Der britische David Lammy und die oberste Richterin von England und Wales, Lady Chief Justice Sue Carr, haben am Donnerstag in London die erste Sitzung des neu geschaffenen Judicial and Legal Diversity Board geleitet. Wie der Guardian exklusiv berichtet, soll das siebenköpfige Gremium Hürden für Bewerber aus unterrepräsentierten Gruppen abbauen und den Zugang zur Richterschaft für Anwälte mit Migrationshintergrund oder aus Arbeiterfamilien beschleunigen.
Lammy, der erste schwarze Lordkanzler in der britischen Geschichte, erklärte vor dem Treffen: „Dieses neue Gremium ist ein großer Schritt nach vorn, während die oberste Richterin und ich daran arbeiten, Barrieren abzubauen und Talente aus allen Lebensbereichen zu fördern – um weiterhin echte Fortschritte hin zu einer Justiz zu erzielen, die das moderne Großbritannien widerspiegelt.“ Lady Carr, die erste Frau an der Spitze der Justiz, bezeichnete das Board als „willkommenes Forum, um gemeinsam mit den juristischen Berufen Chancen zu schaffen“.
Die Initiative folgt auf Kritik an Lammys Plänen, die Zahl der Geschworenenprozesse drastisch zu reduzieren. Kritiker befürchten, dass dadurch die ohnehin geringe Diversität der überwiegend weißen und bürgerlichen Richterschaft zu mehr rassistischen und klassenspezifischen Vorurteilen führen könnte. Das neue Board soll unter anderem Mentoring-Programme für neue Richter verbessern und den Weg für Solicitors aus benachteiligten Verhältnissen ebnen.
Laut aktuellen Zahlen des Justizministeriums aus dem Jahr 2025 liegt der Anteil schwarzer Richter trotz jüngster Rekrutierungskampagnen weiterhin bei nur einem Prozent. Der Anteil weiblicher Richter konnte dagegen auf 44 Prozent gesteigert werden – ein Erfolg, an den das neue Gremium anknüpfen will.
Das Judicial and Legal Diversity Board tagte erstmals in zentraler Londoner Lage. Es soll regelmäßig zusammenkommen, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten und die Fortschritte zu überwachen. Lammy hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass er sich für verbindliche Quoten für ethnische Minderheiten in der Justiz einsetzen wolle – ein Vorhaben, das in der Regierung auf Skepsis stößt.
Mai 2026 über Lammys umstrittene Pläne zur Reduzierung von Geschworenenprozessen, die den Anstoß für die Diversitätsinitiative gaben:
Quelle: www.theguardian.com



