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Michel Friedman: Bayreuther Festspiele sagen Gedenkkonzert aus Sicherheitsgründen ab

Michel Friedman sollte zum Auftakt der 150. Bayreuther Festspiele über Antisemitismus und Richard Wagner sprechen. Die Festspielleitung sagte die Veranstaltung jedoch wegen Sicherheitsbedenken ab, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Michel Friedman: Bayreuther Festspiele sagen Gedenkkonzert aus Sicherheitsgründen ab
Bild: sueddeutsche.de

Michel Friedman sollte am 26. Juli auf dem Grünen Hügel in Bayreuth eine Rede halten – zum Auftakt der 150. Bayreuther Festspiele, unter dem Titel „Verstummte Stimmen“. Geplant war ein Gedenkkonzert für jüdische Musiker, die während der NS-Herrschaft verfolgt und ermordet wurden. Doch die Festspielleitung sagte die Veranstaltung ab, offiziell wegen „Sicherheitsbedenken“. Friedman äußerte sich nun im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu den Hintergründen und zeigte sich betroffen.

Friedman: „Der Boden in Bayreuth ist kontaminiert“

Im Gespräch mit der SZ in München wirkte Friedman angefasst. Er erinnerte an die Geschichte des Festspielorts: Seit 1876 erklingt dort die Musik des bekennenden Antisemiten Richard Wagner, später wurde der Hügel zur Bühne der NS-Ideologie. Adolf Hitler war regelmäßiger Gast, Winifred Wagner, die Schwiegertochter des Komponisten und Festspielleiterin während der NS-Jahre, bekannte noch 1975: „Wenn Hitler heute hier zur Tür reinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“

Friedman, der bereits im vergangenen September in Klütz aus Sicherheitsgründen ausgeladen worden war, zeigte sich nicht überrascht. Er hatte damals trotzdem gesprochen – auf einer Ersatzveranstaltung des PEN Berlin. Ob er nun auch nach Bayreuth reisen wird, ließ er offen. Die Absage sei ein Zeichen dafür, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit auf dem Grünen Hügel noch nicht abgeschlossen sei.

Festspiele zwischen Gedenken und Gegenwart

Die Bayreuther Festspiele stehen seit Jahren in der Kritik, sich nicht ausreichend mit der antisemitischen Richard Wagners und der Rolle des Festspielhauses im Nationalsozialismus auseinandergesetzt zu haben. Das geplante Gedenkkonzert sollte ein Schritt in Aufarbeitung sein. Dass es nun ausgerechnet aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde, wirft Fragen nach dem Umgang mit dem Erbe auf.

Friedman betonte, dass die Absage nicht nur ihn persönlich treffe, sondern auch die Erinnerung an die ermordeten Musiker. „Die Veranstaltung hätte ein starkes Signal sein können“, sagte er. Stattdessen bleibe der Eindruck, dass der Boden in Bayreuth weiterhin kontaminiert sei – durch eine Geschichte, die nicht aufgearbeitet werde.

Die Festspielleitung selbst äußerte sich bislang nicht näher zu den Sicherheitsbedenken. Es bleibt unklar, ob die Absage auf konkrete Drohungen zurückgeht oder ob sie präventiv erfolgte. Friedman forderte mehr Transparenz: „Man muss den Menschen erklären, warum eine Gedenkveranstaltung nicht stattfinden kann.“

Die Absage des Gedenkkonzerts zeigt, wie tief die Wunden noch sitzen.

Quelle: www.sueddeutsche.de