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Russland baut Drohnen-Startbasis nahe Ukraine in sechs Wochen

Satellitenbilder zeigen eine neue Anlage für düsengetriebene Angriffsdrohnen im Gebiet Rostow, nur 3,5 Kilometer vom Militärflugplatz Millerowo entfernt. Von dort könnten täglich mehr als 100 Drohnen starten.

Russland baut Drohnen-Startbasis nahe Ukraine in sechs Wochen
Grafik: EuroPulse

Satellitenbilder zeigen eine neue Anlage für düsengetriebene Angriffsdrohnen im Gebiet Rostow, nur 3,5 Kilometer vom Militärflugplatz Millerowo entfernt. Von dort könnten täglich mehr als 100 Drohnen starten.

Im russischen Gebiet Rostow ist in nur sechs Wochen eine große Startbasis für düsengetriebene Angriffsdrohnen entstanden, rund 3,5 Kilometer vom Militärflugplatz Millerowo entfernt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Verteidigungsexperten und die Auswertung kommerzieller Satellitenbilder; die Kyiv Post und der öffentlich-rechtliche Sender Hromadske geben die Analyse am Donnerstag, 15. Oktober, wieder.

Demnach war das Gelände am 31. August noch ein leeres Feld. Bis zum 14. Oktober wuchs dort ein Komplex von etwa 0,9 Quadratkilometern heran – eine Fläche, die laut Reuters ungefähr 126 Fußballfeldern entspricht. Die Satellitenaufnahmen stammen von Planet Labs und Airbus. An der Westkante der Anlage identifizierte Mike Monnik, Gründer und Geschäftsführer des privaten Analyseunternehmens DroneSec, acht Startplattformen. Auf zwei davon seien bereits Schienen montiert, an zwei weiteren werde gearbeitet.

Die Anlage sei für die neuen düsengetriebenen Drohnen vom Typ Geran-4 und Geran-5 ausgelegt, sagte Monnik. Diese erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 600 Kilometern pro Stunde. Nach seiner Einschätzung könnte die Basis innerhalb von Wochen voll einsatzbereit sein, „wenn nicht früher“. „Die Geschwindigkeit des Baus … zeigt, wie leicht Russland inzwischen etablierte Angriffsfähigkeiten schnell zum Einsatz bringen kann“, sagte Monnik.

Das Gelände könnte nach seinen Angaben je nach Nachschub und Operationsziel mehr als 100 düsengetriebene Drohnen binnen 24 Stunden starten. Russland setze solche Drohnen üblicherweise in kleineren Wellen über den Tag verteilt ein. Die Basis liegt nahe dem Militärflugplatz Millerowo, wo das 31. Garde-Jagdfliegerregiment stationiert ist. DroneSec geht davon aus, dass die Startanlage in den Luftverteidigungsbereich des Flugplatzes fällt und deshalb schwerer anzugreifen ist.

Rob Jordan vom Londoner Royal United Services Institute (RUSI) sagte, die Betonplattformen und zwei mögliche Startschienen passten zu den Startvorrichtungen für russische Geran-Drohnen. „Dieses Bautempo in so kurzer Zeit ist beeindruckend“, sagte Jordan. Es zeige, welches Vertrauen Russland in seine Fähigkeit zum Tiefschlag setze – „möglicherweise zu Lasten seiner konventionellen Landstreitkräfte“.

Wie stark hat Russland den Einsatz beschleunigt?

Der Bau fällt in eine Phase, in der Russland düsengetriebene Drohnen verstärkt gegen die Ukraine einsetzt. Nach ukrainischen Militärdaten, über die Reuters im September berichtete, erhöhte Russland den Einsatz dieser Drohnen im Sommer binnen drei Monaten etwa um das Sechsfache. Zu den am stärksten getroffenen Gebieten zählten Kyjiw und die umliegende Region.

Der Unterschied zu den langsameren, kolbenmotorgetriebenen Modellen ist militärisch bedeutsam: Die vergleichsweise günstigen Abfangdrohnen, auf die sich die Ukraine zunehmend stützt, können die schnelleren Modelle kaum stoppen. Ukrainische Einheiten arbeiten nach Angaben aus Kyjiw an Lösungen, um auch die schnelleren Waffen abzufangen. Mit dem fünften Jahr des russischen Angriffskriegs rechnet die Ukraine damit, dass Moskau seine Drohnen- und Raketenangriffe im kommenden Winter verstärkt – zusätzlicher Druck auf die ohnehin beanspruchte Luftverteidigung.

Die neue Anlage ergänzt ein bestehendes Netz von mindestens elf festen Startplätzen, die Russland für Angriffe auf die Ukraine nutzt. Das russische Verteidigungsministerium antwortete zunächst nicht auf eine Reuters-Anfrage zu der Anlage und dem Drohnenprogramm.

Warum das auch die NATO betrifft

Monnik sieht in der raschen Ausweitung der Startinfrastruktur nicht nur eine Herausforderung für die Ukraine. Die wachsende industrielle Produktion hochentwickelter düsengetriebener Drohnen treffe auf Lücken in der Abwehr solcher Systeme in mehreren NATO-Staaten. „Diese Fähigkeit, schnell groß angelegte Angriffe mit unbemannten Systemen zu starten, stellt eine strategische Verwundbarkeit für NATO-Länder dar“, sagte er.

Der Ausbau fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Russland und dem Bündnis. Europäische Regierungen werfen Moskau verstärkte Sabotage, Drohneneinflüge und Cyberangriffe vor. Russland wiederum warnte im vergangenen Monat, es könne Atomwaffen einsetzen, falls die NATO versuche, die Exklave Kaliningrad abzuschneiden.

Anmerkung der Redaktion: Die Einschätzung, dass die Anlage die Luftverteidigung der Ukraine und die Sicherheitslage in NATO-Staaten gleichermaßen unter Druck setzt, stammt von den zitierten Experten und der Nachrichtenagentur Reuters – sie ist keine eigene Bewertung dieser Redaktion.

Quellen

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