Kurz vor dem Start des Filmfestivals von Cannes veröffentlichten 600 französische Filmschaffende einen offenen Brief, in dem sie vor dem wachsenden Einfluss des rechtsnationalen Milliardärs Vincent Bolloré auf das französische Kino warnten. Der Zusammenschluss „Zapper Bolloré“ – sinngemäß „Bolloré wegzappen“ – kritisiert, dass Bolloré über seine Canal+-Gruppe zunehmend die gesamte Kette der Filmproduktion kontrollieren könnte: von der Finanzierung über die Produktion bis zur Ausstrahlung im Fernsehen und auf der Leinwand.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Canal+, dessen Hauptaktionär Bolloré ist, kündigte an, künftig nicht mehr mit den Unterzeichnern des Briefes zusammenarbeiten zu wollen. Eine Produzentin, die anonym bleiben möchte, sagte der ARD in Cannes: „Anfangs dachte ich, nach dem Festival redet niemand mehr darüber. Aber Produzenten-Gewerkschaften und Schauspiel-Agenten haben bei Canal+ nachgefragt. Und die haben geantwortet: „Das ist kein Witz.“ Und das finde ich heftig.“
Hintergrund der Warnung: Canal+ hatte im vergangenen Herbst rund ein Drittel der Anteile an der Kinokette UGC erworben und plant, sie bis 2028 vollständig zu übernehmen. Damit könnte Bolloré, der bereits die Berichterstattung im französischen Wahlkampf prägt, die gesamte Wertschöpfungskette des Films beherrschen. Kritiker sehen in ihm und anderen Milliardären wie Pierre-Édouard Stérin einen „Schalthebel für die extreme Rechte“ in Frankreich.
Die Stimmung unter den Festivalbesuchern in Cannes ist nach Angaben der ARD bedrückt, verunsichert und schockiert. Viele französische Filmschaffende fürchten um ihre künstlerische Unabhängigkeit, wenn ein einzelner Milliardär die Kontrolle über Produktion, Verleih und Ausstrahlung übernimmt.
Quelle: Tagesschau



