So., 07 Juni 2026 Berlin 00:11 DE / UKR / EN

Kontrovers über CO2-Abscheidung: Experten streiten

Die Debatte um CO2-Abscheidung und -Speicherung spaltet Experten. Während die Industrie eine breite Anwendung fordert, drängen andere auf Einschränkungen.

Kontrovers über CO2-Abscheidung: Experten streiten
Bild: Deutscher Bundestag

Die Diskussion über Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS) wird immer hitziger. Ein kürzlich durchgeführtes Fachgespräch im Umweltausschuss des Bundestages hat die tiefen Risse sichtbar gemacht, die zwischen den verschiedenen Interessengruppen bestehen. Vertreter der Industrie, die von der CDU/CSU-Fraktion eingeladen wurden, plädieren für eine umfassende Nutzung von CCS. Sie argumentieren, dass diese Technologie unerlässlich ist, um die Klimaziele zu erreichen und die Industrie klimaneutral zu machen. Matthias Belitz vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) erklärte: "Wir denken, dass CCS auch als Brücke dienen kann". Er wies darauf hin, dass in der Chemie bestimmte Emissionen unvermeidbar sind, was die Notwendigkeit von CCS unterstreicht.

Wir denken, das CCS auch als Brücke dienen kann

Belitz — Deutscher Bundestag

Auf der anderen Seite stehen Wissenschaftler von SPD, Grünen und Linken, die eine restriktive Haltung einnehmen. Sie fordern, dass CCS nur für unvermeidbare CO2-Restemissionen eingesetzt werden sollte, also für Emissionen, die nicht durch den Einsatz erneuerbarer Energien oder durch effizientere Produktionsmethoden vermieden werden können. Diese Sichtweise wird von Dr. Felix Schenuit von der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) unterstützt, der auf die Dringlichkeit hinweist, verbleibende Emissionen durch CO2-Entnahme auszugleichen, um die globale Temperatur zu stabilisieren.

Die Kontroversen werden zusätzlich angeheizt durch kritische Stimmen wie die von Marcus Resch (AfD), der die Verwendung von CCS als zentrale klimapolitische Lösung in Frage stellt. Er argumentiert, dass die hohen Kosten und die technische Komplexität der CCS-Infrastruktur nicht gerechtfertigt seien und dass ein Großteil der Emissionen nicht behandelt werden könne.

Ein weiterer Aspekt der Debatte betrifft die Kosten und die öffentliche Akzeptanz für CCS-Projekte. Prof. Dr. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin hob die "exorbitant hohen Kosten" für den Bau eines CO2-Pipeline-Netzes hervor und forderte stattdessen, alle vermeidbaren Restemissionen bis 2045 auf null zu reduzieren. Er sieht die Lösung in einem verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien und effizienteren Technologien.

Die Frage bleibt also: Wie kann Deutschland seine Klimaziele erreichen, ohne sich auf umstrittene Technologien wie CCS zu verlassen? Die Meinungen sind gespalten, und die Zeit drängt, um tragfähige Lösungen zu finden, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll sind. Die Debatte wird sicherlich weitergeführt werden müssen, um einen Konsens zu erreichen, der sowohl den Klimaschutz als auch die wirtschaftlichen Interessen in Einklang bringt.