So., 07 Juni 2026 Berlin 01:07 DE / UKR / EN

AfD fordert vollständige Rückholung des deutschen Goldes

Die AfD-Fraktion im Bundestag will die gesamten deutschen Goldreserven nach Deutschland zurückholen. Der Antrag wurde nach einer halbstündigen Debatte an den Finanzausschuss überwiesen.

AfD fordert vollständige Rückholung des deutschen Goldes
Bild: Deutscher Bundestag

Fast die Hälfte des deutschen Staatsgoldes liegt noch immer im Ausland. Die AfD-Fraktion im Bundestag fordert nun, alle 3.350 Tonnen nach Deutschland zurückzuholen – ein Vorstoß, der grundsätzliche Fragen nach der finanziellen Souveränität des Landes aufwirft.

Deutsches Staatsgold vollständig nach Deutschland holen

Deutsches Staatsgold — Deutscher Bundestag

Erstmals wurde der Antrag am Mittwoch, dem 18. März 2026, im Plenum behandelt. Nach einer 30-minütigen Debatte wurde die Vorlage zur weiteren Beratung an den federführenden Finanzausschuss überwiesen. Damit ist das Thema auf der parlamentarischen Agenda, auch wenn eine Umsetzung der Forderung derzeit politisch unwahrscheinlich erscheint.

Laut dem Antrag der AfD verfügt Deutschland mit 3.350 Tonnen über eine der größten Goldreserven der Welt. Der Buchwert dieses Schatzes hat sich in den letzten Jahrzehnten auf etwa 460 Milliarden Euro verdoppelt. Allein die Wertsteigerung des Goldes übersteigt in der Bilanz der Bundesbank das Eigenkapital der Notenbank um mehr als das 150-fache.

Die Fraktion argumentiert, Gold sei trotz offiziell fehlender Golddeckung ein "wichtiger psychologischer und materieller Stabilitätsgarant" für den Euro. Es stelle die einzige substanzielle Position in der Bundesbankbilanz dar, die keinem Gegenparteienrisiko ausgesetzt sei.

Derzeit lagern nach Angaben der AfD nur etwa 51 Prozent des deutschen Goldes im Inland. Die verbleibenden 49 Prozent – mit einem geschätzten Wert von rund 225 Milliarden Euro – befinden sich vor allem bei der Federal Reserve in New York (37 Prozent) und der Bank of England in London (12 Prozent). Diese Lagerung im Ausland geht auf historische Vereinbarungen und praktische Erwägungen der Nachkriegszeit zurück.

Zwischen 2013 und 2017 hatte die Bundesbank bereits einen Teil der im Ausland gelagerten Bestände zurück nach Deutschland geholt. Die AfD fordert nun, diesen Prozess zu vollenden. Die Bundesregierung solle gemeinsam mit der Bundesbank einen Zeitplan für die Heimholung aller verbliebenen Goldreserven erarbeiten und umsetzen.

Hinter der Forderung steht eine grundsätzlichere politische Agenda. Im Antrag heißt es, man müsse sicherstellen, dass die Goldreserve künftig ausschließlich innerhalb der Bundesrepublik gelagert werde. Dies solle geschehen, "um für Deutschland die Option einer (teilweisen) Golddeckung einer künftig möglicherweise wieder nationalen Währung post Euro zu erhalten". Die Formulierung deutet auf langfristige Überlegungen jenseits der gemeinsamen europäischen Währung hin.

Experten verweisen darauf, dass die Lagerung von Goldreserven bei vertrauenswürdigen ausländischen Notenbanken internationale Standards erfüllt und in Krisenzeiten den schnellen Zugang zu liquiden Mitteln erleichtern kann. Die Bundesbank hat in der Vergangenheit betont, dass die derzeitige Aufteilung der Lagerorte weiterhin den operativen Erfordernissen und Sicherheitsaspekten entspreche.

Die Debatte im Bundestag zeigt, dass das Thema Goldreserven auch mehr als ein Jahrzehnt nach Beginn der ersten Rückholaktion politisch relevant bleibt. Sie berührt Fragen der nationalen finanziellen Resilienz, des Vertrauens in internationale Finanzinstitutionen und der langfristigen strategischen Ausrichtung der deutschen Währungspolitik.

Im Finanzausschuss wird der Antrag nun detaillierter geprüft werden. Eine Mehrheit für die vollständige Rückholung des Goldes ist im derzeitigen Bundestag jedoch nicht in Sicht. Die Diskussion dürfte dennoch die Aufmerksamkeit auf den Umgang mit einem der wertvollsten Vermögenswerte des Landes lenken.