Die Kontrolle an Europas Außengrenzen wird digitaler und präziser. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat am Flughafen Nürnberg die Einführung des neuen Entry/Exit Systems (EES) der EU präsentiert – ein Schritt, der die Sicherheitslage in Bayern und im gesamten Schengenraum verändern wird.
Das EES ersetzt das bisherige manuelle Abstempeln von Reisepässen durch eine vollständig digitale Erfassung. Künftig werden bei der Ein- und Ausreise von Drittstaatsangehörigen nicht nur Passdaten, sondern auch biometrische Informationen wie Fingerabdrücke und Lichtbilder erfasst. Diese Daten werden in Echtzeit in einer zentralen EU-Datenbank gespeichert, auf die alle Schengen-Staaten zugreifen können.
„Mit der Einführung des EES an den Flughäfen Nürnberg und Memmingen haben wir einen Meilenstein beim Schutz der bayerischen EU-Außengrenzen erreicht“, erklärte Herrmann. Das System sei bereits an allen drei großen bayerischen Verkehrsflughäfen im Einsatz.
Die Dimensionen sind beträchtlich: Allein an den Flughäfen Nürnberg und Memmingen werden jährlich über drei Millionen Ein- und Ausreisevorgänge registriert. Diese hohe Zahl unterstreicht, welchen praktischen Nutzen das neue System für die Sicherheitsbehörden haben wird.
Konkret bedeutet das: Identitätsbetrug wird erschwert, weil biometrische Daten schwerer zu fälschen sind als Stempel in Pässen. Die Aufenthaltsdauer von Personen im Schengenraum lässt sich genau nachverfolgen – Überschreitungen der erlaubten Fristen werden sofort erkennbar. Für die Polizei und Grenzbehörden entsteht eine deutlich bessere Datenlage, die grenzüberschreitende Ermittlungen erleichtert.
Herrmann betonte, dass das EES ein wichtiger Baustein der sogenannten Asylwende sei. „Es sorgt dafür, dass zusätzlich zu den verstärkten Grenzkontrollen an Land künftig auch der Luftweg noch gezielter und effizienter überwacht wird“, so der Minister. Hintergrund ist die Erfahrung, dass der Schengenraum teilweise genutzt werde, um Aufenthalte illegal zu verlängern oder Asylregeln zu umgehen.
Das neue System ist Teil einer europäischen Strategie für sicherere Außengrenzen. Es soll nicht nur Bayern, sondern den gesamten Schengenraum schützen. Herrmann sieht darin eine Voraussetzung dafür, dass Europa ein „Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ bleibt.
Für Reisende aus Drittstaaten bedeutet die Einführung konkret: Sie müssen bei der Einreise etwas mehr Zeit für die Grenzkontrolle einplanen, da biometrische Daten erfasst werden. Der Prozess soll jedoch reibungslos ablaufen und langfristig sogar Wartezeiten verkürzen, weil Daten digital verfügbar sind und nicht jedes Mal neu erfasst werden müssen.
Die vollständige Implementierung des EES in allen Schengen-Staaten ist ein mehrjähriger Prozess. Bayern positioniert sich mit der frühen Einführung an seinen Flughäfen als Vorreiter in der europäischen Grenzsicherung.



