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Starlink für Kyjiw gedrosselt: Wer gab den Befehl?

Seit der Nacht zum 14. Oktober ist Starshield für ukrainische Drohnen auf 160 km/h begrenzt. Musk verweist auf Washington, Washington auf einen Defekt, Reuters aufs Weiße Haus.

Starlink für Kyjiw gedrosselt: Wer gab den Befehl?
Symbolbild: Der_ Hördt / Pexels

Seit der Nacht zum 14. Oktober ist Starshield für ukrainische Drohnen auf 160 km/h begrenzt. Musk verweist auf Washington, Washington auf einen Defekt, Reuters aufs Weiße Haus.

Die ukrainische Armee kann ihre Starlink-Terminals seit der Nacht zum 14. Oktober nur noch eingeschränkt nutzen, sobald sie sich schnell bewegen. Nach Angaben des Präsidentenberaters Serhij „Flash“ Beskrestnow hat SpaceX die Geschwindigkeit im Militärpaket Starshield auf 160 km/h (100 mph) begrenzt – ohne Vorwarnung. Wer die Drosselung angeordnet hat, ist auch am 16. Oktober offen.

Betroffen sind laut Kyiv Independent vor allem Angriffsdrohnen mittlerer Reichweite und Abfangdrohnen, die gegen strahlgetriebene Shahed-Varianten fliegen. Eine Drohneneinheit im Abschnitt Huljajpole des 7. Luftsturmkorps sagte Einsätze ab. Das Verteidigungsministerium erklärte, SpaceX halte die Grenze von rund 160 km/h weiter aufrecht, die Verbindung sei darunter aber wieder stabiler. Die Angaben zur Schwelle gehen auseinander: Axios berichtet von Abbrüchen ab 160 km/h und in einigen Fällen schon ab 80 km/h, Newsweek zitiert Ausfälle von 10 bis 20 Sekunden bei 110 bis 120 km/h. Am 15. Oktober sagte eine Quelle im Ministerium dem Kyiv Independent, die Verbindung sei wiederhergestellt – die Obergrenze blieb.

Musk zeigt nach Washington, Washington auf einen Defekt

Drei Darstellungen stehen nebeneinander. Elon Musk schrieb auf X, Starshield-Systeme gehörten der US-Regierung und würden von ihr kontrolliert; Beschränkungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung entscheide das US-Militär „und letztlich der Präsident“. Starlink selbst sei ein kommerzieller Dienst, der nur für zivile oder defensive Zwecke genutzt werden dürfe.

US-Beamte nannten laut Axios dagegen eine technische Störung, ein hochrangiger Vertreter sagte, die Regierung habe mit den Einschränkungen nichts zu tun. Reuters wiederum berichtet unter Berufung auf US- und westliche Beamte, die Anweisung sei aus dem Weißen Haus gekommen: Das Pentagon habe erfahren, Starshield müsse gedrosselt werden. Wer genau das veranlasste, blieb ungenannt; ein hochrangiger US-Beamter bestritt, dass Präsident Trump dahintersteht. Beskrestnow sagte, die Maßnahme „kann kein Zufall sein“ und hänge mit der politischen Lage zusammen – Belege legte er nicht vor. Polens Außenminister Radosław Sikorski fragte Musk auf X, ob er mit seinen Produkten wieder Politik mache.

Der zeitliche Zusammenhang ist auffällig, beweist aber nichts. Am 11. Oktober hatte Trump einseitig eine Energie-Waffenruhe verkündet, Russland griff die ukrainische Energieversorgung trotzdem weiter an. Dazu kam ein Dieselabkommen mit Moskau, das Selenskyj kritisierte. Kurz vor der Drosselung erhielt die Ukraine nach eigenen Angaben keine Vorwarnung mehr vor einem russischen Raketenangriff – in der Nacht feuerte Russland laut ukrainischer Luftwaffe 39 ballistische Raketen und 128 Drohnen ab; mindestens 600.000 Menschen waren ohne Strom (Newsweek). Washington soll Kyjiw zudem gedrängt haben, russische Raffinerien nicht mehr anzugreifen.

Was bleibt, auch wenn die Grenze fällt

Unsere Einschätzung, mit Vorbehalt: Am wahrscheinlichsten ist, dass die Grenze nach Gesprächen gelockert wird – das Verteidigungsministerium verhandelt nach eigenen Angaben mit Partnern und SpaceX über „stabile Bedingungen“. Das Vertrauensproblem bleibt dennoch. Eine zentrale militärische Fähigkeit hängt an einer Infrastruktur, die sich über Nacht beschneiden lässt, und die Ukraine kann weder Urheber noch Dauer beeinflussen.

Drei Wege sind denkbar. Erstens: Die Grenze fällt, der Streit um Zuständigkeit bleibt. Zweitens: Sie bleibt als Druckmittel bestehen; Kyjiw müsste Drohnen und Taktik anpassen. Drittens: Europa beschleunigt Alternativen wie Eutelsat OneWeb oder das geplante EU-System IRIS² – ob sie die Leistung bei schnellen Drohnen erreichen, ist offen. Musk hatte im März 2025 Starlink laut Newsweek das „Rückgrat der ukrainischen Armee“ genannt und versprochen, es nie als Verhandlungsmasse zu nutzen. Daran wird ihn die Debatte messen.

Quellen: Kyiv Independent, Kyiv Independent / Reuters, Axios, Newsweek

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