Christoph M. Schmidt, designierter Präsident der Leibniz-Gemeinschaft und bislang Chef des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, sieht die deutsche Wirtschaft in einer kritischen Lage. Im Interview mit dem Handelsblatt verglich er die Situation mit den frühen 2000er-Jahren, als hohe Arbeitslosigkeit und schwaches Wachstum die Agenda 2010 auslösten. „Ich glaube, heute ist die Situation kritischer“, sagte Schmidt. Gründe seien die gealterte Bevölkerung und die herausfordernde geopolitische Lage.
Der Ökonom fordert ein großes Reformpaket. Wenn die Bundesregierung die Maßnahmen gut erkläre, müsse sie „die Leute auch nicht in Watte packen“. Sorgen vor der AfD hält Schmidt für unberechtigt, wenn die Regierung diesen Rat befolge. Vielmehr sei es ein Problem, dass „jede Reformdebatte mit Verweis auf die Brandmauer abgewürgt“ werde.
Schmidt sprach sich zudem für eine große Rentenreform und Steuerentlastungen aus, bei denen er sich „Zumutungen als Lösungsweg“ vorstellen könne. Er verlässt in wenigen Wochen das RWI Essen und wird Präsident des Forschungsverbunds Leibniz-Gemeinschaft in Berlin.
Quelle: www.handelsblatt.com



