Wer aus der Ukraine nach München geflohen ist und seit Monaten schlecht schläft, bei Sirenen-Geräuschen zusammenzuckt oder dessen Kind seit der Flucht verstummt ist, hat einen kostenlosen Anlaufpunkt: das Behandlungszentrum Refugio München. Die Anmeldung für einen Erstgespräch-Platz läuft nur zweimal im Jahr – und das aktuelle Fenster endet am 31. Oktober 2026.
Refugio bietet nach eigenen Angaben Psychotherapie und Sozialberatung für Geflüchtete mit Traumafolgestörungen an, mit Dolmetschern für Russisch und Ukrainisch. „Unser Angebot ist kostenfrei“, heißt es auf der Website; alle Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht. Finanziert wird die Arbeit unter anderem von der Stadt München.
Wer kann sich wann anmelden?
Laut der Anmeldeseite von Refugio (zuletzt am 2. Oktober 2026 geändert) werden Anmeldungen für Erwachsene ab 18 Jahren und für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre im Oktober 2026 angenommen, jeweils vom 1. bis 31. Oktober. Auf der Übersichtsseite zu den Angeboten für Ukrainer steht dagegen noch ein älterer Hinweis auf November 2025 für Kinder – maßgeblich ist die Anmeldeseite. Wer sicher gehen will, ruft vorher an.
Anmelden kann man sich schriftlich: Das Formular (es gibt Versionen in einfacher Sprache für Kinder bis 12 und für 13- bis 17-Jährige) geht per E-Mail an info@refugio-muenchen.de oder per Fax an 089 / 98 29 57-57. Pro Person ein Formular. Erwachsene können sich außerdem telefonisch oder persönlich anmelden, und zwar nur an zwei Terminen: Montag, 26. Oktober, 10–12 Uhr, und Donnerstag, 29. Oktober, 14–16 Uhr. Die Telefonnummer: 089 / 98 29 57-0; Adresse: Rosenheimer Straße 38, 81669 München.
Wichtig für die Formulare: Refugio bittet, im Feld „Grund der Anmeldung“ zu beschreiben, wie sich die Beschwerden zeigen und was die Person selbst sagt – nicht nur ein Stichwort. Vorhandene ärztliche Atteste sollten beigelegt werden. Die Betroffenen sollten vorher gefragt werden, ob sie das wirklich möchten.
Was passiert danach – und was nicht geht?
Innerhalb eines Monats nach der Anmeldung meldet sich Refugio per Brief oder Telefon. Die Antwort lautet entweder: Sie stehen auf der Warteliste für ein Erstgespräch – die Wartezeit beträgt höchstens sechs Monate – oder: Wir können Sie nicht aufnehmen. Eine Einschränkung nennt Refugio ausdrücklich: Menschen mit starker Suchterkrankung oder schweren psychiatrischen Symptomen können dort nicht ambulant behandelt werden. Wer eine deutsche Krankenversichertenkarte hat und Deutsch oder Englisch spricht, wird an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung verwiesen.
Ergänzend gibt es bei Refugio das Elterntraining „Eltern aktiv“ in der Muttersprache sowie eine kostenlose Kunstwerkstatt für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine (mittwochs, 16–19 Uhr im Kunstlabor2, mit Teestube für Eltern; Kontakt: marvin.scheler@refugio-muenchen.de).
Wer nicht auf einen Therapieplatz warten kann oder zunächst nur über Erziehungsfragen sprechen will: Die Stadt München betreibt ein Netz von 22 Erziehungsberatungsstellen, das nach Angaben der Stadt kostenlos ist. Welche Sprachen dort möglich sind, nennt die Stadt auf ihrer Seite nicht – beim Termin nachfragen. In einer akuten Krise ist der Krisendienst unter 0800 655 3000 rund um die Uhr erreichbar (Angabe von Refugio); in Lebensgefahr gilt die 112.
Einschätzung der Redaktion: Bei nur zwei Anmeldefenstern pro Jahr und bis zu sechs Monaten Wartezeit lohnt es sich, die Anmeldung jetzt abzuschicken, statt auf einen „besseren Moment“ zu warten. Ob ein Platz frei wird, lässt sich von außen nicht sagen.
Quellen: Refugio München – Anmeldung, Refugio München – Angebote für Ukrainer, Willkommen in München, Stadt München – Erziehungsberatung



