Das 79. Filmfestival von Cannes startet am 12. Mai ohne einen einzigen Film aus den großen US-Studios. Wie die Deutsche Welle berichtet, setzt die diesjährige Auswahl auf Arthouse-Regisseure wie Pedro Almodóvar, Asghar Farhadi, Pawel Pawlikowski und Cristian Mungiu. Ein roter Teppich für ein Blockbuster-Spektakel wie im Vorjahr mit „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ oder frühere Höhepunkte wie „Top Gun: Maverick“ und „Mad Max: Fury Road“ bleibt aus.
Dennoch sind US-Produktionen vertreten: Im Wettbewerb laufen Ira Sachs‘ Musical-Fantasie „The Man I Love“ mit Rami Malek und James Grays „Paper Tiger“ mit Scarlett Johansson und Adam Driver. Außer Konkurrenz zeigt John Travolta sein Regiedebüt „Propeller One-Way Night Coach“, einen Leidenschaftsfilm über die Luftfahrt, und Andy Garcia führt Regie und spielt die Hauptrolle im Krimidrama „Diamond“. Was fehlt, sind die teuren Studio-Blockbuster, die als Publikumsmagneten das ernste Autorenkino ausgleichen.
Der Trend betrifft nicht nur Cannes. Wie die Deutsche Welle unter Berufung auf die Berlinale-Direktorin Tricia Tuttle berichtet, waren auch die Internationalen Filmfestspiele Berlin im Februar auffallend frei von Studio-Filmen. Tuttle zufolge zögern Hollywood-Majors zunehmend, große Filme auf Festivals zu uraufführen, aus Sorge vor negativen Kritiken oder einem schwierigen Pressezyklus, die die Kinoeinnahmen Monate vor dem Start gefährden könnten.
Als warnendes Beispiel nennt Tuttle die Filmfestspiele von Venedig 2024, wo Warner Bros. „Joker: Folie à Deux“ startete. Die Fortsetzung des Milliardenerfolgs „Joker“ wurde von Kritikern verrissen und spielte weltweit nur rund 200 Millionen US-Dollar ein – weit unter den Erwartungen und dem Budget. Auch die verhaltenen Rezensionen für „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ aus Cannes könnten laut Branchenbeobachtern den Erfolg des Films geschmälert haben, der inflationsbereinigt der schwächste Teil der Abenteuer-Reihe wurde.



