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Selenskyj: Ukraine stoppt Angriffe auf russische Raffinerien – wenn Russland die Energieinfrastruktur schont

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, Kyjiw sei bereit, seine Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, sofern Moskau aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Deeskalationsschritte müssten gegenseitig sein und echte Garantien enthalten, betont er.

Selenskyj: Ukraine stoppt Angriffe auf russische Raffinerien – wenn Russland die Energieinfrastruktur schont
Symbolbild: Mark Stebnicki / Pexels

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, Kyjiw sei bereit, seine Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, sofern Moskau aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Deeskalationsschritte müssten gegenseitig sein und echte Garantien enthalten, betont er.

Die Ukraine ist bereit, ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, wenn Russland aufhört, die ukrainische Energieinfrastruktur zu beschießen. Das erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag in einem Beitrag im Messengerdienst Telegram, wie die Nachrichtenagentur Ukrinform und das Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda berichten. „Jede Deeskalation muss gegenseitig sein und echte Garantien enthalten“, schrieb Selenskyj. „Der wahre Grund für den Krieg in Europa ist Russland, und nur Russland. Schon heute ist es realistisch, die Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu stoppen, aber Putin will das nicht tun.“

Selenskyj reagierte damit auf die anhaltenden russischen Angriffe der vergangenen Woche. Nach seinen Angaben setzte Russland in diesem Zeitraum rund 1.450 Gleitbomben, 75 Raketen verschiedener Typen und mehr als 1.640 Kampfdrohnen ein, von denen etwa 60 Prozent Düsenantrieb hätten. „Allein heute Morgen wurden die Such- und Rettungsarbeiten in Saporischschja abgeschlossen, wo Russland 23 Menschen getötet hat, darunter vier Kinder“, schrieb Selenskyj. „Gestern hat Russland in Charkiw eine medizinische Einrichtung getroffen, in der Nacht gab es russische Angriffe auf zivile Infrastruktur, Wohnhäuser und die Energieversorgung. Am Morgen hat Russland ein fünfstöckiges Haus in Slowjansk getroffen – ein kompletter Hauseingang ist zerstört, unter den Trümmern könnten Menschen sein.“

Was hinter der Erklärung steckt

Die Äußerung fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Kyjiw und Washington. US-Präsident Donald Trump hatte am 9. Oktober nach einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Vereinbarung über die Lieferung von russischem Diesel an die USA und den Weltmarkt angekündigt. Selenskyj kritisierte diesen Schritt scharf und nannte die Aufhebung von Sanktionen einen „völlig schrecklichen Schritt“ – ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“, das dem Aggressor zusätzliche Milliarden für die Fortsetzung des Krieges verschaffe. Der ukrainische Präsident warf Washington zudem vor, das Treffen mit der ukrainischen Verhandlungsdelegation in Miami als „Tarnung“ für die Absprachen mit Moskau genutzt zu haben.

Der Kreml hatte zuvor jede Aussicht auf ein Treffen Selenskyjs mit Putin beim G20-Gipfel in Miami als „unmöglich“ bezeichnet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Putin werde Selenskyj nur in Moskau empfangen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Russland werde seine „militärische Spezialoperation“ auch bei möglichen Friedensgesprächen nicht beenden. Der Assistent des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, erklärte, Putin habe in dem Telefonat mit Trump die Möglichkeit von Friedensverhandlungen zurückgewiesen und betont, Russland werde die Kampfhandlungen fortsetzen, bis es „alle seine Ziele“ erreicht habe.

Nach den Enthüllungen über die US-russische Diesel-Vereinbarung berichteten Medien, dass die Gespräche zwischen Vertretern der USA, der Ukraine, europäischer Länder und der NATO in Miami über Wege zur Deeskalation und zur Beendigung des Krieges vorzeitig beendet wurden. Der Berater des ukrainischen Präsidenten für Kommunikation, Dmytro Lytwyn, teilte am 10. Oktober mit, die ukrainische Delegation, die an den Gesprächen in den USA teilgenommen hatte, sei bereits auf dem Heimweg.

Kyjiw setzt auf eigene Waffen und Luftverteidigung

Selenskyj kündigte an, die Koordinierung mit den Partnern fortzusetzen. „Heute werden wir die Abstimmung mit den Partnern fortsetzen – es wird Gespräche mit europäischen Führern geben. Praktisch täglich koordinieren wir auf verschiedenen Ebenen und arbeiten an zusätzlichen Verteidigungspaketen, vor allem Luftverteidigung und Munition für die Kampfavia“, schrieb er. „Alles zum Schutz des Lebens unserer Menschen und der Interessen der Ukraine.“

Bereits Anfang Oktober hatte Selenskyj in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters angekündigt, die Angriffe auf russische Ölraffinerien zu verstärken. „Auf ihre Angriffe auf unsere Energie“ müsse mit Attacken „auf ihre Energie“ geantwortet werden, „vor allem auf Ölraffinerien“, sagte er damals. „Das ist es, was ihnen Geld für diesen Krieg bringt.“ Der ukrainische Präsident erklärte, die Geheimdienste verfügten über Dokumente zu einer „neuen Doktrin“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Angriffe auf Infrastruktur wie Straßen, Schulen und Krankenhäuser erlaube, um die Menschen unter Druck zu setzen, die Hauptstadt und andere Städte zu verlassen. Die Ukraine werde im Gegensatz zu Russland keine zivilen Ziele angreifen, betonte er. Russland bestreitet ebenfalls, zivile Ziele ins Visier zu nehmen.

Die jüngsten Angriffe zeigen, wie sehr beide Seiten die Energieinfrastruktur der jeweils anderen Seite ins Visier nehmen. Mitte September setzte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe in einer Nacht 453 Drohnen verschiedener Typen ein, von denen 409 abgeschossen wurden; 13 Ziele wurden dennoch getroffen. In der Stadt Stryj in der Region Lwiw wurden ein mehrstöckiges Wohnhaus, ein Nebengebäude nahe einer Schule und Gebäude rund um den Bahnhof beschädigt. In Isjum kam nach Angaben des Leiters der regionalen Militärverwaltung von Charkiw, Oleh Syniehub, eine 26-jährige Frau durch die Explosion eines Sprengsatzes ums Leben; in der Stadt Charkiw und 15 Ortschaften der Region wurden drei Menschen verletzt, darunter eine 73-jährige Frau. In der Region Wolyn wurden nach Angaben des Gouverneurs Roman Romaniuk mindestens fünf Menschen verletzt. In Luzk traf Trümmer einen evakuierten Zug und löste ein Feuer aus.

Gleichzeitig griff die Ukraine russische Ölanlagen an. Bei einem Drohnenangriff auf eine Industrieanlage in Nischnekamsk in der Republik Tatarstan kamen nach russischen Angaben zwei Menschen ums Leben, zwölf weitere wurden verletzt. Der ukrainische Militärgeheimdienst teilte mit, er habe die Slawjansk-ECO-Ölraffinerie im südrussischen Slawjansk am Kuban in der Region Krasnodar getroffen und dabei eine zentrale Ölverarbeitungseinheit sowie das Tanklager beschädigt.

Für die Menschen in der Ukraine bedeutet die anhaltende Angriffswelle weitere Nächte in Schutzräumen, Stromausfälle und Wasserknappheit. In der Region Kyjiw führten Beschädigungen an einem Energieobjekt zu einer Verschlechterung der Versorgung der Hauptstadt und zu Unterbrechungen der Wasserversorgung; der Betrieb der U-Bahn von Kyjiw wurde zeitweise eingestellt, weil die externen Stromzufuhrzentren ausfielen. In Deutschland und der EU dürften die jüngsten Entwicklungen die Debatte über die Unterstützung der Ukraine und die Sanktionspolitik gegenüber Russland weiter anheizen – zumal die USA unter Trump nun offenbar auf russisches Diesel setzen.

Anmerkung der Redaktion: Die Einschätzung, dass die jüngsten Entwicklungen die Debatte in Deutschland und der EU anheizen dürften, ist eine redaktionelle Bewertung. Sie stützt sich auf die in den Quellen genannten Reaktionen und Vereinbarungen.

Quellen

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