und Waffendelikte zu sammeln.
Das Studio bot aufstrebenden Musikern Zugang zu Aufnahmegeräten und Mentoring – für viele eine seltene Chance in einem strukturschwachen Viertel. 18 Jahre später sind die Meinungen über die Ethik dieser Taktik jedoch tief gespalten. Menschenrechtsaktivisten und einige Verurteilte werfen der Polizei vor, ethische Grenzen überschritten zu haben. Die Beamten selbst betonen, die Operation habe weiteres Blutvergießen verhindert und schwere Straftaten unterbunden.
Die neue HBO- und Discovery+-Dokumentation „Boom Box: Beats and Betrayal“ erzählt die Geschichte aus der Perspektive der jungen Männer, die das Studio besuchten, sowie aus Sicht der verdeckten Ermittler. Mehrere Verurteilte behaupten, sie hätten sich von den Beamten unter Druck gesetzt gefühlt, Schusswaffen und Drogen zu beschaffen – aus Angst, den Zugang zum Studio und die vermeintliche Förderung zu verlieren.
Die erneute Aufmerksamkeit führt nun zu Forderungen, die Operation Peyzac durch die laufende britische Spycops-Untersuchung prüfen zu lassen. Diese befasst sich mit dem Einsatz verdeckter Ermittler und möglichen Rechtsverstößen.
Quelle: www.theguardian.com



