Mi., 21 Okt. 2026 Kyjiw 16:57Berlin 15:57London 14:57 UKR / DE / EN

Ifo-Studie: Elterngeldreform verfehlt Sparziel von 1,6 Milliarden Euro

Die geplante Elterngeldreform ab November 2027 könnte den Bundeshaushalt deutlich weniger entlasten als erhofft. Eine Ifo-Studie kommt auf höchstens 880 Millionen Euro Einsparung statt der angepeilten 1,6 Milliarden.

Ifo-Studie: Elterngeldreform verfehlt Sparziel von 1,6 Milliarden Euro
Symbolbild: Atlantic Ambience / Pexels

Die geplante Elterngeldreform ab November 2027 könnte den Bundeshaushalt deutlich weniger entlasten als erhofft. Eine Ifo-Studie kommt auf höchstens 880 Millionen Euro Einsparung statt der angepeilten 1,6 Milliarden.

Die geplante Elterngeldreform der Bundesregierung könnte den Bundeshaushalt deutlich weniger entlasten als erhofft: Statt der vom Bundesfamilienministerium angepeilten rund 1,6 Milliarden Euro kommen Berechnungen der Ifo-Niederlassung Dresden zufolge im Zeitraum von November 2027 bis Ende 2030 höchstens 880 Millionen Euro zusammen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Verweis auf eine dpa-Meldung; auch presse-augsburg.de hat die Studie am Mittwoch, 21. Oktober, aufgegriffen.

Der Grund für die Lücke liegt laut Ifo in der Wechselwirkung zweier Ziele der Reform. „Das Sparziel und das Ziel einer stärkeren Väterbeteiligung bei der geplanten Elterngeldreform stehen sich im Weg. Je mehr Väter die Reform zum Elterngeld bewegt, desto weniger spart der Staat“, sagte Ifo-Forscherin Kyra Puteanus. Väter erhalten im Schnitt 1.345 Euro Elterngeld im Monat, Mütter nur 845 Euro. Fast 39 Prozent der Väter bekommen den Höchstbetrag, bei den Müttern sind es knapp 17 Prozent.

Entscheidend ist deshalb, wie viele Väter künftig Elterngeld beziehen. Bei Kindern des Jahrgangs 2023 war es laut Daten des Statistischen Bundesamts knapp jeder zweite Vater. Bleibt dieser Anteil konstant, ergibt sich die Einsparung von 880 Millionen Euro. Steigt der Anteil jedes Jahr um einen Prozentpunkt, sinkt die Ersparnis auf rund 597 Millionen Euro, bei zwei Prozentpunkten auf 311 Millionen Euro. Ab einem jährlichen Plus von rund 3,1 Prozentpunkten spart der Staat gar nichts mehr.

Zuletzt wuchs der Anteil der Väter nur um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr. „Seit 2010 hat sich der Anteil der Väter, die Elterngeld beziehen, jedoch fast verdoppelt. Ein schneller Anstieg ist also nicht ausgeschlossen, gerade wenn sonst Monate verfallen“, sagte Ifo-Forscherin Franziska Nuernbergk. Die Süddeutsche Zeitung gibt ihre Ergänzung so wieder, dass ein schneller Anstieg nicht ausgeschlossen sei, wenn sonst Monate verfallen.

Der Reformentwurf des Bundesfamilienministeriums sieht vor, die Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate zu verkürzen. Je drei Monate sind dann für jeden Elternteil reserviert, sechs weitere können die Partner untereinander aufteilen. Nimmt nur ein Elternteil Elternzeit, gibt es maximal neun Monate Elterngeld. Zugleich soll der Mindestbetrag von 300 auf 330 Euro und der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro steigen. Die Reform soll am 1. November 2027 in Kraft treten.

Bei den Müttern spart der Staat durch die kürzere Dauer, bei den Vätern entstehen dagegen Mehrkosten. Die Studie vergleicht die Kosten des Elterngelds mit und ohne Reform für November 2027 bis Ende 2030, getrennt nach Müttern und Vätern. Grundlage sind Daten des Statistischen Bundesamts zu Kindern, die 2023 geboren wurden, sowie dessen Prognose der Geburtenzahlen; die Elterngeldbeträge wurden mit den Wachstumsraten von 2021 bis 2025 fortgeschrieben.

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →