Wie die Zeit unter Berufung auf noch unveröffentlichte Daten der Europäischen Asylagentur (EUAA) berichtet, gingen die Asylanträge in Deutschland von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 94.000 zurück. Das entspricht einem Minus von 52 Prozent – der EU-weite Durchschnitt liegt bei 26,6 Prozent.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wertete die Entwicklung als Beleg für den Kurs der Bundesregierung. „Unser Kurs der klaren Kante zeigt Wirkung: Die Migrationswende findet statt“, sagte Dobrindt der Zeit. Er kündigte an, die Politik der Grenzkontrollen und Zurückweisungen fortzusetzen. „Auch im kommenden Jahr werden wir entschlossen daran arbeiten, die Überforderung unserer Gesellschaft durch illegale Migration zu beenden und die Zahlen weiter zu reduzieren.“
Spanien überholt Deutschland als Hauptzielland
Erstmals seit 2011 ist Deutschland nicht mehr das Hauptzielland für Asylsuchende in Europa. Mit rund 135.000 Schutzsuchenden führt Spanien die Statistik an – etwa 30.000 mehr als in Deutschland bis November erstmals Asyl beantragt hatten. Ein Grund ist der verstärkte Zuzug von Venezolanern, denen Madrid anders als andere EU-Staaten einen besonderen Schutzstatus mit Aussicht auf ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht gewährt.
Gemessen an der Bevölkerungszahl nimmt Griechenland mit 52 Asylanträgen pro tausend Einwohner die meisten Flüchtlinge auf. Deutschland liegt mit knapp elf Anträgen pro tausend Einwohnern auf Rang 14 der 27 EU-Staaten. Nur Bulgarien und Zypern verzeichneten prozentual einen noch stärkeren Rückgang als Deutschland.
Grenzkontrollen und Rückgang aus Syrien
Die Bundesregierung hatte die Migrationspolitik nach ihrem Amtsantritt verschärft, unter anderem mit neuen Grenzkontrollen und der Möglichkeit, Asylbewerber an der Grenze zurückzuweisen. Laut Bundespolizei wurden bis November insgesamt 43.575 Menschen an der Einreise gehindert und zurückgewiesen. Als Nebeneffekt seien 10.750 mit Haftbefehl gesuchte Personen festgenommen worden.
Ein wesentlicher Faktor für den Rückgang der Asylzahlen in Europa ist der Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad vor einem Jahr. In Deutschland gingen die Asylanträge von Syrern um knapp 70 Prozent auf insgesamt 22.200 zurück. Dobrindt kündigte zudem an, abgewiesene Asylbewerber künftig auch in Drittstaaten abschieben zu wollen, sogenannte „Return-Hubs“, wenn das Heimatland die Rücknahme verweigert.
Quelle: www.zeit.de



